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Solarstrom selbst nutzen

Publiziert am 14.11.2017 von Redaktion Swissbau
Solarstrom
Swissbau Tiefe Einspeisetarife und hohe Strombezugskosten sprechen für die Erhöhung des Eigenverbrauchs von selbst produziertem Solarstrom. Damit Mieter und Eigenheimbesitzer ohne nutzbare Dachfläche von günstigeren Stromkosten profitieren können, kann der Einkauf in Eigenverbrauchsgemeinschaften sinnvoll sein. Zwei Beispiele.

Eine hohe Eigenproduktion von Strom ist die Basis nachhaltiger Gebäude. Die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen zur Stromerzeugung wird jedoch durch Rückspeisung ins Netz gemindert: Aufgrund des tiefen Einspeisetarifs von 8 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) ist eine Optimierung des Eigenverbrauchs sehr lukrativ. Der Strombezug vom Netz für 20 bis 25 Rappen je kWh wird reduziert und dadurch der finanzielle Ertrag erhöht. Erste Umsetzungen zeigen, dass Solarstrom vom eigenen Dach meist günstiger ist als der Bezug vom Netz. Laut dem Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE) machen derzeit rund 20 000 Eigentümer von Einfamilienhäusern davon Gebrauch.

Sinnvoll scheint in diesem Zusammenhang auch die Gründung von Eigenverbrauchsgemeinschaften, wofür sich unter anderem Mehrfamilienhäuser oder Areale anbieten. Es verschafft den Anlagebesitzern den Vorteil, eine höhere Menge an Energie im Eigenverbrauch absetzen zu können. In diesen Fällen installiert das Elektrizitätswerk nur noch einen Einspeisepunkt im Gebäude oder auf dem Areal. Mit der Inkraftsetzung des neuen Energiegesetzes ab 2018 dürften viele Anlagebetreiber davon profitieren.

Gemeinschaftsanlage Aarau
Dazu passen auch die Pläne der Stadt Aarau, die zusammen mit der IBAarau eine gemeinschaftliche Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Werkhofhalle Nord installieren möchte. Rund 700 m2 Panelfläche werden installiert. Auch Mieter und Eigenheimbesitzer ohne eigene nutzbare Dachfläche können sich somit einfach an der Produktion erneuerbarer Energien beteiligen. Dafür ist ein zinsloses Darlehen von mindestens 1 500 Franken pro Teilhaber vorgesehen. In den folgenden 25 Jahren erhalten diese in Abhängigkeit der Darlehenshöhe eine jährliche Solarstromvergütung von mindestens 400 kWh. In einem starken Produktionsjahr kann es gar zu einer erheblich höheren Ertragsmenge kommen. Eine Erhöhung der zugesicherten Solarstrommenge auf etwa 700 kWh wäre gemäss Berechnungen in einem guten Solarjahr durchaus möglich. Dieser Überschuss wird an die Darlehensgeber weitergegeben, die also von einer guten Produktion profitieren, aber dank zugesicherter Mindestsolarstrommenge kein Risiko eingehen.

Sobald 80 Prozent der Investitionskosten gedeckt sind, erfolgt der Anlagenbau. Das entspricht etwa 170 Projektbeteiligten. «Die Kunden tragen zudem keine Risiken für Folgekosten», erklärt Markus Häusermann von IBAarau. Statt eines Rückbaus wird je nach Zustand der Anlage ein fortführender Betrieb oder eine Erneuerung der Anlage über die 25 Jahre hinaus geplant.

Von neuer Gesetzgebung profitieren

Auch auf dem Hunziker-Areal in Zürich möchte man sich dieser Option bedienen. Laut aktueller Methode des lokalen Versorgers EWZ zur Berechnung des Eigenverbrauches, bei der jedes Haus separat bilanziert wird, erreicht das Areal einen Eigenverbrauchsanteil von 350 000 kWh. Das entspricht 79 Prozent der gesamten Solarstromproduktion. Bei Bilanzierung mit nur einem Netzeinspeisepunkt stiege der Eigenverbrauchsanteil des dicht bebauten Areals auf 426 000 kWh respektive 91 Prozent. Martin Mühlebach, Projektleiter Lemon Consult AG, sieht die Gründe in der geringen Dachfläche, bezogen auf die Wohnfläche – trotz hoher Bewohneranzahl: «Nicht nur während der Mittagsspitze ist eine ausgeglichene Stromproduktion möglich, sondern über den ganzen Tag. Grund dafür sind die Orientierungen der Anlagen: Süd, Ost und West. Auch die gemischte Nutzung begünstigt den Eigenverbrauch auf dem Areal.» So kann tagsüber ein höherer Verbrauch sichergestellt werden, denn besonders in der Mittagszeit verbrauchen die lokal ansässigen Restaurants einen Grossteil des Stroms.

2017 wurde das Areal zudem nach den Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft im Betrieb zertifiziert. Rund eine halbe Million Kilowattstunden (kWh) erzeugen die Fotovoltaikanlagen seitdem auf den 13 Dachflächen und decken damit 19,4 Prozent des jährlichen Bedarfs von etwa 1,8 Mio. kWh Strom.

An der Swissbau 2018 informieren die Aussteller in der Halle 1 Süd über nachhaltige Energieversorgung und erneuerbare Energien.
Redaktion Swissbau

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