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Effizienzpotential im Gebäudebestand bisher ungenutzt

Publiziert am 09.08.2011 von Adrian Altenburger, Instituts- und Studiengangleiter Gebäudetechnik und Energie, Hochschule Luzern
Bild Gebäudebestand Window

Meinung Der Gebäudepark Schweiz besteht zu ca. 80% aus Bauten, die älter als 40 Jahre sind und hat einen durchschnittlichen Heizenergiebedarf von ca. 160 kWh/m2,a. Verglichen mit den aktuellen Neubauten, welche üblicherweise mit einem deutlich geringeren Heizenergiebedarf von ca. 50 kWh/m2,a auskommen und seit ca. 2008 auch den über Jahrzehnte und bis ins Baujahr 2000 mit ca. 80% den dominierenden Anteil von fossilen Heizsystemen durch Wärmepumpen ablösen (50% Parität wurde im 2008 erreicht), ist allein dies ein Indiz für ein grosses Effizienzpotential – sowohl energetisch als auch bezüglich CO2-Emissionen.

Wir sollten uns somit vor allem der Aufgabe einer zielgerichteten Transformation des bestehenden Gebäudeparks stellen und die Kräfte weniger für weitere Verschärfungen der energetischen Vorgaben für Neubauten vorantreiben.

Dabei steht eine Transformationsstrategie im Vordergrund, die gleichzeitig einen niedrigen netto gelieferten Energiebedarf (meist hochwertige Exergie) aber auch einen möglichst CO2-freien Betrieb (zB < 1kg/m2,a) generiert – also eine LowEx-ZeroEmission-Strategie. Wichtig ist dabei, dass die einzelnen Transformationsschritte aufeinander abgestimmt sind. Es macht also wenig Sinn, zuerst den Oelkessel durch eine Wärmepumpe und erst danach die Fenster zu ersetzen oder die Gebäudehülle besser zu dämmen. Ökonomisch wenig sinnvoll ist auch, die Qualität der Gebäudehüllendämmung zu maximieren, wenn mit weniger monetären Aufwand die gleiche Wirkung durch eine hocheffiziente Nutzung der Umweltwärme (Anergie) erzielt werden kann.

Das Effizienzpotential ist aber nicht nur im Bereich der Heizenergie (Faktor 3) und der CO2-Emissionen im Betrieb gross (bis 100%), sondern auch im Bereich der prozessbedingten Stromverbräuche wie Beleuchtung, Haushaltsstrom, IT etc. Der durchschnittliche Stromverbrauch ausserhalb der offiziellen Betriebszeiten, also der reine Stand-By-Betrieb während der Nacht und an Wochenenden liegt beispielsweise bei Bürobauten bei ca. 36% und wäre ohne weiteres auf ca. 10% reduzierbar. Exemplarisch für grosse Effizienzpotentiale und gleichzeitig sehr kurze Paybackzeiten (sogenannte «low hanging fruits») stehen die Serverräume oder Rechenzentren, die zum Teil gleichviel oder mehr Strom für die Infrastruktur (z.B. Kühlung) benötigen wie die eigentliche IT - und das während 365 Tagen pro Jahr und 24 Stunden pro Tag.

Adrian Altenburger

Adrian Altenburger

Adrian Altenburger, HLK-Ing. HTL/MAS Arch. ETH/SIA, leitet seit 2015 den Bachelor- und Masterstudiengang Gebäudetechnik|Energie an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. 
In dieser Funktion übernimmt er an der HSLU zusammen mit den weiteren Studiengangleitern des Fachbereichs Bau schweizweit eine führende Rolle in der interdisziplinären Ausbildung für das Gebäude als und im System.

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