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Die digitale Schweiz ist ein Gemeinschaftswerk

Publiziert am 25.09.2018 von Redaktion Swissbau
Sabine Brenner
Swissbau Die vom Bund verabschiedete Dachstrategie für eine digitale Schweiz trägt dazu bei, die Zusammenarbeit zu fördern. Warum BIM es noch nicht auf die Agenda geschafft hat und warum es trotzdem für die Bauwirtschaft wichtig ist, erklärt Sabine Brenner vom Bundesamt für Kommunikation.

1. Weshalb braucht es die Strategie Digitale Schweiz?

Der Mehrwert der Strategie liegt vor allem darin, dass sie Digitalisierungsthemen, die zukunftsrelevant sind, identifiziert und zeitnah adressiert. Sie trägt als Dachstrategie dazu bei, Silos aufzubrechen und die Zusammenarbeit zu fördern.

Last but not least ist die Strategie Digitale Schweiz auch ein Signal und ein Appell – an die Gesellschaft, die Wirtschaft und nicht zuletzt die Politik: Wir nehmen die Digitalisierung ernst und möchten die digitale Transformation zum Wohle aller nutzen. Lasst uns diese Herausforderung gemeinsam angehen!

2. Welche Punkte beinhaltet die Strategie im Wesentlichen?

Herzstück der Strategie sind neun Aktionsfelder, zu denen Aktivitäten formuliert sind, die zur Erreichung der gesetzten Ziele beitragen. Diese Vorhaben sind in einem Aktionsplan zusammengefasst. Die Aktionsfelder selbst sind breit angelegt: Bildung, Forschung und Innovation; Infrastruktur; Sicherheit; Natürliche Ressourcen und Energie; Politische Partizipation und E-Government; Wirtschaft; Daten, digitale Inhalte und künstliche Intelligenz; Soziales, Gesundheit und Kultur; Internationales Engagement.

Um einen Fokus zu setzen, hat der Bundesrat für die nächsten zwei Jahre folgende Schwerpunkte verabschiedet: Künstliche Intelligenz; Smart Cities, Smart Regions; Innovation Spaces und Austausch mit den Kantonen.

3. Welche Funktion nimmt der Bund bei deren Umsetzung ein und wer ist noch involviert?

Die Strategie selbst ist für den Bund verpflichtend. Deshalb sind die Bundesstellen besonders gefordert, ihren Beitrag zur Umsetzung der Strategie zu erbringen. Die Umsetzung erfolgt weitgehend dezentral.

Die Digitale Schweiz muss aber ein Gemeinschaftswerk sein. Der Bundesrat lädt daher alle Anspruchsgruppen ein, ihren eigenen Beitrag für eine digitale Schweiz in Anlehnung an die genannten Leitlinien zu erbringen und sich in einem Dialog über die kontinuierliche Weiterentwicklung der Strategie und ihrer Umsetzungsaktivitäten auszutauschen.

4. Welche Bedeutung hat BIM in der Strategie?

Building Information Modeling hat es noch nicht «geschafft» als Ziel in ein Aktionsfeld der Strategie zu kommen. Wir haben die Strategie in einem Multistakeholder-Verfahren entwickelt und dazu u.a. eine Umfrage bei 1500 Fachpersonen verschiedener Sparten durchgeführt. Die Wichtigkeit von BIM kam da nicht wirklich heraus – noch nicht, muss man sagen. Im Aktionsplan Digitale Schweiz haben wir bereits zwei Vorhaben, die sich mit BIM auseinandersetzen. Ich nehme an, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren ändern wird. Es gab auch schon parlamentarische Vorstösse zu BIM in der Schweiz. Das Thema kommt langsam auf die politische Tagesordnung, ist aber für viele vielleicht noch etwas exotisch.

6. Wie beurteilen Sie die Chancen und Risiken, die durch die Digitalisierung entstehen?

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung im Bauwesen kann eine Chance für die Branche selbst wie auch für den Standort Schweiz sein. BIM ist dazu geeignet, die Produktivität im Bauwesen zu erhöhen, indem es die medienbruchfreie Durchgängigkeit von Planunterlagen gewährleistet, gezeichnete Elemente mit Systemen und Daten verknüpft und im Idealfall die Daten von allen in Planung, Realisation und Bewirtschaftung an Gewerken involvierten Akteuren zusammenführt und koordiniert. Ich bin beileibe keine Expertin für BIM, aber in meinem Verständnis trifft hier die schnelllebige IT- und Softwarewelt auf die auf Langlebigkeit ausgerichtete, durchstandardisierte Bauwelt.

7. Welche Auswirkungen erwarten Sie für die Mitarbeitenden der Schweizer Baubranche?

Die Erstellung und der Umgang mit Datenbanken und Datenmodellen erfordert neue Kompetenzen. Das stellt Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung. In der Schweiz sind wir hier traditionell gut aufgestellt, weil es eine enge Verzahnung zwischen Berufsbildung und Arbeitswelt gibt. Die Entwicklung und Gestaltung von neuen Aus- und Weiterbildungsangeboten wird arbeitsmarktgerecht erfolgen. Aber es wird immer Personen geben, die mit der neuen Entwicklung nicht Schritt halten können. Es wird auch Unternehmen geben, die nicht auf BIM umsteigen wollen. Längerfristig wird die zunehmende Digitalisierung im Bauwesen zu einem Strukturwandel führen.


Sabine Brenner studierte Englisch und Geschichte. 1999 schloss sie an der Universität Lausanne mit einem Master of Business Administration ab. Seit 2000 arbeitet Sabine Brenner als Koordinatorin Informationsgesellschaft im Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). Sie leitet dort die Geschäftsstelle Digitale Schweiz des Bundes.

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Umsetzung der bundesrätlichen Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz innerhalb der Bundesverwaltung und mit Partnerorganisationen zu koordinieren. Ihre Themenschwerpunkte sind u.a. digitale Integration (e-Inclusion), IKT und nachhaltige Entwicklung, Smart City und Fragen von Sicherheit und Vertrauen im Umgang mit Computer und Internet.

Redaktion Swissbau

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Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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