16. – 19. Januar 2024

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In Daten stecken viele unterschätzte Möglichkeiten – Teil 2

Um Innovationen voranzutreiben, braucht es eine ständige Weiterentwicklung von Bestehendem. Dabei können auch nicht digitalisierte Daten als wichtige Grundlage dienen – vorausgesetzt, sie werden für den heutigen Gebrauch adaptiert.

Titelbild: werk-material.online listet zurzeit im Messekanton Basel-Stadt 39 Projekte auf, darunter 3 Einfamilienhäuser und 4 Primar- und Sekundarschulen.

Unbearbeitete oder nicht verfügbare Daten haben einen geringen Wert, habe ich zum Schluss des letzten Blogs geschrieben. Es gibt aber auch Situationen, wo Daten zwar verfügbar sind, aber nicht in einer zeitgemässen Form. Erkennt man dies, kann daraus beispielsweise eine neue Datenbank entstehen.


Online-Datenbank statt Sammelregister

Seit 1982 publiziert der Bund Schweizer Architektinnen und Architekten (BSA) in seinem offiziellen Organ «werk, bauen + wohnen» das «werk-material»: aus der Zeitschrift herauslösbare und vorgelochte Datenblätter zu Bauprojekten renommierter Architektinnen und Architekten. 38 Jahre lang bestand die einzige Möglichkeit, von diesem Datenschatz zu profitieren darin, diese zu sammeln und mittels eines separat angebotenen Registers in Ordnern abzulegen. Seit 2020 bieten die Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB) und «werk, bauen + wohnen» die Sammlung als werk-material.online an. Kooperationspartner sind das Bundesamt für Statistik (BFS) und seit Ende 2021 auch der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA).

 

Die erfassten Zahlen lassen sich detailliert analysieren, sei es gemäss Arbeitsgattungen des Baukostenplans BKP (z.B. 21 Rohbau), nach Prozenten der Erstellungskosten, nach dem absoluten Betrag, aber auch nach dem Kennwert Franken pro Quadratmeter Geschossfläche GF gemäss Norm SIA 416.
Die erfassten Zahlen lassen sich detailliert analysieren, sei es gemäss Arbeitsgattungen des Baukostenplans BKP (z.B. 21 Rohbau), nach Prozenten der Erstellungskosten, nach dem absoluten Betrag, aber auch nach dem Kennwert Franken pro Quadratmeter Geschossfläche GF gemäss Norm SIA 416.



Weit mehr als 800 dokumentierte Bauwerke

Gelingt es, die vielen unterschätzten Möglichkeiten in den Daten nicht nur zu mobilisieren, sondern sie auch zu verknüpften, so steigt deren Wert nochmals. Genau mit diesem Ziel leisten die vier Partner bei werk-material.online ihren spezifischen Beitrag:

Der seit 1966/67 vom CRB herausgegebene Baukostenplan BKP ermöglicht die standardisierte Dokumentation aller Baukostenwerte, sei es für Stahlbetonarbeiten, Fenster oder Honorare. Darauf aufbauend hat die Redaktion von «werk, bauen + wohnen» seit 1982 erstklassige Objekte gesammelt, dokumentiert und im «werk-material» veröffentlicht – jährlich etwa zwanzig Bauten. Das scheint auf den ersten Blick wenig zu sein, wenn man bedenkt, was alles gebaut wird. Aber wie beim Schriftsteller Thomas Mann, der pro Tag «nur» eine Seite verfasst hat, das aber Tag für Tag über 60 Jahren, hat sich dieses Durchhalten gelohnt: Über die Jahre sind Daten zu rund 820 Bauwerken zusammengekommen, die durch weitere vom CRB ergänzt wurden. Das BFS aktualisiert diese CRB-Projekte halbjährlich auf Basis der laufend erhobenen und die Bauteuerung abbildenden Kostendaten.

Die Indexwerte des BFS zu den Preisniveaus in den sieben Grossregionen der Schweiz dienen dazu, die Daten sämtlicher erfasster Bauwerke der aktuellen Teuerung anzupassen. So wurde das «Congress Center, Basel und Hotel Le Plaza, Basel» am Messeplatz gleich gegenüber der Swissbau-Halle 1984 zu Kosten von 123 Millionen Franken gebaut. Projiziert man die Kosten auf heute, so sind es 202 Millionen oder zurück auf das Jahr 1914, für das die ältesten Teuerungsdaten zur Verfügung stehen, noch 13 Millionen Franken.


