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BIM – für wen und für wen nicht?

Publiziert am 25.09.2017 von Redaktion Swissbau
BIM: Die digitale Planungsrevolution?
Trends Building Information Modeling, kurz BIM, beginnt mit einem 3D-Modell, umfasst jedoch viel mehr als die visuelle Darstellung von Gebäuden. Dementsprechend können praktisch alle von BIM profitieren, die mit Gebäuden zu tun haben – vom Bauherrn bis zum Facility Manager.

Building Information Management wird als «Digitale Revolution der Bauwirtschaft» bezeichnet. Nüchtern definiert ist BIM eine «Methode zur Entwicklung von virtuellen Gebäudemodellen, basierend auf sämtlichen Informationen, die während des Lebenszyklus eines Bauwerks entstehen».

Die Betonung liegt auf «während des Lebenszyklus»: BIM spielt in alle SIA-Phasen von der strategischen Planung bis zum Betrieb hinein und unterstützt so unterschiedliche Aufgaben wie modellbasierte Variantenvergleiche zu Beginn der Planung, Visualisierungen und Simulationen in der Projektierungsphase, Mengen- und Massenauszüge für die Ausschreibung, modellbasierte Bauablaufplanung bei der Realisierung und Prozessoptimierung bei der Nutzung eines Gebäudes. Ebenfalls entscheidend ist, dass BIM sich mit «sämtlichen Informationen» befasst – nur so lässt sich ein virtuelles Gebäudemodell entwickeln, das tatsächlich die Realität widerspiegelt und in der Praxis Nutzen bringt. Ein hübsches 3D-Modell ist schön und gut, aber die Darstellung allein bringt noch nicht den gewünschten Mehrwert: BIM ist viel mehr als 3D-CAD.

Für wen ist BIM also relevant? Die Antwort liegt auf der Hand: Eigentlich für alle Stakeholder, die mit Gebäuden zu tun haben, vom Einfamilienhaus bis zum Kantonsspital. Planer, Architekten, Bauunternehmen, Generalunternehmer, Holzbauer, Schreiner, Elektro- und Sanitärinstallateure, Immobilienunternehmen und Facility Manager werden über kurz oder lang nicht darum herum kommen, sich mit BIM zu beschäftigen.

Schweiz hinkt noch hintennach

In der Praxis kommt BIM hierzulande bisher vornehmlich bei Planern und Architekten zum Einsatz – aber auch dort erst zaghaft. Viele Architekturbüros sind noch nicht einmal beim 3D-CAD angelangt. Damit können auch die nachgelagerten Gewerke nicht von BIM profitieren. Es erscheint wenig sinnvoll, dass zum Beispiel ein Elektriker bei seiner Planung BIM einsetzt, wenn nicht von Anfang an ein virtuelles Gebäudemodell vorliegt. Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz ist nämlich eine gemeinsame Datenbasis, auf die alle Beteiligten zugreifen. Auch die Anbieter von Bauteilen sind gefordert, ihre Kataloge mit BIM-relevanten Daten anzureichern. Wie das geht, macht die Holzwirtschaft Schweiz mit dem Lignum-Bauteilkatalog vor, der etwa verifizierte Schalldämmwerte enthält.

Nicht zu vergessen: Der Bauherr. Er kann das Gebäude vor dem Bau virtuell begehen, Varianten evaluieren und profitiert von Effizienzsteigerungen und reduziertem Risiko. Zum Beispiel durch eine Simulation des Bauvorgangs bereits in der Planungsphase – Stichwort «Build it twice» –, so dass Fehler frühzeitig erkannt und beim realen Bauvorgang vermieden werden. Das hat auch die Öffentliche Hand erkannt, zumindest in Skandinavien und Grossbritannien: Dort ist BIM für öffentliche Gebäude bereits Pflicht. In der Schweiz sind wir noch nicht so weit, aber ähnliche Anforderungen dürften über kurz oder lang auch hierzulande zum Tragen kommen. Bauunternehmen wiederum hilft BIM bei der Bewältigung des Kostendrucks und der zunehmenden Komplexität der Bauvorhaben. Immobilienunternehmen können mit BIM ihre Gebäude effizienter bewirtschaften.

Die Schweiz hinkt bei der BIM-Einführung zwar hintennach, aber BIM wird lebhaft diskutiert und kommt bei immer mehr Bauprojekten zum Einsatz, etwa bei Neubau des Basler Felix-Platter-Spitals. «Es geht um die Transformation einer ganzen Branche ins digitale Zeitalter», meint die Interessengemeinschaft «Bauen digital Schweiz», die an der Swissbau 2016 offiziell gegründet wurde. Und damit wäre auch gleich geklärt, für wen BIM eher nichts ist: Man muss schon etwas Mut beweisen, sich auf Neuerungen bis hin zu radikalen Umstellungen altbewährter Prozesse einlassen und manch lieb gewordene Gewohnheit über Bord werfen. Skepsis und Zaghaftigkeit sind keine guten Ratgeber auf dem Weg zum nutzbringenden, wertschöpfenden Einsatz der Digitalisierung.

