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Was tun gegen die Lehrlingslücke?

Publiziert am 29.11.2017 von Redaktion Swissbau
Lehrlingslücke
Swissbau Nicht nur der Baubranche fehlen seit zwei Jahren die Lehrlinge. Doch die Gründe dafür nur in den geburtenschwachen Jahrgängen und der zunehmenden Akademisierung zu suchen, greift zu kurz. Eine Reform der Lehrlingsausbildung könnte diese wieder attraktiv machen.

Die duale Berufsbildung gehört zu den grossen Stärken der Schweiz. Sie sorgt dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit tief ist und viele Jugendliche früh in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Deshalb ist sie auch kaum umstritten. Denn junge Schweizer Arbeitnehmer mit einer abgeschlossenen Berufslehre können oft mehr als Bachelors in anderen Ländern. Das zeigte sich beispielsweise letztes Jahr an den Berufs-Europameisterschaften (Euro-Skills) in Göteborg, als die Schweiz den ersten Platz in der Nationenwertung erreichte. Von den neun Schweizer Teilnehmern gewannen zwei Gold, zwei Silber und zwei Bronze.

Doch trotz dieser beachtlichen Leistungen war 2016 die Lehrlingslücke so gross wie noch nie. Laut Lehrstellenbarometer des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) gab es einen «Lehrstellen-Überschuss» von rund 13 000 Plätzen. Denn während die Zahl der angebotenen Lehrstellen sich seit 2008 relativ stabil um die 80 000 bewegt, waren es letztes Jahr nur 66 000 jun-ge Menschen, die sich für eine Lehrstelle interessierten. Für dieses Jahr rechnet das SBFI mit rund 71 000 potenziellen Lehrlingen, wodurch sich die Situation etwas erholt. Doch bereits 2018 wird die Zahl der Schulabgänger um 2500 kleiner sein, weil dann die geburtenschwachen Jahrgänge ins Berufsalter kommen. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich die Lehrlingslücke auch in den kommenden Jahren nicht verkleinert.

Zunahme der Berufsmaturität
Besonders betroffen von dieser Lücke ist das Baugewerbe, wo letztes Jahr rund 3000 Lehrstellen unbesetzt blieben. Deshalb haben sich verschiedene Verbände und Organisationen zusammenge-schlossen und die Plattform bausinn.ch ins Leben gerufen, um auf die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Bau aufmerksam zu machen. Das ist natürlich richtig, doch trotzdem sei die Frage erlaubt, ob das reicht. Denn die geburtenschwachen Jahrgänge sind nur ein Grund, wieso viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, der andere ist wohl in der steigenden Maturitätsquote zu suchen. Zwar ist diese für die gymnasiale Maturität und die Fachmaturität seit Jahren mehr oder weniger stabil, doch ist eine markante Zunahme der Berufsmaturitätsquote festzustellen.

Deswegen den Teufel der zunehmenden Akademisierung an die Wand zu malen, wäre allerdings doppelt falsch. Denn einerseits vergrault man damit wohl die klugen Köpfe für eine Lehre und an-dererseits ist es nur verständlich, wenn sich Jugendliche durch die Berufsmaturität den Weg offenhalten wollen, beispielsweise nach einer Schreinerlehre noch in Richtung Holzbauingenieur zu gehen. Denn die Baubranche braucht gut ausgebildete Arbeiter und sollte sich deshalb darüber freuen, dass das mittlerweile stark diversifizierte Angebot der höheren Fachschulen und Fachhochschulen die jungen Leute lockt. Das ist an der Zunahme der Berufsmaturitätsquote klar erkennbar.

Reform der Ausbildung
Die Lösung kann also nur lauten, die Lehrlingsausbildung für alle – insbesondere für Lehrlinge mit Berufsmaturität – attraktiv zu machen, auch wenn das mehr Zeit in der Schule bedingt. Zusätzlich sollte man auch über Reformen nachdenken, denn beispielsweise Englisch und das Digitale kommen in den Baulehren immer noch zu kurz. Wie man es besser macht, zeigen die Beispiele der relativ neuen Lehren für Informatik oder in der Gesundheit, für die es mehr Anwärter als Lehrstellen gibt. Ausserdem täte die Politik gut daran, wenn man den entsprechenden Titeln für Lehrabschlüsse etwas mehr Gewicht verleihen würde. Denn leider gelten sie nach wie vor als «Bildung zweiter Klasse». Darin liegt wohl der Grund für die Attraktivität der Berufsmaturität, ermöglicht sie doch eine spätere Zusatzausbildung. Und wenn sich Jugendliche diese Türe offenhalten wollen, ist das gut. Denn das duale Bildungssystem lebt von seiner Durchlässigkeit und seiner Verbindung von Theorie und Praxis. Und diese Verbindung kommt nicht zuletzt auch der Baubranche zugute.

Auch die Swissbau widmet sich dem Thema Ausbildung, zum Beispiel im Rahmen des Swissbau Focus, des Veranstaltungs- und Netzwerkformats der Swissbau. Gemeinsam informieren die Hochschule Luzern, die Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik und die Berner Fachhochschule über die durch die Digitalisierung verursachten Veränderungen in der Ausbildung.

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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