18. – 21. Januar 2022

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Wie digital ist die Zukunft der Arbeitswelt?

 Heute wird Schritt für Schritt alles digital – könnte man meinen. Die fortschreitende Digitalisierung erfasst damit auch die Arbeitswelt. Vor allem die Art und Weise, wie wir kommunizieren, ist heute anders als noch vor ein paar Jahren. Aber was genau hat sich eigentlich geändert? 

Inhaltlich hat sich unsere Kommunikation vermutlich wenig verändert. Denn, wenn wir ehrlich sind, waren unsere Gespräche in den Jugendzentren der 70er- und 80er-Jahre auch nicht gehaltvoller als das, was heute unter Jugendlichen via Whatsapp oder Facebook ausgetauscht wird. Was sich geändert hat, ist aber die Geschwindigkeit der Kommunikation und die Möglichkeiten, sehr einfach sehr viele Menschen zu erreichen. 

Eine hohe Geschwindigkeit ist immer wichtiger geworden. So haben wir uns gerne und rasch an einen Zustand gewöhnt, in dem die Notwendigkeit, zu warten, wegrationalisiert wurde. Alles steht immer und sofort zur Verfügung. Das bedeutet, dass sich immer mehr Arbeitnehmer mit anderen, flexibleren Arbeitszeiten konfrontiert sehen. In einem nächsten Schritt werden wir darüber reden müssen, welche Bedeutung die Arbeitszeit und deren Messung in Zukunft haben sollen. 

Die Digitalisierung ermöglicht es, die Arbeit vieler Menschen anders zu messen und flexibler zu gestalten. Wenn als Resultat nicht mehr alle Menschen am Morgen zur Arbeit und am Abend wieder nach Hause pendeln, erschliesst sie damit zum Beispiel die Chance, den überfüllten Nahverkehr am Morgen und am Nachmittag etwas zu entlasten. Wenn in diesem Zusammenhang die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben immer mehr verschwimmen und nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch der Arbeitsort flexibler werden, dann wird das auch Auswirkungen haben auf unsere Anforderungen an die Lage und Gestaltung von Büroflächen und auch von Wohnraum. 
Wenn man das weiterdenkt, wird für mich eines klar: Die Zukunft der Arbeitswelt wird digital sein. Nur so können wir den steigenden Anforderungen an die Geschwindigkeit gerecht werden. Gleichzeitig werden wir uns aber auch überlegen müssen, was diese Entwicklung für unser privates Leben bedeutet. Das Gegenstück zu Arbeit ist nicht Freizeit, sondern das Nichtstun. Nichtstun ist aber weder digital noch analog, sondern ein eigener Zustand, den wir alle dringend brauchen – allerdings in der richtigen Dosierung.

Matthias Mölleney ist Leiter am Center for Human Resources Management & Leadership an der Hochschule für Wirtschaft Zürich und ehemaliger Personalchef der Swissair. 

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