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Alter Heizkörper sucht neue Heimat

Publiziert am 15.08.2017 von Olivier de Perrot, diplomierter Architekt ETH SIA, Gründer des Architekturbüros Olivier de Perrot Architecture
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Meinung Beim Abriss von Gebäuden bleiben häufig gut erhaltene Bauteile übrig – ideal für eine direkte Wiederverwendung. Dank dem Internet ist der Tausch von ausgemusterten Gütern in anderen Bereichen bereits gang und gäbe. Die Bauwirtschaft tut sich bisher noch schwer damit. Es fehlt an Möglichkeiten, Angebot und Nachfrage ohne verteuernde Zwischenschritte zu vernetzen. Neue Webplattformen sollen hier Abhilfe schaffen.

Unsere Welt verändert sich schnell und tiefgreifend. Ungelöste Probleme verschärfen sich, neue Probleme tauchen auf. Viele suchen dringend nach Lösungen, so auch in der Bauwirtschaft. Ein pragmatisches Umdenken ist hier gefordert, um bisherige Praxen infrage zu stellen. Es braucht dringend neue Wege, um zusammen neue Lösungsansätze zu erarbeiten.

Webplattformen werden oft für eine Verbesserung und eine Beschleunigung von bisherigen Informationsflüssen eingesetzt. Bestehendes wird zugänglicher, Prozesse werden beschleunigt und Nutzer direkt miteinander verknüpft. Für die Bereiche Nahrung, Energie, Kleidung, Möbel und Transport bestehen in der Schweiz bereits interessante Versuche für neue Webplattformen. Wo aber steht die Bauwirtschaft?

Jährlich werden hierzulande mehr als 3’200 Abbruchbewilligungen erteilt. Recycling ist die gängige Praxis – ein guter Ansatz. Doch wie steht es um die Wiederverwendung? Diese Alternative wird kaum genutzt. Hauptgrund ist, dass potenzielle Nutzer nicht wissen, was, wann und wo abgerissen wird: Die Informationen sind unzugänglich, eine Verbindungsmöglichkeit fehlt.

Hier setzen Plattformen an, welche gewohnte Abläufe in einen neuen Kontext stellen. Jeder soll wissen, was, wann und wo abgerissen wird. Sie vernetzen die Bauherrschaft sowohl mit Architekten und Designern als auch mit Privatpersonen. Ein Beispiel einer solchen Plattform ist «Salza». Hier werden wiederverwendbare Bauteile vor Beginn der Abbrucharbeiten fotografisch dokumentiert und mit dem Abrissdatum versehen. Interessierte Abnehmer vernetzen sich direkt mit der Bauherrschaft zwecks weiterem Vorgehen. Verteuernde Zwischenschritte wie Lagerung werden obsolet und bisher aufwendige Abläufe massiv vereinfacht. Dies schafft Anreize zur Nutzung dieser Alternative.

Bisherige Rückmeldungen von Anwendern zeigen, wie hoch der Bedarf an solchen Plattformen ist. Nun gilt es, diese neue Möglichkeit in der Bauwirtschaft zu etablieren. Ich bin davon überzeugt, dass das Potenzial für neue, innovative Webplattformen noch lange nicht ausgeschöpft ist. Es ist jetzt der Moment, die Initiative zu ergreifen und brachliegendes Potenzial zu nutzen. Man darf gespannt sein, was zu diesem Thema in den nächsten Jahren alles passiert.

Bildlegende: Soeben vor der Brechanlage gerettet: Konsolen aus Sandstein werden wiederverwendet
Olivier de Perrot

Olivier de Perrot

Olivier de Perrot ist diplomierter Architekt ETH SIA. Sein Architekturbüro «Olivier de Perrot Architecture» mit Sitz in Zürich ist geprägt durch vielseitige Projekte in den Bereichen Um- und Neubau von Ein- und Mehrfamilienhäusern und Gastronomiegebäuden sowie Siedlungsgestaltung und Quartierplanung. Mit der Internetplattform «Salza» will er die Wiederverwendung von Bauteilen in der Schweizer Architektur und im Design fördern und weiter vorantreiben.

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