18. – 21. Januar 2022

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Nullenergiehäuser als Ziel

Vor dreissig Jahren kamen die ersten solaren Taschenrechner auf den Markt. Sie erzeugten nicht nur die benötigte Energie selbst, sie waren auch leichter und praktischer, da weder ein schwerfälliger Akku noch eine Steckdose nötig war. Zudem waren sie bald schon kostengünstiger als die alten Rechner. Heute ist jeder Taschenrechner selbstverständlich ein solarer Nullenergierechner. Die Gebäude sind jetzt am gleichen Punkt wie die Taschenrechner vor dreissig Jahren.

Einzelne Nullenergiehäuser gibt es seit bereits zehn Jahren, nur haben sie Mühe den Durchbruch zu erzielen. Ein Blick in die Statistik von Minergie zeigt, dass die Minergie-P oder -A Standards die grossen Gebäude und die bedeutenden Bauherren noch nicht erreicht haben. Dreiviertel dieser Labels sind für Einfamilienhäuser vergeben worden.

Die Prinzipien des energieeffizienten Bauens sind in der Theorie bestens bekannt. Als Erstes muss der Energieverbrauch drastisch reduziert werden: kompakte Gebäudeform und eine optimale Wärmedämmung. Dann gilt es als Zweites die solare Einstrahlung im Winter maximal zu nutzen: zur Sonne ausgerichteter Baukörper und nach Süden grosse Fenster. Als Drittes braucht es die entsprechende Technik: Sonnenkollektoren, Erdsonden und Lüftungsanlagen. So einfach ist es Gebäude mit einer hohen Energieeffizienz zu planen. Entscheidend ist nur die richtige Abstimmung der verschiedenen Grundsätze im architektonischen Entwurf, in der Werkplanung und auch in der Ausführung. Gemäss heutigem Stand der Technik kann die restliche, notwendige Energiemenge in der Regel mit Photovoltaik auf Dach oder Fassade erzeugt werden.

Nullenergiehäuser sind heute machbar und werden sich mit der Zeit allgemein durchsetzen. Um die Entwicklung jedoch zu beschleunigen, braucht es mehr weitsichtige Bauherrschaften und Institutionen, die bereit sind Leuchttürme und Vorbilder bauen zu lassen.

Die kleine Wohnsiedlung SunnyWatt in Watt bei Zürich (Bild: Nullenergiesiedlung SunnyWatt, Watt, Schweizer Solarpreis 2011) setzt dieses Ziel auf pragmatische Weise um. Die Häuser sind energetisch optimiert, ohne dass die Bewohner und Bewohnerinnen Einschränkungen in Kauf nehmen müssten. Um zusätzlich die graue Energie möglichst gering zu halten, sind die Gebäude ganz in Holz gebaut. Übers Jahr gesehen produzieren die dachintegrierten Photovoltaikanlagen wesentlich mehr Energie als die Gebäudetechnik braucht, bei bewusstem Konsumverhalten könnte sogar der komplette Energiebedarf der Siedlung gedeckt werden.

Beat Kämpfen, M. A. UC Berkeley, dipl. Arch. ETH/SIA, ist Geschäftsleiter der kämpfen für architektur ag in Zürich. Er ist Präsident der Kommission für das SIA-Merkblatt 2047 „Energetische Gebäudeerneuerung“.

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