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«Arbeitsplätze werden zum Ökosystem»

Im Innovationspark Allschwil zeigt das preisgekrönte Bürohaus HORTUS, wie nachhaltige Materialien, flexible Nutzung und gezielter Austausch neue Arbeitswelten für morgen schaffen. Wir haben Johannes Eisenhut, Geschäftsführer Senn Development AG, zum Thema interviewt.

Swissbau
4058 Basel, Schweiz

Herr Eisenhut, das Bürohaus HORTUS in Allschwil wird als Vorzeigewerk für das kreislauffähige und klimafreundliche Bauen ausgezeichnet. Es erhielt neben dem internationalen Arc Award auch den Publikumspreis als beste Baute im Jahreswettbewerb der Architekturzeitschrift «Hochparterre». Auf welche Leistungen sind Sie besonders stolz?

HORTUS ist auf verschiedenen Ebenen etwas ganz Besonderes. Vor allem stellt das Gebäude eine bauliche Innovation für den Innovationspark dar, den wir an diesem Standort realisieren. Zu den Besonderheiten gehören die radikale Materialisierung des Gebäudes aus Holz und Lehm sowie die Eigenentwicklung von tragenden Decken aus diesen beiden natürlichen Baustoffen.

Ist beim HORTUS jede Innovation umgesetzt worden, wie sie ursprünglich ausgedacht war?

Fast. Wir haben ursprünglich von einem passiven Kühlkonzept geträumt. Die Räume sollten im Sommer dank motorisierter Fensterflügel und einer Nachtauskühlung behaglich bleiben. Doch die Klimaerwärmung hat uns eingeholt; wir benötigen eine höhere Kälteleistung und einen kontinuierlichen Luftwechsel. Deshalb installierten wir eine kontrollierte Lüftung mit adiabatischer Kühlung. Dadurch erhöht sich die verbaute graue Energie. Es dauert nun 31 Jahre statt 27 Jahre, bis wir den Aufwand an grauer Energie bei der Erstellung mit unserer lokalen Solarstromerzeugung rechnerisch amortisieren werden. 

Lässt sich – kurz nach Schlüsselübergabe – bereits sagen, ob ein derart innovatives Bauwerk marktfähig ist?

Dass es marktfähig ist, hat HORTUS bereits bewiesen. Bei der Eröffnung im Juni letzten Jahres waren die Flächen vollvermietet. Seit September arbeiten rund 400 Menschen dort. Anfang 2027 ziehen die letzten Firmen ein. Die Flächen für 600 Menschen teilen sich Unternehmen aus Branchen wie IT, Bio- und Medizintechnik sowie Life-Science. Bisher ist das Echo der Mietenden extrem positiv. Sie nahmen sehr aktiv am Hochparterre-Publikumspreis teil und trugen wohl massgeblich zum Gewinn bei.

Das Bürohaus HORTUS ist in den Main Campus des Switzerland Innovation Park Basel Area, kurz SIP, eingebettet. Steht das ganze Areal für ein ressourcenschonendes nachhaltiges Wirken?

Ja, der gesamte Main Campus ist auf Nachhaltigkeit getrimmt. Der Grundeigentümer, das Bürgerspital Basel, definierte im Masterplan eine fossilfreie Wärmeversorgung mit Erdsonden. Ebenso verlangt der Entwicklungsplan einen grossen Park. Zusammen mit dem Architekturbüro Herzog & de Meuron haben wir uns zudem das Ziel gesetzt, energiepositive Baukonzepte zu realisieren sowie gestalterische und funktionale Massstäbe mit den einzelnen Gebäuden zu setzen.

Nachhaltige Gebäude sind nicht einfach nur Bauwerke aus ökologischen Baustoffen und eigener Energieproduktion, sondern sollen auch eine langfristige attraktive Nutzung ermöglichen. Wie wird dies auf dem SIP-Campus Basel umgesetzt?