Wie mutig die Schweizer Baubranche ist, wird sich an der 2018 erstmals durchgeführten Sonderschau zur digitalen Transformation, dem Swissbau Innovation Lab, zeigen. Während im Innovation Village Aussteller die Zukunft des digitalen Bauen präsentieren, kann man im iRoom live miterleben, wie in Zukunft die Zusammenarbeit in der Schweizer Baubranche aussieht.
Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

Der Swissbau Blog ist eine dialogorientierte Online-Plattform für aktuelle Beiträge zur Bauwirtschaft in der Schweiz. Neben zahlreichen Beiträgen aus dem Themenspektrum des Swissbau Focus liefert er regelmässig interessante News und Hintergründe zur Baubranche bzw. zur Swissbau selbst. Informationen zur Autorenschaft finden sich im Impressum. Bitte beachten Sie zudem die Blog Policy.

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Kommentare

  • 29.09.2017 11:29
    Zu den Architektenplänen:
    Man muß dies,wie Sie schon erwähnten,von den Ausgangsbedingungen d.s. die Architektenpläne, unter die Lupe nehmen.
    Die Architekturbüros die ich kenne interessiert dieses Thema BIM noch gar nicht. Ich erhielt noch keine 3D-Planung.
    3D- Planung bei Architekten ist also die absolute Ausnahme, Pläne werden in 2D erstellt.
    Für den Verkauf der Immobilien werden dann i.A. von Spezialbüros 3D-Visualisierungen erstellt.
    Diese sind als 3D-Grundlage zur Weiterverarbeitung für Fachingenieure nicht geeignet, werden zudem erst später erstellt.
    Im Massivbau:
    d.h. wenn ich,einTragwerksplaner/ Fachingenieur, 3D-Planung mache, muß ich mir das Modell selbst, aus der 2D-Planung des Architekten, zusammenstellen.
    Weiters geht es darum, daß ein Tragwerksplaner ein Drahtmodell braucht, der Architekt verwendet aber ein Volumenmodell.Dieses ist für die Statik ungeeignet.
    Für Konstruktions-und Bewehrungspläne braucht man dann wieder das Volumenmodell.
    Bewehrungspläne-habe ich gelesen-werden bei BIM automatisch erstellt.
    Der Schadensfall "Sleipener" läßt grüßen.
    Diese BIM-Diskussion ist aus meiner Sicht-Tragwerksplanung, Konstruktion und Bewehrung- meist ein unausgegorenes Geschwätz von Leuten die meinen schneller Geld machen zu können.
    Man sieht dies daran, dass die Voraussetzungen praktisch nie diskutiert werden, es werden nur die Vorteile der vollständigen BIM-Planung aufgezählt.
    Die Übergabe der Planungsdateien (dxf-Daten der tragenden Bauteile) aus dem Architektenplan ist außerdem dadurch gekennzeichnet, daß diese die Bemaßung und die nichttragenden Wände,Bäume,Möbilierung, manchmal auch noch die Schraffur,fast immer auf den gleichen Layer bzw. mit der gleichen Farbe darstellen wie die tragenden Bauteile.
    Man muß als Tragwerksplaner also zuerst diese nichtragenden Bauteile und den ganzen "Klimbim" mühsam entfernen, bevor man diese Dateien für das Tragwerksmodell in der Statik, und ggf. für Schalpläne verwenden kann.
    Im Stahlbau ist die Situation völlig anders, dort funktioniert dies mit BIM seit längerer Zeit.
    Mit freundlichen Grüßen
    H.Brandmayer
  • Z. Savic's gravatar Z. Savic sagte:
    29.10.2017 20:59
    Ich kann Herr Brandmayer nur widersprechen. Dieser schreibt zuerst etwas von der Ausgangslage ohne zu verstehen, dass sich genau diese Ausgangslage im totalen Umbruch befindet. Ich spreche aus Erfahrung, da ich zur Zeit an solch einem BIM Projekt arbeite. 3D Planung ist meiner Meinung nach keine absolute Ausnahme.

    Jedes Architekturbüro, welches heute nur noch 2D zeichnet ist genau mit den Büros aus den 90er Jahren gleichzusetzen, die damals noch von Hand gezeichnet haben. Diese Büros sind träge und trauen sich nicht etwas neues auszuprobieren. Ich will kein schnelles Geld machen, aber ich sehe, dass Sie sich mit dem Thema BIM besser auseinandersetzen sollten. Das erkenne ich allein an den genannten Argumenten.

    BIM ist in der Schweiz definitiv angekommen (siehe BIM Camp 2017). Aus der Praxis heraus kann ich jedoch sagen, dass es einige Prozesse und Punkte gibt, die noch definiert werden müssen. Das passiert aber gerade jetzt. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Zukunft und sehe ihr positiv entgegen.

    Übrigens Hr. Brandmayer: "tragende" und "nicht tragende" Bauteile zeichnen wir immer unterschiedlich und ich kann Ihnen diese Bauteile innerhalb weniger Sekunden filtern und herausgeben. Wie wollen Sie diese? In einer Listenform (nach Lage, Volumen, Laufmeter), als grafische Überschreibung im Plan (z. B. grau = nicht tragend, grün = tragend), im 3D Modell ebenfalls mit farbiger Unterscheidung oder in einem einfachen Grundrissplan im pdf- und dwg-Format ;-)