18. – 21. Januar 2022

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Hat die Tiefengeothermie in der Zukunft eine Chance, einen namhaften Beitrag zur Stromerzeugung zu leisten?

Sonnen und Windenergie zur Stromerzeugung werden schon seit 30 und mehr Jahren erfolgreich genutzt. Die Technologien wurden über diese Zeit optimiert und die Kosten konnten massiv reduziert werden. Sonnen- und Windenergie bringen aber auch neue Herausforderungen mit sich – eine grosse Chance für die Tiefengeothermie. 

Wenn es nach Herrn Rechsteiner ginge, sollte man die Versuche mit der Tiefengeothermie abbrechen und nur noch die Oberflächengeothermie für Heizzwecke mit Wärmepumpen nutzen. Damit bin ich nicht einverstanden. Die Anlagen zur Nutzung der Sonnen- und Windenergie werden immer grösser, wodurch auch die Probleme im Netz zunehmen, wie die Situation in Deutschland eindrücklich zeigt. Die grossen, installierten Leistungen an stochastischer Energie bedingen ein hochkomplexes Leitsystem, ein 100 prozentiges Backupsystem an fossilen Kraftwerken oder entsprechend grosse Speicher, die es heute nicht gibt. Alle diese zusätzlichen Anlagen kosten zum Teil sehr viel Geld, die die Energie aus Sonne und Wind indirekt verteuern, aber nie ausgewiesen werden. Den Bedarf an Energie können diese Energieträger über das Jahr sicher liefern, nicht aber die für ein stabiles Netz notwendige Leistung zu jeder Tageszeit.

Deshalb braucht es verschiedene Arten von erneuerbaren Energien, wenn man die Kernkraftwerke und auch die fossilen Kraftwerke wirklich ersetzen will. Neben der Wasserkraft bietet sich hier die Geothermie an.

Im Gegensatz zur Wasserkraft, die je nach Jahreszeit auch unterschiedliche Mengen an Energie liefert, hat man mit der Geothermie eine Energieproduktion, die über das ganze Jahr konstant ist. Und solche Stromproduktionen benötigen wir, um den Sockelbedarf (Grundlast) und die notwendige Leistung zu decken. Die Grundlast beträgt in der Schweiz ungefähr 50% der Spitzenlast.

99% der Erdmasse ist wärmer als 1’000 Grad Celsius. Diese Wärme, die im Erdinnern laufend produziert wird, nicht für die Stromproduktion zu nutzen, wäre unklug. Wie bei den Photovoltaik- und Windanlagen braucht es aber auch bei der Tiefengeothermie Forschung und Erfahrung. Wir stehen hier am Anfang mit Pilotprojekten. Dass es neben Erfolgen auch Rückschläge gibt, ist in der Forschung tägliches Brot. Wer sich einmal mit Forschung und Entwicklung befasst hat, weiss das. Sicher ist der Untergrund sehr komplex. Ohne Forschung und Versuche werden wir aber nie wissen, wie wir diese für die Energieproduktion interessante und unerschöpfliche Wärme nutzen können. Wie bekannt, gibt es die Risiken von Erderschütterungen. Wenn man den Untergrund jedoch besser kennt, können diese Risiken minimiert werden. Die beiden Projekte Basel und St. Gallen haben diesbezüglich wertvolle Messresultate geliefert, die bei neuen Projekten genutzt werden können.   

Hätten unsere Vorfahren in den letzten Jahrhunderten keine Risiken in Kauf genommen (z.B. der Bau des Gotthardtunnels oder von Staumauern) sähe unsere Welt ganz anders aus. Wenn man bereit ist, Tiefengeothermieforschung zu betreiben und gewisse Risiken einzugehen, so bietet die Tiefengeothemie die Chance, einen namhaften Beitrag zur Stromversorgung zu leisten.

Die Geothermie ist eine einheimische, unerschöpfliche, saubere Energie und täglich 24 Stunden verfügbar. Als neuer Präsident der SVG, Schweizerische Vereinigung für Geothermie, und Vorstandsmitglied der SATW, Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften, ist es mein Ziel, die Geothermie so zu unterstützen, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Deckung des Wärme- und Strombedarfes leistet. Mit den zwei neuen Professuren für Tiefengeothermie an der ETH Zürich ist die Basis gelegt für eine vertiefte Forschung für die Stromerzeugung mit Erdwärme.

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