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Hochschulbildung im Baubereich – lasst euch nicht ablenken!

Publiziert am
05.09.2017
von
Meinung Frischgebackene Architekten und Ingenieure sehen sich heute mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen konfrontiert. Dazu prägen aktuelle Megatrends wie Digitalisierung und Internationalisierung auch die Baubranche. Es ist die Aufgabe der Hochschulen, unserem Nachwuchs auch in Zukunft die richtigen Kompetenzen zu vermitteln und einen erfolgreichen Berufseinstieg zu ermöglichen. Wie gelingt uns das? 

Bauen ist komplex. Die Anforderungen an Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure sind hoch, die Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Gesellschaft, Kultur und Technik ausgesprochen anspruchsvoll. Wichtige und zusätzliche Herausforderungen wie Klimawandel oder Raumplanung kommen erschwerend hinzu. Bei der Ausbildung müssen die Hochschulen diesen gesteigerten Anforderungen gerecht werden. 

Des Weiteren darf und kann sich die Hochschulbildung den aktuellen Megatrends natürlich auch im Baubereich nicht verschliessen. Mit der Digitalisierung werden Arbeitswelten, Planungsprozesse und die Kommunikation fundamental verändert. Parallel führt die zunehmende Internationalisierung dazu, dass das Bauen – oder zumindest das Planen von Bauten – heute kaum mehr lokal stattfindet. Und schliesslich ist das Bild der Studienanfänger geprägt von einer wachsenden Heterogenisierung: Die Profile der jungen Leute werden immer disperser und die Individualisierung ist zentraler Bestandteil ihres Alltags. So bringen sie alle unterschiedliche Anforderungen und Ziele mit, für ihren ganz individuellen Lebensplan. 

Selbstverständlich muss auf neue Trends reagiert werden, selbstverständlich ändern sich die Planungstools und der Unterricht ganz generell. Neue Lernmedien ermöglichen die Individualisierung von Lernzielen. Austauschsemester und Unterricht auf Englisch beschränken sich längst nicht mehr auf die ETH. 

In diesem Kontext ist für mich persönlich klar: Die Herausforderung der Bildungsinstitutionen besteht darin, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Denn die wichtigsten Kompetenzen unserer jungen Abgängerinnen und Abgänger sind im Prinzip seit jeher die gleichen.  

Nach wie vor im Zentrum stehen Fachkompetenz, technische und kulturelle Verankerung, interdisziplinäres Verständnis sowie die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Zusätzliche Anforderungen wie digitale Kompetenzen und der Umgang mit neuen Tools und Prozessen müssen mitgenommen werden, sie dürfen aber nie dominieren. Lasst euch nicht ablenken!

Urs Rieder, dipl. HLK-Ing. FH SIA, war vor seiner Berufung an die Hochschule Luzern rund 15 Jahre in führenden Unternehmungen in Planung und Projektierung von Gebäudetechnikanlagen tätig. Seit Frühjahr 2000 ist er hauptamtlicher Dozent für Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Von 2005 bis 2015 leitete er die Abteilung und den Studiengang Gebäudetechnik. Seit 2015 leitet er als Vizedirektor die Ausbildung, welche die neun Bachelor- und zwei Masterstudiengänge des Departements Technik & Architektur umfasst. Urs Rieder ist Vorstandsmitglied des SIA, Mitglied des SIA-Fachrats Energie und Präsident des SIA-Fachrats Bildung.
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