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Es braucht eine ganzheitliche Sicht

Publiziert am 20.12.2019 von Redaktion Swissbau
Werner Fehlmann
Swissbau Menschen verbringen zu 90 Prozent ihres Lebens in Gebäuden. Ihr Wohlbefinden und ihre Arbeitsleistung sind auch davon abhängig, wie gut das Gebäude auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Das digitale Smart Building spielt dabei eine wesentliche Rolle. Werner Fehlmann von Siemens erläutert im Interview die Möglichkeiten digitaler Lösungen, Gebäude effizienter zu nutzen.


Sie arbeiten bereits seit über 30 Jahren bei Siemens. Wie haben sich das Unternehmen und dessen Umfeld in dieser Zeit verändert?
Die grösste Veränderung ist die Digitalisierung. Sie hat grosse Auswirkung auf den Berufsalltag und auf die Zusammenarbeit, wo generell alles schnelllebiger geworden ist. Siemens kommt ja ursprünglich aus dem Bereich Telekommunikation, und das Unternehmen hat sich in den vergangenen 30 Jahren weiterentwickelt und den Marktgegebenheiten angepasst, um am Puls der Zeit zu bleiben. So kam die Gebäudetechnik dazu. Dabei hat es in meinen Augen einen guten Riecher gehabt. Heute sind smarte Infrastruktur und verteilte Energiesysteme das grosse Thema. Daraus ist schliesslich auch unser aktueller Claim «Creating environments that care» entstanden. Siemens will mit seinen Lösungen, Produkten und Dienstleistungen dazu beitragen, dass Gebäude heute effizienter und benutzerzentrierter genutzt werden.

Welche aktuellen Lösungen stehen dafür bereit?
Smart-Building-Lösungen können massgeblich dazu beitragen. In diesem Bereich haben wir durch den Zukauf der Startups Comfy und Enlighted unsere Kompetenz stärken können. Bei der Comfy-App steht die sogenannte Workplace Experience in Bürogebäuden im Vordergrund. So können entsprechend der Gebäudenutzung Heatmaps erstellt werden, aus denen der Betreiber die Verkehrswege der Nutzer oder die Belegung der Räume ablesen kann. Dies ermöglicht die Multisensor- und Ortungstechnik von Enlighted. Diese Informationen können im digitalen Gebäude-Zwilling abgelegt und sichtbar gemacht werden, um daraus richtige Entscheidungen zu fällen. Dazu kommt die Mobile Access-Technik, mit dieser digitalen Schlüsseltechnik wird erlaubt, dass Sie beispielsweise Ihr Handy nutzen können, um Türen zu öffnen.

Die neuen Funktionen kommen auch im neuen Hauptsitz der Division Building Technologies in Zug zum Einsatz, der vor rund einem Jahr eröffnet wurde und als Referenzprojekt von Siemens mit innovativer Gebäudetechnik ausgestattet ist. Was sind die ersten Erfahrungen?
Das Gebäude kommt bei den Mitarbeitenden gut an, denn sie profitieren von den neuen Funktionen. Die Interaktion zwischen Mensch und Gebäude erhöht nicht nur ihre Produktivität, sondern auch deren Zufriedenheit. Die neuen Möglichkeiten mit den flexiblen Arbeitsplätzen und den spontan buchbaren Besprechungszimmern haben sich zudem positiv auf die Arbeitskultur und die Effizienz der Zusammenarbeit im Unternehmen mit mehreren hundert Personen ausgewirkt. Auch für den Betreiber des Gebäudes ist die bisherige Bilanz positiv, da er – wie bereits oben ausgeführt – bessere Möglichkeiten hat, die Nutzung der Räume zu überblicken und die Flächenauslastung zu optimieren, um die Effizienz des Gebäudebetriebes zu steigern.

Siemens ist an der Swissbau 2020 präsent. Was erwartet die Besucher?
Wir werden an der Swissbau mit unserem Hauptstand, dem kleineren Stand zum Thema Elektromobilität sowie unserem Digital Use Case zu Smart Building und der «Building Twin»-Plattform auch im Innovation Lab vertreten sein.

Wie sieht dieser Digital Use Case aus?

Unter dem Titel «Smart Building erhöht Gebäudeperformance» zeigen wir dort auf, wie das digitale Smart Building auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtet werden kann und somit massgeblich zum Geschäftserfolg eines Unternehmens beiträgt. Zudem wollen wir den Besuchern unseren digitalen Gebäude-Zwilling zeigen. Wir demonstrieren, wie wir unsere «Building Twin»-Plattform über das Internet of Things mit unseren Feldgeräten verbinden. Gleichzeitig zeigen wir Business Cases auf, anhand derer spezifische Anwendungsfälle mit Hilfe der Digitalisierung gelöst werden können. Denn genau darum geht es letztendlich: Wir wollen nicht einfach alles machen, was technisch möglich ist, sondern mit Unterstützung von digitalen Mitteln gezielt spezifische Anwendungsfälle und deren Bedürfnisse abdecken.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Welche technologischen Innovationen werden die Gebäudetechnik in den kommenden Jahren prägen?
IoT und Smart Building werden als Teil des gesamten dezentralen Energiesystems dominierende Themen bleiben. Gleichzeitig wird im Energiebereich das Zusammenspiel mit weiteren Innovationen wie beispielsweise Elektromobilität immer wichtiger werden. Gebäude brauchen zurzeit 46 Prozent der Gesamtenergie. Um die Effizienz zu steigern, braucht es eine ganzheitliche Sicht des Energieverbrauchs und -Gewinnung, sogenannte «Prosumer»-Gebäude. Gefragt sind gemeinsame Plattformen, die lokale Speicherung, Verbrauch und Erzeugung miteinander vernetzt und gleichzeitig auch die Energieflüsse innerhalb eines Gebäudes analysiert und steuert. Das Ziel muss sein, mit intelligenten Gebäuden ein optimales Ergebnis für Benutzer und Besitzer gleichermassen zu erzielen – also Energiekosten einzusparen, CO2 zu reduzieren und gleichzeitig Sicherheit und Komfort für die Benutzer zu gewährleisten und zu steigern.

In Zukunft mehr News rund um Gebäudetechnik:
www.gebäudetechnik.ch

Werner Fehlmann arbeitete nach seinem Abschluss als Elektroingenieur HTL seit 1986 in verschiedenen Funktionen bei Siemens. Seit April 2019 ist er Head National Accounts & BIM Schweiz im Geschäftsbereich Smart Infrastructure. Ausserdem ist er seit 2017 Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz / buildingSmart Switzerland. 


Redaktion Swissbau

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Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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