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Gebäudetechnikplanerin Tabatha Pfäffli: «Ich fühle mich wohl in der Branche.»

Publiziert am 15.04.2021 von Sandra Aeberhard, Fachjournalistin Faktor Journalisten
Tabatha Pfäffli
Swissbau Als Gebäudetechnikplanerin Heizung und Sanitär ist Tabatha Pfäffli nicht nur eine der wenigen Frauen in diesem Beruf, sie ist auch eine der besten. An den SwissSkills 2020 belegte sie den ersten Platz in der Kategorie Sanitär. Eine schöne Anerkennung, die ihre Leidenschaft für den Beruf noch mehr entflammt hat. (Bild: Severin Nowacki / suissetec ).



Die Begeisterung für Technik machte sich bei Tabatha Pfäffli schon in der Schule bemerkbar. Das Technische Zeichnen sagte ihr so zu, dass sie es während dem 10. Schuljahr sogar als Freifach belegte. Dennoch fasste die heute 22-Jährige zuerst eine Lehre als Drogistin oder Optikerin ins Auge. «Während der Schnupperlehre in diesen beiden Berufen habe ich immer gespürt, dass mir etwas fehlt.» Was genau der fehlende Teil war, wurde ihr beim Schnuppern bei Roth Wärmetechnik bewusst: «Es machte mir Spass, mich mit technischen Dingen zu beschäftigen, ich fühlte mich da besser aufgehoben», sagt Tabatha Pfäffli rückblickend. Das gute Gefühl war beidseitig und so konnte sie 2014 im Schnupperbetrieb mit der vierjährigen Lehre als Gebäudetechnikplanerin Heizung beginnen.

Tabatha Pfäffli
Schon in der Schule entdeckte Tabatha Pfäffli ihre Begeisterung für Technik, weshalb sie Technisches Zeichnen als Freifach wählte.

Unkonventioneller, aber willkommener Weg

Dass ihre Tochter diesen Weg einschlagen würde, kam für die Eltern unerwartet. «Meine Eltern waren zuerst etwas erstaunt, fanden meinen Berufswunsch aber super und haben mich unterstützt», erzählt Pfäffli. Für die Eltern zähle einzig, dass Tabatha und ihre drei jüngeren Brüder den Weg einschlagen, der sie glücklich macht. Auch die Reaktion der Freundinnen und Freunde auf diese für eine Frau nach wie vor eher unkonventionelle beruflich Laufbahn war ermunternd. «Meine Freunde fanden es cool, dass ich so etwas mache. Aber natürlich war ich damit schon ein wenig die Aussenseiterin.» Nur zwei Frauen waren sie in der Lehre. Doch die vier Jahre vergingen für Tabatha Pfäffli wie im Flug, und gegen Ende der Erstausbildung entschloss sie sich, weitere zwei Jahre für die Ausbildung zur Gebäudetechnikplanerin Sanitär EFZ anzuhängen. Ein richtiger Entscheid, wie sich schnell zeigte, denn in der Badplanung entdeckte sie ihre grosse Leidenschaft.

Breites Fachwissen bringt Vorteile für Arbeitgeber und Kunden

Nach dem Lehrabschluss 2020 konnte Tabatha Pfäffli im Lehrbetrieb eine feste Stelle antreten. Heute übernimmt sie vor allem Projekte, die Heizungs- und Sanitärplanung vereinen. «Ich sammle momentan viel Praxiserfahrung und werde dabei von den Verantwortlichen beider Bereiche gut unterstützt», erzählt die Planerin. Dank ihrem breiten Fachwissen kann ihr Arbeitgeber sie flexibel einsetzen. Auch die Kunden profitieren, denn sie haben eine einzige Ansprechperson, die über beides Bescheid weiss und die Planung optimal abstimmen kann.

Highlight Badezimmerplanung

Ein typischer Arbeitstag fängt für Tabatha Pfäffli um sieben Uhr im Büro an. Am Computer checkt sie ihre Mails, macht Ausschreibungen, Offerten oder gibt Materialbestellungen für ihre aktuellen Projekte auf. Derzeit plant sie die Heizungs- und Sanitärinstallation für zwei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohneinheiten. Sie zeichnet Pläne, telefoniert mit den Monteuren auf der Baustelle oder nimmt selber einen Augenschein vor Ort. Oft kommen auch Gespräche mit Bauherrschaften oder Architekten dazu.

