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Photovoltaik und Landschaftsschutz: Kein Widerspruch

Publiziert am
19.10.2011
von
Der Bundesrat hat sich wie Deutschland für den Atomausstieg entschieden. Bürgerliche Parteien nutzten diesen Entscheid, um damit den ungeliebten Natur- und Landschaftsschutz anzugreifen. In diese Debatte fiel im April die Meldung, dass die Schweiz 2010 4% mehr Strom als im Vorjahr verbraucht hatte, was 3/4 der Jahresproduktion des KKW Mühlebergs entsprach!

Derzeit liegt der Anteil der neuen erneuerbaren Energien aber weit unter der Prozentgrenze. Primäres Ziel muss es daher sein, den Stromverbrauch zu senken. Dies kann meines Ermessens nur mit Lenkungsabgaben, Stromverbrauchs- und Bauvorschriften (zum Beispiel für PlusEnergieBauten) erfolgen.

Von dem Begriff der «erneuerbaren» Energie dürfen wir uns aber nicht blenden lassen. Grundsätzlich gibt es ausser den «Negawatts» keine ökologisch unbedenkliche Energieproduktionsform. Der ökologische Pferdefuss hängt bei jeder Energieart von den Ausbauzielen ab. Matthias Fawer hat in seinem Blogbeitrag zu Recht auf das grosse Potenzial der Sonnenenergie hingewiesen. Swissolar strebt für 2025 einen Anteil von 20% Solarstrom (12 TWh) am Gesamtstromverbrauch an. Der Bund möchte diese Grössenordnung (10 TWh) bis 2050 erreichen. Vergleichen wir dieses Ausbauziel mit den übrigen Ausbauplänen in der Wasserkraft (+ 10 TWh, inkl. 5 TWh für die Pumpspeicherung) und in der Windkraft (+ 4 TWh), so können wir den Solarweg in der Tat als künftigen «Königsweg» der schweizerischen Stromversorgung bezeichnen! Dies mit Blick auf die grossen Nachteile der Wind- und Wasserkraft. Dennoch muss in der Branche das Verständnis vorhanden sein, dass nicht überall Solaranlagen sinnvoll sind.

Von den über zwei Millionen Bauten in unserem Lande sollten die wenigen Prozent von geschützten historischen Bauten, die unsere Baukultur und Identität der Ortschaften widerspiegeln, verschont bleiben. Für deren Restauration wurde viel Geld ausgegeben.

Das 20% Ausbauziel für die Photovoltaik ist mit 25% der gesamten Gebäudefläche erreichbar, ohne dass man die Denkmalpflege und den Landschaftsschutz in Frage stellen muss.

Raimund Rodewald, Dr. phil. Biol., Dr. h.c. iur. promovierte in Pflanzenbiologie an der Universität Zürich. 1990 trat er die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters bei der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) in Bern an, deren Leitung er seit 1992 inne hat. Seit 2006 ist er Gastdozent für Landschaftsästhetik am Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) der Universität Basel. Raimund Rodewald erhielt im November 2008 den Ehrendoktor der juristischen Fakultät der Universität Basel.

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