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Nachgefragt bei Benoît Revaz, Direktor Bundesamt für Energie

Publiziert am 25.10.2017 von Redaktion Swissbau
Benoit Revaz
Nachgefragt In unserer Serie „Nachgefragt“ erklärt Benoît Revaz, Direktor beim Bundesamt für Energie, warum der Mensch ein grosses Hindernis für mehr branchenübergreifende Zusammenarbeit ist. Und warum passive bauliche Massnahmen effizienter für die Energieeffizienz sein können als die Digitalisierung. 

1. Wo sollten die Akteure der Baubranche mehr kooperieren?

Es fehlt immer noch an einer Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bauberufen. Nachhaltiges Bauen bedingt, dass jede Berufsgattung die Arbeiten der andern mit einbezieht. Die Digitalisierung kann dazu beitragen, diesen Austausch zu erleichtern und eine bessere Koordination sicherzustellen. Damit dies gelingt, müssen aber die Instrumente und Benutzeroberflächen an die Benutzer der Baubranche und die Anwendung dieser Instrumente auf den Baustellen angepasst werden.

2. Mit welchen Branchen, die heute noch nicht relevant für Ihr Unternehmen sind, sehen Sie in den nächsten 10 Jahren eine vermehrte Zusammenarbeit?
Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 erfordert eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Verbrauchern von Energien und Dienstleistungen. Diese Zusammenarbeit ist auf mehreren Ebenen der Wertschöpfungskette notwendig und geht in mehrere Richtungen. Sie ermöglicht es Neueinsteigern, Marktmöglichkeiten zu ergreifen, und bietet zugleich langjährigen Akteuren die Gelegenheit, ihre Kompetenz und ihre Erfahrung bei ihrer Kundschaft hervorzuheben.

3. Wo liegen die Grenzen einer unternehmens- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit?

Wahrscheinlich stellt der Faktor Mensch das grösste Hindernis dar – nicht aus bösem Willen, sondern weil sich alle auf die eigenen Hauptaufgaben konzentrieren. Der übergreifende Charakter der entwickelten und vermarkteten Lösungen bedingt eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Branchen.

4. Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung in der Baubranche und in Ihrem Unternehmen bei?
Die Digitalisierung wird in der Planung, im Bau und im Betrieb der Gebäude verschiedene Rollen spielen. Aus Sicht der BFE ist sie mit Chancen verbunden:
  • Reduzierung des Energieaufwandes für die Erstellung der Bauten (graue Energie auf den Baustellen)
  • Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude
  • Bessere Integration und Nutzung von erneuerbaren Energien in den Gebäuden
  • Integration von Gebäuden in Smart-Grids, die intelligenten Stromversorgungsnetze der Zukunft
  • Verbindung der Gebäude untereinander und mit anderen Objekten( IoT), um die effizienten Smart Cities von morgen zu schaffen
  • Effizienzsteigerung im ganzen Bauablauf von der Planung bis zum Betrieb im Zusammenhang mit BIM
  • Durch Systematisierung von Planungs- und Bauabläufen wird erwartet, dass sich auch die Qualität verbessern wird.
  • Die Vereinfachung für die Beteiligten kommt dann zum Tragen, wenn der Bau, Betrieb und alle Systeme, Anlagen und Geräte wirklich zusammenspielen.

5. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen der Digitalisierung in der Baubranche?

Die Digitalisierung „lebt“ nur, wenn die Menschen mitmachen. Die Baubranche ist eher träge, wenn es um Veränderungen bei Prozessen und die Einführung neuer Technologien geht. „Zuerst einmal abwarten und sehen, ob das wirklich funktioniert – es ging bisher auch immer ohne“, so tönt es häufig. Fragen beim Datenschutz, der Langlebigkeit von Hard- und Softwarekomponenten, dem Unterhalt, der Zuverlässigkeit, der Kompatibilität zwischen Anlagen und Systemen sind noch nicht abschliessend geklärt.

Die Digitalisierung ist nicht das einzige Mittel, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern, die passiven baulichen Massnahmen sind unbestritten weiterhin die Grundlage für die energieeffizientesten Gebäude – eine gut eingebaute Gebäudedämmung übernimmt z.B. ihre Funktion zuverlässig während unzähliger Softwaregenerationen und musste bisher noch nie eine neue Software aufschalten.

6. Verschärft die Digitalisierung die in- und ausländische Konkurrenz? Mit welchen Strategien begegnen Sie dieser Herausforderung?

Die Digitalisierung ermöglicht es neuen Akteuren, Dienstleistungen und andere Angebote zu erbringen, ohne zwingend physisch in der Nähe sein zu müssen. Dies ist mit Chancen und Risiken verbunden, auf die die Akteure reagieren müssen, indem sie ihr spezifisches Know-how mit dem Potenzial der Datenauswertung kombinieren.
Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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