Grundlagendaten vom SIA

Das Denkmal für Stadtingenieur und SIA-Central-Präsident Arnold Bürkli (1833 – 1894) im Zürcher Arboretum ist nicht weit von dem nach ihm benannten Bürkliplatz entfernt. (Foto: Urs Wiederkehr)
Das Denkmal für Stadtingenieur und SIA-Central-Präsident Arnold Bürkli (1833 – 1894) im Zürcher Arboretum ist nicht weit von dem nach ihm benannten Bürkliplatz entfernt. (Foto: Urs Wiederkehr)

Auch vom SIA, der seit letztem Jahr Kooperationspartner ist, stammen zwei wichtige Beiträge zu werk-material.online. Verschiedene Definitionen, die bei der Berechnung von Kennwerten zur Anwendung kommen, stammen aus der Norm SIA 416 «Flächen und Volumen von Gebäuden». Damit lässt sich beim oben genannten Kongresszentrum der aktuelle Kennwert zu den Gebäudekosten (BKP 2) pro Kubikmeter Gebäudevolumen (GV), bestimmt nach der SIA-Definition, berechnen und anzeigen: 1299 CHF/m3 GV.

Vom SIA ist noch eine weitere Grundlage im Spiel. Alle in werk-material.online erfassten Bauwerke sind sowohl nach der Objektartengliederung von «werk-material» als auch nach jener des CRB klassiert. Beide basieren in ihrem Kern auf Überlegungen, welche für die Festlegung der Bauklassen beziehungsweise des Schwierigkeitsgrads in den heute nicht mehr opportunen SIA-Honorarformeln Verwendung gefunden haben. Der SIA hat seine erste «Norm zur Honorirung architecton. Leistungen» 1877 verabschiedet. Der damalige Zürcher Stadtingenieur und SIA-Central-Präsident Arnold Bürkli hat die Jahresversammlung geleitet, bei der festgehalten wurde: «Für Arbeiten in oder ausser dem Hause, wie Lokalbesichtigungen, Abnahmen etc. sind Taggelder zu verrechnen und zwar für den ganzen Tag Fr. 30.» Für «Kleinere Bauobjecte, welche einen architektonisch-decorativen Charakter haben», konnte man das prozentual höchste Honorar in Rechnung stellen. Dazu gehörten neben Pavillons und Schaufenstern auch Denkmäler: Bürklis Denkmal im Züricher Arboretum steht nicht weit von dem nach ihm benannten Bürkliplatz entfernt.

 

Alte und neue Erkenntnisse zusammenführen

Unterdessen ist der 55 Jahre alte Baukostenplan BKP durch eine modernere und anwendergerechtere Form, den elementbasierten BKP für den Hochbau (eBKP-H), abgelöst worden. Sind nun alle bisher erhobenen Daten unbrauchbar? Nein, im Gegenteil, denn hier kommt eine der Stärken von digitalen Anwendungen zum Zuge: Ein in werk-material.online integriertes, cleveres Tool ermöglicht die Umschlüsselung der BKP-Daten auf den BKP-H, so dass auch neue Projekte mit den bisherigen Daten verglichen werden können. Selbstverständlich lassen sich auch eigene Projekte in der Datenbank abspeichern, so dass sie für spätere Vergleiche zur Verfügung stehen.

Ich verzichte in diesem Blog auf eine Beschreibung aller Verfahren und lade Sie stattdessen ein, sich in der CRB-Lounge an der Swissbau 2022 werk-material.online im persönlichen Gespräch erklären zu lassen.

Einmal mehr sind alte und neue Erkenntnisse zusammengeführt worden, und durch die Nutzung der Kernkompetenzen der einzelnen Partner ist etwas Neues entstanden. Ein ständiger Verbesserungsprozess führt zu Innovationen. Auf diese Art und Weise soll die Digitalisierung wirken können und so stelle ich mir ihr Gelingen auch vor.

Treffpunkte an der Swissbau Compact, 3. – 6. Mai 2022, Messe Basel
CRB-Lounge und SIA-Lounge im Swissbau Focus 

Veranstaltung zu werk-material.online
Neue Arbeitsmittel zur Kostenplanung mit eBKP und Kennwerten, Mittwoch 4.5.2022, 11 – 12 Uhr, Swissbau Focus Raum 2, mit CRB, «werk, bauen + wohnen», SIA und Anwender

Websites
Werk-Material-Online
Architekturzeitschrift werk, bauen + wohnen
SIA an der Swissbau 2022: www.sia.ch/swissbau
CRB an der Swissbau 2022
 

Dr. Urs Wiederkehr ist Bauingenieur und Leiter des Fachbereichs «Digitale Prozesse» auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. Er ist Mitglied des Steering Boards des Swissbau Innovation Labs 2022.

www.sia.ch/swissbau

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