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Bereit für die Elektromobilität

Publiziert am 18.03.2021 von Remo Bürgi, Fachjournalist Faktor Journalisten
Elektromobilität
Swissbau E-Autos boomen weltweit, auch in der Schweiz steigen immer mehr Menschen auf einen «Stromer» um. Für die weitere Verbreitung muss aber die Ladeinfrastruktur noch besser werden. Ein neues Merkblatt des SIA gibt konkrete Empfehlungen, wie Immobilienbesitzer ihr Gebäude für die Elektromobilität vorbereiten können. (Bild: Adobe Stock)



Das Jahr 2020 war für die Schweizer Autobranche eines zum Vergessen: Sie verkaufte so wenige Fahrzeuge wie seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren nicht mehr. Trotz der Krise gibt es jedoch auch positive Entwicklungen zu verzeichnen, wie die Jahresbilanz von Auto Schweiz zeigt. Der Anteil der «Steckerfahrzeuge», also von Elektroautos und Plugin-Hybrid-Autos, lag bei 14,3 Prozent der Neuzulassungen. Bei den E-Autos betrug die Zunahme im Vergleich zu 2019 fast 50 Prozent, bei den Plugin-Hybriden gar rund 240 Prozent. Trotz (oder gerade wegen) der Coronakrise setzen also offensichtlich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer auf Elektrofahrzeuge.

Vermieter und Arbeitgeber sind gefordert

Da vier von fünf E-Autos zu Hause oder am Arbeitsplatz aufgeladen werden, ist dort eine entsprechende Ladeinfrastruktur nötig. Wer selbst ein Eigenheim besitzt, kann sich problemlos eine Ladestation in der Garage installieren lassen. Etwas komplizierter ist die Situation für Mietende: Sie sind darauf angewiesen, dass der Vermieter oder der Arbeitgeber eine entsprechende Infrastruktur bereitstellt. Daran hapert es heute oftmals, weshalb viele Autofahrerinnen und Autofahrer noch mit dem Umstieg auf ein Elektroauto zögern. Das Zögern mancher Immobilieneigentümer wiederum lässt sich wohl am ehesten mit den Investitionskosten erklären, die für den Einbau von Ladestationen anfallen. 

Elektromobilität
Eigenheimbesitzer können zu Hause relativ einfach eine Ladestation installieren – für Mietende ist die Situation schwieriger. (Bild: Pixabay)

In Etappen vorgehen

Allerdings ist es keineswegs nötig, auf einen Schlag eine ganze Tiefgarage komplett mit Ladestationen auszurüsten. Ratsam ist vielmehr, in Etappen vorzugehen. Mit dem SIA-Merkblatt 2060 steht seit Sommer 2020 ein Dokument zur Verfügung, das Eigentümerschaften von Überbauungen und Geschäftsgebäuden konkrete Empfehlungen zum Ausbau der E-Infrastruktur gibt. Es unterscheidet vier Ausbaustufen (siehe Grafik), die für grosse Tiefgaragen ebenso gelten wie für Einfamilienhäuser. Die quantitativen Empfehlungen gelten für Neubauten und umfassenden Sanierungen.

Elektromobilität
Ausbaustufen gemäss dem Merkblatt SIA 2060. (Grafik: Faktor Verlag, Themenheft Elektromobilität; Quelle: SIA)

Nach Bedarf ausbauen

Die Ausbaustufen A und B sollten bei sämtlichen Neubauten und umfassenden Sanierungen realisiert werden. So stellt man als Eigentümerschaft sicher, dass eine Ladestation später rasch installiert werden kann. Die tatsächliche Installation hingegen ist erst dann sinnvoll, wenn die Mieterin oder der Mieter eines Parkplatzes einen konkreten Bedarf anmeldet. Mit diesem etappierten Vorgehen verteilen sich die Investitionskosten und die eingebaute Infrastruktur wird auch wirklich genutzt.

Eigenen Solarstrom nutzen

Eine sinnvolle Ergänzung zur Elektromobilität ist die Photovoltaik. Wer mit einer PV-Anlage selbst Strom erzeugt, kann diesen auch für das Aufladen von Elektrofahrzeugen nutzen. Das bringt mehrere Vorteile. Man erhöht so den Eigenverbrauch und damit die Rentabilität der PV-Anlage, weil es nicht lukrativ ist, überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen. Zudem spart man Geld, indem kein Netzstrom bezogen und bezahlt werden muss. Und schliesslich trägt man dazu bei, das Stromnetz zu entlasten, wenn man selbst dezentral Strom produziert und vor Ort verbraucht. Viertens lässt sich gerade bei älteren Gebäuden, deren Hausanschluss nicht für das Aufladen von Elektroautos dimensioniert ist, mit einer PV-Anlage der teure Ausbau des Anschlusses vermeiden.

Strom koordiniert einsetzen

Ein wichtiger Aspekt bei der Planung der Ladeinfrastruktur ist das Lastmanagementsystem. Man unterscheidet zwischen statischen und dynamischen Systemen. Ein statisches System weist der Ladestation eine fixe Strommenge zu, die für das Aufladen eingesetzt werden kann. Das reicht bei Einfamilienhäusern in der Regel aus, sofern der Verbrauch des Haushalts nicht zu stark schwankt. Bei grossen Verbrauchsschwankungen und in Mehrfamilienhäusern empfiehlt sich dagegen ein dynamisches Lastmanagementsystem. Es koordiniert die Verbräuche mit dem zur Verfügung stehenden Strom. Wenn zum Beispiel im Haushalt viel Strom bezogen wird, drosselt das Lastmanagement das Aufladen des oder der Elektroautos. Zudem koordiniert es die Aufteilung des verfügbaren Stroms, wenn mehrere E-Autos gleichzeitig geladen werden.

Fördergelder finden und beantragen

Sowohl die Installation von PV-Anlagen als auch der Einbau von Ladeinfrastruktur wird von vielen Kantonen, Gemeinden und Energieversorgern mit finanziellen Beiträgen gefördert. Auskunft zu möglichen Fördergeldern geben Fachleute oder auch die Plattform www.energiefranken.ch, wo man über eine Standortsuche die möglichen Subventionen eruieren kann. Wichtig ist, dass der Förderantrag vor Beginn des Projekts eingereicht wird. Eine Ladestation kostet je nach Funktionsumfang zwischen 1000 und 2000 Franken, wobei sie von einigen Herstellern beim Kauf des Fahrzeugs mitgeliefert wird. Für die Vorbereitungsarbeiten – also das Einziehen von Leitungen etc. – kommen je nach Bedingungen vor Ort nochmals zwischen 1000 und 2500 Franken dazu.

Immobilienbesitzer haben es also in der Hand, mit einer frühzeitigen Vorbereitung der Ladeinfrastruktur zur weiteren Verbreitung der Elektromobilität beizutragen. Das ist nicht nur für die Umwelt wichtig, sondern bringt ihnen mittel- bis langfristig auch selbst handfeste Vorteile. Je mehr Menschen nämlich ein Elektroauto fahren, desto grösser wird die Nachfrage nach Wohnungen und Arbeitsplätzen, die eine Lademöglichkeit bieten. Anders formuliert: Wer heute in die Ladeinfrastruktur investiert, hat morgen einen Wettbewerbsvorteil.

Remo Bürgi

Remo Bürgi

Remo Bürgi ist Kommunikator ZFH und arbeitet als Fachjournalist bei Faktor Journalisten. Er verfasst Beiträge für Publikationen des Faktor Verlags ebenso wie für verschiedene Fachzeitschriften und Blogs. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.

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