18. – 21. Januar 2022

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Ausnützungsbonus für energetische Sanierungen

Die energetische Sanierung des Bauwerks Schweiz kommt nicht vom Fleck: trotz vielen Weiterbildungsangeboten, unterschiedlichen Subventionstöpfen und ständiger Medienpräsenz. Die Sympathien sind gross, doch im konkreten Fall obsiegen die Hemmnisse: überforderte Architekten und Fachplaner, ängstliche Bauherren, widersprüchliche Vorschriften und unflexible Behörden.

Als Folge wird unser Land von einer Abbruchwelle überrollt; der Ersatzneubau ist einfacher als der Umbau.

Alleine über die Energieersparnisse rechnet sich die energetische Sanierung einer Liegenschaft nicht. Die Fördergelder decken nur wenige Prozente der Gesamtkosten und werden als reine Mitnahmesubventionen abgeholt. Bis heute sind nur gerade sechs Sanierungen von Mehrfamilienhäusern mit einem Minergie-P oder Minergie-A Label zertifiziert worden (Bild: Nach Minergie-P umgebautes MFH Zürich-Höngg, Schweizer Solarpreis 2010). Wenn wir die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreichen wollen, muss der Anteil der energieeffizienten Sanierungen schnell und massiv angehoben werden. Höhere Subventionen sind nicht bezahlbar, gratis zu haben ist hingegen ein Ausnützungsbonus für die energieeffiziente Sanierung. Ein solcher Bonus ist vergleichbar mit dem Instrument der Arealüberbauung, welches unter der Voraussetzung einer Mindestgrösse des Areals sowie einer guten Gestaltung eine bisweilen riesige Mehrausnützung zulässt. Ich schlage deshalb folgenden Satz für unsere Baugesetze vor:

Die Sanierung eines bestehenden Mehrfamilienhauses nach Minergie-P oder Minergie-A wird mit einem zusätzlichen Geschoss (oder der entsprechenden Fläche) belohnt.

Der vorgeschlagene Bonus für die energetische Sanierung bewirkt eine Vielzahl von positiven Effekten. Der ökonomische Anreiz für die Bauherrschaft ist offensichtlich, für die öffentliche Hand entstehen keine Kosten und die sanierten Bauten fallen optisch als Trendsetter auf. Technisch wird die tiefgreifende energetische Sanierung vereinfacht, da der Altbau mit Neubauteilen ergänzt wird. Hinsichtlich grauer Energie schneidet der Umbau gegenüber dem Ersatzneubau viel besser ab und führt erst noch zu spannenderen Wohnungen und einem vielfältigeren Stadtbild. Ganz nebenbei wird so der bestehende, gut erschlossene Siedlungsraum verdichtet und damit ein weiteres Postulat für die Energiewende erfüllt. Ich bin überzeugt, dass diese einfache Forderung eine grosse und schnelle Wirkung auf die energetische Sanierung des Bauwerks Schweiz erzielen wird!

Beat Kämpfen, M. A. UC Berkeley, dipl. Arch. ETH/SIA, ist Geschäftsleiter der kämpfen für architektur ag in Zürich. Er ist Präsident der Kommission für das SIA-Merkblatt 2047 „Energetische Gebäudeerneuerung“.

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