18. – 21. Januar 2022

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Stadt-Land-Konflikt in der räumlichen Entwicklung?

Die Raumplanung ist an sich eine Daueraufgabe der Behörden. Gegenwärtig ist sie jedoch stärker im Fokus der Diskussionen, weil auf Bundesebene eine Teilrevision des Raumplanungsgesetzes im National- und Ständerat diskutiert wird.

Eine Vernehmlassungsvorlage für eine Totalrevision wurde vor ungefähr zwei Jahren vom Bundesrat zwar wieder zurückgezogen, wird jedoch in den nächsten Jahren zweifellos wieder diskutiert werden.

In diesem Zusammenhang wird auch von verschiedenen Seiten von einem zunehmenden Stadt-Land-Konflikt mit unterschiedlichen Lebens- und Wohnmodellen gesprochen. Diese Feststellung konnte ich in den laufenden Diskussionen zur Raumplanung im Parlament oder den vorberatenden Kommissionen nicht beobachten.

Selbstverständlich sind die Erwartungen oder Ansprüche im ländlichen Raum und in städtischen Gebieten nicht dieselben. Sie erfordern auch unterschiedliche Lösungen in den raumplanerischen Festlegungen.

Eine Bestrebung der Raumplaner ist es dabei, die Baulandreserven kleiner Gemeinden zu streichen, welche in Bezug auf die Erschliessung mittels des öffentlichen Verkehrs etwas benachteiligt sind. Dieser Lösungsansatz führt bei der betroffenen Bevölkerung zu einigen Befürchtungen: Durch die Streichung der Baulandreserven besteht nämlich die Gefähr, dass Infrastruktur wie beispielsweise Schulen, Kindergärten oder Dorfläden längerfristig nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Auf der anderen Seite ist in Bezug auf die städtischen Gebiete unbestritten, dass der zusätzliche Platzbedarf für Wohn- und Arbeitsplätze nach Möglichkeit durch eine innere Verdichtung aufgefangen werden soll.

Betreffend einer Lösung der Raumbedarfsfrage bezweifle ich jedoch, dass der Raumbedarf in den nächsten zwanzig Jahren alleine durch eine innere Verdichtung aufgefangen werden kann. Dies auch vor dem Hintergrund des zu erwartenden starken Wachstums der gesamten Wohnbevölkerung. Diese Entwicklung, die ich jedoch nicht als Stadt-Land-Konflikt sehe, wird in nächster Zeit auch zu diskutieren sein...

Hans Rutschmann ist Architekt SIA und Inhaber eines Architekturbüros. Von 2004 bis 2011 war er Nationalrat für die SVP und Mitglied der nationalrätlichen UREK (Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie).

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