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Mehr Zuhören, weniger Kommastellen – Mediation in der Bauwirtschaft

Publiziert am 28.11.2017 von Jürg Fischer, Bauingenieur FH/SIA, Baumediator SDM, Inhaber Fischer Timber Consult
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Meinung Die Leistungen der Schweizer Architekten, Ingenieure und Bauunternehmungen erhalten weltweite Anerkennung. Weitaus weniger bekannt ist, dass Mediation als nachhaltiges Mittel zur Konfliktlösung ihren Ursprung in der Schweiz hat. Nun entdeckt auch die hiesige Bauwirtschaft dieses lösungsorientierte Vorgehen als Königsdisziplin der aussergerichtlichen Konfliktlösung für sich.   

Mediationsakte (Acte de médiation) heisst das Dokument, das die verfassungsrechtliche Grundlage der Schweizerischen Eidgenossenschaft und ihrer Kantone zwischen 1803 und 1813 bildete. Die Mediation spielte also bereits bei der Grundsteinlegung der heutigen Schweiz eine wichtige Rolle. Seitdem hat sich die Disziplin in verschiedenen Bereichen als sanfte und umso wirkungsvollere Form, unterschiedliche Meinungen zu koordinieren und nachhaltig zur Blüte zu bringen, etabliert. Kein Wunder, denn dank des lösungsorientierten Vorgehens finden Konfliktparteien unter Leitung einer neutralen Drittperson (Mediator) rasch nachhaltige Lösungen, die sofort umsetzbar sind. Eine Tatsache, die nun auch die Schweizer Bauwirtschaft entdeckt. Denn Einsatzmöglichkeiten gibt es genug in einem Land von Individualisten, in dem vorwiegend Prototypen mit höchsten Qualitätsanforderungen geplant und gebaut werden.

Baufachleute mit hoher Sozialkompetenz
Ende 2012 haben sich Baufachleute als Fachgruppe BAUmediation SDM in einem Verein zusammengeschlossen. Ihr Ziel: der konfliktträchtigen Bauwirtschaft die Mediation bekannt zu machen und ihr einen Pool an Fachpersonen zur Verfügung zu stellen. Die Mitglieder sind anerkannte Bau- und Immobilienfachleute mit ausgewiesener Mediationsausbildung. Damit ist garantiert, dass sie die Sprache ihrer Klienten sprechen. Sie wissen, was zum Beispiel eine Dilatationsfuge ist, und sehen in der Postmoderne keine neue Dienstleistung des gelben Riesen. Das schafft Vertrauen. Es vereinfacht die Kommunikation und ermöglicht, die Fakten direkt und präzise anzusprechen und konkrete Lösungen zu finden. Kurz: Baumediatoren sind erfahrene Baufachleute mit hoher Sozialkompetenz. Sie sind vertrauenswürdige Partner für anspruchsvolle Projekte, in welchen neben Qualität, Kosten und Terminen auch Kommunikation zentral ist.

Vereinbarung mittels SIA-Verträgen
Es muss nicht zwingend ein Konflikt vorliegen. Auch komplexe Projekte mit divergierender Ausgangslage und Interessen lassen sich mit mediativen Ansätzen und weniger Kommastellen erfolgreich zum Ziel führen. Auf der Basis der kostenlos downloadbaren SIA-Planer- und Werkverträge kann Mediation bereits zu Beginn eines Projektes als Konfliktlösung zwischen den Parteien vereinbart werden.

Der Stoff, aus dem Baukultur entsteht
Zu Recht stehen Leistungen unserer Architekten, Ingenieure und Bauunternehmungen weltweit im Rampenlicht. Die Schöpfer visionärer (Kultur-)Bauten erhalten den Pritzker-Architekturpreis, energieeffiziente Bauwerke werden international prämiert und jährlich besuchen Experten aus aller Welt innovative Holzsystembauten in der Schweiz. Völlig quer liegen da regelmässige Medienberichte über laufende Gerichtsverfahren bei kantonalen und nationalen Gerichtsinstanzen im Zusammenhang mit Schäden an Grossbauten. Eine Situation, welche sich in Zukunft – so hoffe ich – dank Baumediation weitgehend vermeiden lässt.

Ablauf einer Mediation

Bild: Mediation ist ein strukturiertes Verfahren mit sofort umsetzbarer Vereinbarung

Jürg Fischer

Jürg Fischer

Jürg Fischer ist Prof. Bauing. FH/SIA, tätig als Dozent für Wirtschaftsmediation und Baumediation bei perspectiva und als zertifizierter Baumediator SDM. Er ist Gründungsmitglied von BAUmediation SDM und Inhaber von Fischer Timber Consult, welche Expertisen und Gutachten im Holzbau, Mediation und Coaching im Bauwesen sowie International Consulting and Mediation anbietet. Des Weiteren leitet er das Projekt Eurocodes 2nd Generation beim SIA. Von 2000 bis 2007 unterrichtete er als Dozent für Interdisziplinäres Planen und Bauen an der Zürcher Fachhochschule. Seit 1989 ist er für EDA/UNO/OSCE als Wahlbeobachter bei internationalen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Einsatz.

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