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Eine smarte Welt braucht einen smarten SIA

Publiziert am 26.09.2018 von Redaktion Swissbau
Joris van Wezemael
Swissbau Smart Phone, Smart Home, Smart Work, Smart Traffic und Konsorte brauchen eine smarte Architektur, ein smartes Engineering, einen smarten SIA – im Lead.

Albert A. Bartlett, US-amerikanischen Physiker, sagte einmal: «Die grösste Unzulänglichkeit des Menschen ist unsere Unfähigkeit, die Exponentialfunktion zu begreifen.» Die Leserin teste sich selbst: Wie oft müsste man ein normales, 0.1 mm dickes Kopierpapier falten, um damit einen Turm bis zum Mond hinauf, also von 384‘000 Kilometern Höhe zu bauen? Es sind gerade 42-mal. Nicht nur wäre man dann mit dem 440‘000 Kilometer hohen Papierturm bis zum Mond gelangt, sondern ragte auch noch 60'000 Kilometer darüber hinaus. Und nur noch acht Mal falten mehr und man wäre schon beim 80 Millionen Kilometer entfernten Mars angelangt.

Dem Moor’schen Gesetz zufolge hat sich seit 1965 etwa alle eineinhalb Jahre auch die Rechenleistung unserer Computer verdoppelt. Das heisst bis heute bereits etwa 35-mal. Auch was die Leistung unserer Informationstechnologie anbetrifft setzten wir also gerade so richtig zu atemberaubenden Entwicklungsschritten an. Und weil die Informationstechnologie unser gesamtes menschliches Dasein durchdringt und beeinflusst – wie wir kommunizieren, wie wir uns fortbewegen, wie wir uns vergnügen, wie wir arbeiten und wie wir wohnen – wird unser gesamtes Leben einem immer rapideren Wandel unterzogen.

Weil die Architektur und Ingenieurbaukunst – den beiden Planungsdisziplinen inhärent – die Bühne für dieses sich rasant wandelnde Leben erdenken und erschaffen, sind Ingenieure und Ingenieurinnen, sind Architekten und Architektinnen und mit ihnen ihr massgebender Berufsverband, der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA), als Kompass gefragt. Bilden Mitglieder und Verein doch ein hoch kompetentes, interdisziplinäres Netzwerk mit dem zentralen Anspruch, den Lebensraum Schweiz zukunftsfähig und qualitativ hochwertig zu gestalten. Sie müssen den Lead übernehmen und der Planungs- und Baubranche in Sachen Digitalisierung den Weg weisen, ja müssen allen Menschen Orientierung sein, die in irgendeiner Form, sei es als Auftragnehmer oder Auftraggeber, an der Gestaltung und Bewirtschaftung des Bauwerkes und Landschaftraumes Schweiz mitwirken. Zentral dabei ist, Digitalisierung nicht auf BIM, ja überhaupt auf die Technik zu reduzieren – wie es in der Planungs- und Baubranche noch immer Tendenz dazu gibt. Vielmehr gilt es den mit dem zweiten Maschinenzeitalter einhergehenden Impuls umfassend und in seiner ganzen Dimension zu begreifen und entsprechend zu begleiten.

In Kombination mit der Kompetenz der Fachleute spielen seit annähernd 150 Jahren noch zwei andere Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des qualitativ hochwertigen Bauwerks und Landschaftsraumes Schweiz: Die Normen und Ordnungen des SIA. Sie waren und sind bis heute ein Erfolgsmodell. Für die normierende Tätigkeit im Bereich der Digitalisierung des Planungs- und Bauwesens sieht sich der SIA folglich ebenso im Lead. Und auch bei der Normierung, welche bis anhin meist der Abbildung und Sicherung des Standes der Technik und der Baukultur folgte, sind mit Blick auf den Umgang mit einem sich in exponentieller Manier verändernden Feld neuartige Sicht- und Herangehensweisen gefragt. Beginnen können wir damit, uns endlich und nachhaltig von der in der Geschichte schon so oft widerlegten und sich trotzdem immer noch haltenden Ansicht zu verabschieden, dass sich Normierung und dynamische Entwicklungen widersprechen. Wer das noch immer glaubt, der sei allein an den durchschlagenden Erfolg der normierten Fracht-Container erinnert.

Smart Phone, Smart Home, Smart Work und Smart Traffic brauchen eine Smart Architecture, ein Smart Engineering, einen Smart SIA – wie ich dargelegt habe nicht nur dabei, sondern im Lead.

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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