18. – 21. Januar 2022

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Es braucht Taten und nicht Worte

Die Änderung der Bezeichnungen unserer Berufsabschlüsse auf Tertiärstufe soll gemäss dem Gewerbeverband der Berufsbildung dienen. Zu glauben, dass dadurch die längst beschlossene Gleichwertigkeit zur akademischen Bildung endlich erreicht wird, ist ein Irrtum. Es braucht dazu keine umständlichen Wortgeburten, es braucht Engagement auf politischer Ebene und Arbeit am Image der Berufslehre. 

Die Politik hat sich endlich dazu durchgerungen, künftig auch Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung finanziell zu unterstützen. Das ist ein Anfang. Ich gebe Hans-Ulrich Bigler (Beitrag vom 7.4.2015) recht, dass das alleine nicht ausreicht und es noch viel Engagement für die Berufsbildung braucht. Dieses auf die Einführung von Titeln zu verschwenden, die im Rest der Welt nicht verstanden werden, ist jedoch unsinnig. 

Nur weil der Nachwuchs anstelle von Sanitärmeister dann Professional Master of Plumbing werden kann, wird kaum jemand dem Spross zu einer Lehre als Sanitärinstallateur raten. Das Problem sitzt viel tiefer. Es muss uns gelingen, die Berufsbildung mit ihren Möglichkeiten in den Köpfen der Menschen wieder zu einer attraktiven Option zu machen. Es muss uns als Gesellschaft gelingen, den jungen Menschen wieder eine echte Wahl zu lassen, wenn es um ihre Zukunft geht. 

Zu oft wird der akademische Weg von Eltern für ihre Kinder als der einzig richtige angesehen. Ob das den Talenten der Kinder und Jugendlichen entspricht, ist dabei zu oft zweitrangig. Kinder machen sich bereits in der Primarschule Sorgen um ihre Zukunft, sind dem Druck schulisch oft nicht gewachsen. 

Wird uns das als Gesellschaft weiterbringen, wenn wir unsere Kinder durch eine akademische Laufbahn drängen? Natürlich nicht – daran wird aber auch eine Änderung der Berufsbezeichnungen nichts ändern. Es muss endlich mit dem Irrglauben aufgeräumt werden, dass Sozialprestige gleichzeitig berufliche Chancen mit sich bringt. Denn dazu braucht es mehr: gute Vorbilder, Wissen um die ausgezeichneten Karrierechancen in der Berufsbildung und eine Begleitung der Jugendlichen in der Berufswahl, die diesen Namen auch wirklich verdient. Und nicht zuletzt braucht es dazu auch einen Stopp der Abwertung der handwerklichen Fächer in der Volksschule. In diesen Bereichen besteht Spielraum für eine aktivere Rolle des Bundesrates, welcher zu Recht erkannt hat, dass die Diskussion um die Berufsbezeichnung verlorene Liebesmüh ist.

 

Daniel Huser führt seit 1991 in vierter Generation die Huser Gebäudetechnik AG in Wettingen, wo er auch als Mitglied der Stadtregierung amtet. Seit dem 1. Januar 2015 präsidiert er zudem den Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband suissetec. Der Branchen- und Arbeitgeberverband umfasst Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Sanitär (einschliesslich Werkleitungen), Heizung, Spenglerei/Gebäudehülle, Klima, Lüftung und Klima/Kälte. Der Verband vertritt alle Stufen der Wertschöpfungskette, das heisst Hersteller, Lieferanten, Planer und Ausführende. suissetec umfasst 26 Sektionen mit über 3‘400 Mitgliederbetrieben, die rund 43‘000 Mitarbeitende beschäftigen

 

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