Bei Neubauten steht oft fest, welches Heizungssystem – in den meisten Fällen Wärmepumpen – eingebaut wird, und auch für die Badezimmerplanung liegen meist schon Pläne der Architekten vor. Anders ist es bei Umbauten. Manche Kunden haben keine konkreten Vorstellungen, wie ihr Bad nach der Sanierung aussehen soll. «Am meisten Spass macht es mir, wenn ich selber kreativ sein kann, wenn ich freie Hand habe und Vorschläge für die Neugestaltung eines Badezimmers ausarbeiten darf», erzählt Pfäffli. Mit dem Badplanungs-Programm erschafft sie am Computer neue Räume und stellt die einzelnen Komponenten zusammen, bis am Ende alles aufeinander abgestimmt ist. «Natürlich kann ich nicht einfach nach meinen eigenen Vorstellungen drauflosgestalten, schliesslich soll das Bad ja meinen Kundinnen und Kunden gefallen.» Dazu muss sie sich in die Bedürfnisse der Bauherrschaften eindenken, muss «die Menschen lesen» können. Manchmal brauche es auch etwas Mut, einen ersten Vorschlag zu Papier zu bringen.

Tabatha Pfäffli
Mithilfe des CAD-Programms ein neues Badezimmer zu entwerfen, das ist die grosse Leidenschaft von Tabatha Pfäffli.

Vorschriften und Gesetze einhalten

Ob bei der Heizungs- oder Sanitärplanung – in beiden Fällen gibt es eine Reihe von Vorschriften und Grenzwerten hinsichtlich Energieverbrauch oder Hygiene, die es zu berücksichtigen gilt. Da die Bestimmungen zu Förderbeiträgen oder Baugesuchen je nach Kanton oder Gemeinde variieren, muss man sich auf dem Laufenden halten. Und natürlich braucht es auch immer einen Überblick über das Budget. Besonderen Wert legt Tabatha Pfäffli bei ihrer Arbeit auf eine präzise, saubere Ausführung. Da hilft es, wenn man über den Tellerrand hinausdenkt und das Gesamtwerk im Auge hat. Dank ihrem breiten Wissen kann die Planerin schnell beurteilen, ob die einzelnen Komponenten auch wirklich zusammenpassen und das System am Ende gewerksübergreifend funktioniert. Die glücklichsten Momente in ihrem Berufsalltag erlebt die junge Expertin, wenn ein Neubauobjekt oder ein Umbau fertig ist und sie die Freude ihrer Kundinnen und Kunden spürt.

Tabatha Pfäffli
Als Fachfrau mit Wissen in der Heizungs- und Sanitärplanung ist Tabatha Pfäffli am Arbeitsplatz flexibel einsetzbar.

1. Platz bei den SwissSkills

Dass eine junge Frau in der Gebäudetechnik den Ton angibt, ist nach Tabatha Pfäfflis Erfahrung für die meisten Leute kein Problem. «Dennoch kommt es vor, dass ich mich erst beweisen muss, um respektiert zu werden», erzählt die Planerin. Bei ihren Kunden oder auch bei ihrem Arbeitgeber sei das aber nie ein Thema, dort sei man ihr von Anfang an immer auf Augenhöhe begegnet. Dass Tabatha Pfäffli zu den besten Berufsleuten der Schweiz gehört, konnte sie an den SwissSkills 2020 beweisen, wo sie im Oktober den ersten Platz in der Kategorie Gebäudetechnik Planer/in Sanitär belegte.

Nach sechs Lehrjahren und ersten Praxiserfahrungen als Fachfrau ist sich Tabatha Pfäffli sicher, im richtigen Beruf angekommen zu sein: «Ich fühle mich wohl – sowohl in der Branche als auch in der Firma», sagt die 22-Jährige. Spannend findet sie auch die Zukunftsaussichten. Die zunehmende Digitalisierung wird da eine grosse Rolle spielen und ihren Berufsalltag verändern. Die weiteren Schritte in ihrer persönlichen Zukunft sind derzeit noch offen. Vielleicht ein Abschluss als Gebäudetechnikplanerin HF oder auch eine Berufsprüfung als Projektleiterin – auf jeden Fall soll es eine Weiterbildung sein, die sie in ihrem erlernten Beruf weiterbringen wird.


Lesen Sie hier den Artikel zu Tabatha Pfäffli im suissetec Magazin (ab Seite 24).

Sandra Aeberhard

Sandra Aeberhard

Sandra Aeberhard ist Journalistin und Mitinhaberin der Faktor Journalisten AG sowie des Faktor Verlags. Sie verfasst Texte über nachhaltiges Bauen, Architektur und Design. Der Faktor Verlag publiziert Bücher und Magazine mit Fokus auf die Themenbereiche Architektur, Technik, Energie und Nachhaltigkeit.

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