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Minimal-invasiv zum klimaneutralen Gebäudebestand

Publiziert am 28.10.2017 von Redaktion Swissbau
Retrokit
Swissbau Die Etablierung eines möglichst klimaneutralen Gebäudebestandes ist kein einfaches Unterfangen. Denn Sanierungen bei Bestandsbauten sind aufwändig und kostenintensiv. Ein Forschungsprojekt schafft mit einem modularen Konzept für die thermische Gebäudehülle und die haustechnischen Anlagen eine preiswerte Alternative.

Vor allem im urbanen Umfeld ist das Stadtbild von Baulücken für Neubauten geprägt. Wo vor kurzem noch ein älteres Mehrfamilienhaus stand, ist plötzlich alles dem Erdboden gleich gemacht. Dabei erfüllen ältere Massivbauten Nachhaltigkeitskriterien wie Dauerhaftigkeit, Stabilität, Speicherfähigkeit oder Schadstofffreiheit. Ihr Erhalt wäre ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Dies zum Beispiel dank ihrer Reparaturfähigkeit, die einen Abbruch mit Bauschutt, Emissionen sowie Energieverbrauch für Entsorgung und Neubau überflüssig macht. Doch nicht immer ist eine Sanierung kostengünstiger als die Neuerstellung eines Gebäudes. Je nach Zustand der Liegenschaft und der Tiefe der nötigen Eingriffe in den Baubestand sind Erneuerungsarbeiten aufwändiger und teurer. Hinzu kommt, dass Neubauten in architektonischer, räumlicher und energetischer Hinsicht völlig neue Möglichkeiten bieten.

Vorgefertigt zur Sanierung
Geht es um energetische Sanierungen der Gebäudehülle, stellen vorgefertigte, modulare Fassadenelemente eine Option dar. Werden sie als multifunktionale Bauteile produziert, dienen die Module nicht nur dem Witterungsschutz. Ergänzt mit Beschattungs-, Belüftungs-und Energieerzeugungselementen verfügen sie über Zusatzfunktionen, die das Gebäude nochmals aufwerten. Lassen sich innerhalb der Fassadenmodule zusätzlich auch Wasserrohre, Stromanschlüsse oder Internetkabel verlegen, müssen diese Arbeiten nicht aufwändig innerhalb des Gebäudes erledigt werden.

Projekt RetroKit

Dass es bezüglich solcher modularen Lösungen lange Zeit Aufholbedarf gab, zeigt das Projekt „RetroKit“, das 2012 von der Europäischen Union (EU) initiiert wurde, um Neuentwicklungen zu fördern. Das Ziel: in Form einer Toolbox stehen der Baubranche vorgefertigte Bauteile zur Verfügung, die sich durch niedrige Herstellungskosten, einfache Montageprozesse und hohe Flexibilität auszeichnen.
Auch das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) beteiligt sich an der Entwicklung vorgefertigter Fassadensysteme, die in Zusammenhang mit einer thermischen Sanierung gleichzeitig eine flexible Verlegung von Heizung, Lüftung, Strom und ICT ermöglichen. Die Integration in die bestehende Haustechnik erfolgt dabei über spezielle Fensterelemente, über die die Gewerke ins Gebäudeinnere geführt werden können. Gleichzeitig soll eine Standardisierung dafür sorgen, dass Erweiterungen sukzessive erfolgen können.

Entlastung für alle

Vorgefertigte Bauteile stellen noch unter einem anderen Aspekt eine attraktive Option für Sanierungen dar. Da sie weniger Baustellenfläche benötigen und die Montagezeit kürzer ist als bei traditionellen Bauweisen, kann die Störung von Mietern und Anwohnern auf ein Minimum reduziert werden.

Wer über die Optionen für die Sanierung und den Neubau von Heizung, Lüftung, Klima und Gebäudetechnik mehr wissen möchte, findet in der Halle 1 Süd der Swissbau die entsprechenden Aussteller versammelt. Von dort ist es ausserdem nur ein Katzensprung in die Zukunft des Bauens: In der Sonderschau für digitale Transformation, dem Swissbau Innovation Lab, kann erkundet werden, wie Bauen im Jahr 2023 aussehen wird.
Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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