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Hochschulbildung im Baubereich – Fachwissen ist wichtig, aber die Kollaboration steht im Zentrum!

Publiziert am 08.11.2017 von Ruedi Hofer, diplomierter Bauingenieur ETH, Direktor der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik der FHNW
Hochschulbildung im Baubereich

Meinung Urs Rieder schreibt im Swissbau Blog vom 5. September 2017 zur Hochschulbildung im Baubereich «lasst Euch nicht ablenken». Die wichtigsten Kompetenzen unserer jungen Abgängerinnen und Abgänger seien im Prinzip seit jeher die gleichen. Das mag stimmen – doch sollten die Hochschulen erwachen und die Chancen der Kollaboration rasch ergreifen.   

Grundsätzlich stimme ich Urs Rieder zu: «Nach wie vor im Zentrum stehen Fachkompetenz, technische und kulturelle Verankerung – im Sinne der lokalen Bautradition –, interdisziplinäres Verständnis sowie die Fähigkeit, mit Veränderungen umzugehen.» Das reicht jedoch nicht mehr! Meiner Meinung nach wird die Digitalisierung in der Baubranche unsere Prozesse und den Beitrag von uns Fachspezialisten tiefgreifend verändern. 

Reziproke Prozesse ersetzen die seriellen Bauabläufe und dreidimensionale digitale Bauwerksmodelle treten an die Stelle des zweidimensionalen Plans. Die Art der Werkzeuge beeinflusst die Arbeitsweise und die Form der Zusammenarbeit. Wir Fachspezialisten – Architekten wie auch Ingenieure – sitzen nun alle von Anfang an am selben Tisch. Das ist ungewohnt und es entsteht eine Transparenz, die gegenseitiges Vertrauen braucht. Gleichzeitig müssen und dürfen sich insbesondere Ingenieure (wieder) auf das «Design», sprich den Entwurfsprozess, besinnen und hier von den Architekten lernen. Denn die neuen Methoden unterstützen das Entwerfen und Verwerfen von gestalterischen Varianten. 

Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe

Diese kreative Seite gilt es in der Ausbildung aller Fachkräfte zu verankern. Voraussetzung ist ein tiefgreifender Umbau der Ausbildung – weg vom theoretischen Wissen und Reproduzieren hin zum Entwerfen mittels Skizzen und überschlägigen Abschätzungen. Mit der Digitalisierung verändert sich die Zusammenarbeit und es eröffnen sich neue Chancen für die Organisation von Projekten. Die Zukunft gehört der Kollaboration – und zwar zwischen allen am Bau Beteiligten und auf Augenhöhe mit allen Partnern: interdisziplinär und im gemeinsamen Dialog, auch unter Einbezug von Nutzenden und Betreibenden der Bauten. Projekte werden nicht mehr von einer Projektleitung alleine geführt, sondern von Projektboards (Bauherrschaft, Planer, Unternehmer, Nutzer und Betreiber) mit einem Ziel: dem gemeinsamen Projekt, das zunächst virtuell geplant und dann gebaut wird. Denn nur durch den direkten Austausch unter uns Menschen entstehen nachhaltige und hochwertige Bauwerke. 

Die Ausbildung hat diesem Umstand Rechnung zu tragen und muss den projektbezogenen Entwurf sowie die partnerschaftliche Kollaboration ins Zentrum stellen. Die digitalen Werkzeuge unterstützen uns dabei – die Kompetenz in fachlicher und methodischer Hinsicht bringen wir Fachkräfte ein.

Bild: Kollaboratives Arbeiten bereits in der Ausbildung (interaktives Smart Board), MAS Digitales Bauen (FHNW / Stanford University)
 
Ruedi Hofer

Ruedi Hofer

Ruedi Hofer ist diplomierter Bauingenieur ETH mit langjähriger Erfahrung in Infrastrukturen (planen – realisieren – erhalten – betreiben). Seit Herbst 2016 leitet er als Direktor die Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik der FHNW in Muttenz. Diese bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik sowie Energie- und Umwelttechnik an. Für Bau- und Energiefachleute ermöglicht sie eine praxisorientierte, berufsbegleitende Weiterbildung. Mit dem Kompetenzzentrum Digitales Entwerfen und Bauen, das auf Anfang 2018 in das Institut Digitales Bauen überführt wird, verfügt die Hochschule über das Knowhow des zukunftsfähigen Querschnittswissens.

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