Wir befassen uns mit Labor- oder Bürogebäuden, die konsequent nutzungsneutral konzipiert sind. Dieser Typus erscheint uns besonders nachhaltig, weil solche Gebäude flexibel nutzbar und so auf eine besonders hohe Lebensdauer ausgerichtet sind. Wir haben «goldene Regeln» für das Entwerfen des Main Campus entwickelt: Stützenraster, Deckenhöhe und Erschliessungskonzepte sollen es eingemieteten Firmen ermöglichen, ihre Räume nach Belieben für eine Büro- oder Labornutzung einzurichten.  

Wie schafft man den Spagat beim Entwickeln eines Arbeitsstandorts zwischen Identität und Nutzungsflexibilität, so dass sich unterschiedlichste Firmen und deren Mitarbeitende darin wohl fühlen?

Man muss sich bewusst sein: Jede und jeder ist sich selbst am nächsten. Das gilt auch für Firmen, die dem Wettbewerb am freien Markt ausgesetzt sind. Dennoch ist die Zeit der «Elfenbeintürme» vorbei. Konzerne haben heute einen grossen Bedarf an Offenheit und Austausch: Sie kaufen oder verkaufen Firmen und Assets respektive suchen Kollaborationen und Joint Ventures. Darauf gründet der Ansatz unseres Ökosystems: Wir schaffen mit der Arealentwicklung einen Raum mit vielen Anknüpfungspunkten. Die Mietenden können solche Schnittstellen suchen, müssen aber nicht. Ein wichtiges Element ist zudem der Talentpool. Firmen siedeln sich zunehmend dort an, wo die besten Mitarbeitenden zu finden sind. Und nicht umgekehrt.

Weshalb also Allschwil?

Allschwil ist Teil der Kernstadt Basel. Wichtiger als eine politische Grenze ist die perfekte Anbindung an das ÖV- und Velonetz. Dazu kommt die bereits existierende branchenbezogene Anbindung im Life-Science-Bereich. Was wir am Main Campus zusätzlich anbieten können, sind viel Raum zur Entwicklung und eine hohe Standortqualität mit vielfältigem Freizeit- und Naherholungsangebot.

Welche weiteren Innovationen bieten die Campusbauten für das nachhaltige Arbeitsleben?

Als wir begonnen haben, war klar, dass wir den Innovations-Campus architektonisch und städtebaulich zukunftsweisend gestalten wollen. Die Architektur soll das innovative Arbeiten ermöglichen und deshalb den Austausch und Zufallsbegegnungen fördern. Es geht um eine hohe Behaglichkeit innen und aussen sowie unmittelbare «Szenenwechsel». Aber auch um Verpflegung, Sport, Grün. Wir haben fast zehn Jahre über den Main Campus nachgedacht und bei der Umsetzung selbst miterlebt, wie wichtig permanenter Austausch ist, etwa während der Pandemie oder im Umgang mit dem Fachkräftemangel. Wir haben deshalb eigene Erfahrungen in die Arealentwicklung einfliessen lassen, weshalb wir denken, der Main Campus kann den Anspruch als Arbeits- und Austauschplatz erfüllen.


Hortus – House of Research, Technology, Utopia and Sustainability
www.hortus.ch oder www.hochparterre.ch/hortus

Swiss Innovation Park Area Basel
www.maincampus.ch

SENN
www.senn.com


Swissbau Lab 2026

Veranstaltungen zum Swiss Innovation Park Area Basel an der Swissbau 2026:

Bauen für Life Sciences: Nutzerorientierung, Ökosystem & Flexibilität

https://www.swissbau.ch/de/e/bauen-fu-r-life-sciences-nutzerorientierung-oekosystem-flexibilitaet-am-switzerland-innovation-park-basel-area.72753

Toolbox für nachhaltige Gebäude und Areale

https://www.swissbau.ch/de/e/toolbox-fuer-nachhaltige-gebaeude-und-areale-mit-materius-senn-uptownbasel-und-vyzn.72080

Nutzerorientierung in der Kreislaufwirtschaft – neue Konzepte und Materialien

https://www.swissbau.ch/de/e/nutzerorientierung-in-der-kreislaufwirtschaft-neue-konzepte-und-materialien.72678

https://www.swissbau.ch/de/e/nutzerorientierung-in-der-kreislaufwirtschaft-neue-konzepte-und-materialien.72963

Ihre Kontaktperson

Paul Knüsel

Paul Knüsel

Faktor Journalisten

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