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Nachgefragt bei Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer SIA

Publiziert am 12.01.2018 von Redaktion Swissbau
Hans-Georg Bächtold
Nachgefragt In unserer Serie «Nachgefragt» erklärt Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein SIA, warum es für die Zusammenarbeit in der Baubranche keine Grenzen gibt, es aber Prioritäten braucht. Als Mitgestalter der Schweiz macht er sich weniger Sorgen um menschliche Konkurrenz als vielmehr um diejenige durch künstliche Intelligenz.
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Was heisst für Sie Teamwork? Im Unternehmen und mit Geschäftspartnern?
Ich bin kein grosser Fan von Anglizismen. Ich spreche deshalb lieber von partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Und diese ist gegeben, wenn das Zusammenwirken auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt, Offenheit, Parität und einem ausgeprägten Konsensdenken beruht. 

Wo sollten die Akteure der Baubranche mehr kooperieren?
Überall! Die auf uns zukommenden Herausforderungen bei der zukunftsfähigen und hochwertigen Gestaltung des Bauwerkes und des Landschaftsraumes Schweiz werden nur noch mit leistungsfähigen, interdisziplinären Partnerschaften zu bewältigen sein.

Mit welchen Branchen, die heute noch nicht relevant für Ihr Unternehmen sind, sehen Sie in den nächsten 10 Jahren eine vermehrte Zusammenarbeit?
Wenn man das Bauwerk und den Landschaftsraum Schweiz gestaltet, wie das die Mitglieder des SIA tun, dann gestaltet man den Lebensraum unserer Gesellschaft. Oder anders formuliert: dann gestaltet man die "Bühne", auf welcher in seiner ganzen Breite und Vielfalt das Leben unserer Gemeinschaft stattfindet. Dieser Vielfalt gilt es mit dem Planungsprozess zu entsprechen. Deshalb gibt es für den SIA à priori keine Disziplinen und Branchen, welche nicht relevant sind. Es kann nur sein, dass bei der einen Planungsaufgabe diese Fachkompetenz und bei der anderen jene etwas mehr gefragt sind. 

Wo liegen die Grenzen einer unternehmens- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit?

Ab einer gewissen Anzahl von Mitwirkenden wird die Sache nicht mehr zielgerichtet steuer- und kontrollierbar. Aus diesem Grund ist eine zentrale Aufgabe der Planenden, in Bezug auf die mitwirkenden Disziplinen zwar breit zu denken, trotz allem aber auch Prioritäten zu setzen. Letztere ergeben sich aus der Aufgabenstellung heraus. 

Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung in der Baubranche und in Ihrem Unternehmen bei?

Eine riesige, leider aber, wie ich feststellen muss, von den Architekten und Ingenieuren noch weitgehend unterschätzte oder zumindest viel zu sehr auf BIM reduzierte. Ich denke, dass wir es mit einer viel umfassenderen Entwicklung zu tun haben, die gerade in atemberaubendem Mass durchstartet und im Begriff ist, unser gesamtes Leben, wie wir arbeiten, wie wir wohnen, wie wir uns fortbewegen, wie wir kommunizieren, radikal zu verändern Mit anderen Worten: Unser gesamtes ökonomisches, gesellschaftliches und politisches System – unser gesamtes Leben – wird einem grossen Wandel unterzogen.
Und noch einmal: Weil wir Planerinnen und Planer die Bühne für dieses Leben gestalten, wird die Digitalisierung auch tief in unsere Arbeitsweisen eingreifen ja unser traditionelles Berufs- und Rollenverständnis einem grossem Wandel unterziehen.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen der Digitalisierung in der Baubranche?

Nirgends, das ist ja gerade die grosse Herausforderung.

Verschärft die Digitalisierung die in- und ausländische Konkurrenz? Mit welchen Strategien begegnen Sie dieser Herausforderung?
Die Frage liegt für mich weniger bei der in- oder ausländischen Konkurrenz. Konkurrenz wird uns aber entstehen von der künstlichen Intelligenz. Dazu ein Gedankenspiel: Sie kennen sicherlich «Watson», die künstliche Intelligenz von IBM. Und wie das Maschinen seiner Art so eigen ist, lernt er, und zwar rasant. Mal angenommen, er kennt schon bald alle jemals geplanten und gebauten Architekturen. Gibt man ihm nun noch das Budget, alle Grundstücksinformationen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und den gewünschten Haustyp und lässt man ihn noch an das Präferenzmuster der Bauherrschaft ran –  Google macht's möglich – wird er schon bald fähig sein, einen ersten Entwurf selbständig zu entwickeln. Und wir müssen davon ausgehen, dass 75% der Bauherrschaften das so genügt. Was tun dann die Architektin, was der Architekt, was die Ingenieurin oder der Gebäudetechniker noch?
Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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