Das passiert wenn eine KI-Kamera den Baufortschritt überwacht
Belastbare IST-Daten aus der Ausführung automatisieren Dokumentation, steigern Produktivität, eröffnen Potenziale zur Taktoptimierung und reduzieren Terminrisiken.
Terminabweichungen, steigender Koordinationsaufwand und eine hohe Dokumentationslast zählen zu den zentralen Herausforderungen in der Bauausführung. Insbesondere im Rohbau fehlt es häufig an objektiven und zeitnahen Informationen über den tatsächlichen Baufortschritt. Der Status einzelner Bauteile oder Gewerke ist oft nur durch Vor-Ort-Begehungen oder manuelle Rückmeldungen nachvollziehbar. Dies erschwert eine vorausschauende Steuerung und führt dazu, dass Verzögerungen erst erkannt werden, wenn sie bereits Auswirkungen auf den Gesamtterminplan haben.
Automatisiertes Baustellen-Tracking auf Basis von Krankameras und künstlicher Intelligenz (KI) bietet hier einen neuen Ansatz. Durch die kontinuierliche visuelle Erfassung des Baustellengeschehens und die automatische Analyse der Arbeitsprozesse entsteht ein objektives Abbild des Ist-Zustands. Eine speziell trainierte KI erkennt typische Rohbauprozesse wie die Bewehrung einer Stütze, Betonieren eines Fundaments, Stellen von Fertigteilen, oder das Abdichten von Wänden. Die Prozesse werden automatisch im korrekten Bauabschnitt und Geschoss verortet und der entsprechenden Zeile im Soll-Terminplan zugeordnet. Die Erfassung erfolgt passiv und ohne zusätzlichen Aufwand für die Baustelle.
Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für einen automatischen Soll-Ist-Vergleich mit dem Terminplan. Abweichungen, Stillstände oder Verzögerungen werden frühzeitig sichtbar und können gezielt adressiert werden. Für Bauleiter und Projektleiter bedeutet dies eine deutlich verbesserte Entscheidungsgrundlage. Statt auf Schätzungen oder zeitverzögerte Berichte angewiesen zu sein, stehen aktuelle und nachvollziehbare Informationen zur Verfügung.
Ein weiterer Mehrwert liegt in der Entlastung der Bauleitung bei der Dokumentation. Baujournale werden automatisiert vorgeschrieben und mit Bild- und Videomaterial ergänzen. Die Dokumentation wird dadurch nicht nur effizienter, sondern auch konsistenter und nachvollziehbarer. Dies ist insbesondere im Hinblick auf Nachträge, Behinderungsanzeigen und spätere Klärungen von Bedeutung.
Darüber hinaus ermöglichen die kontinuierlich erhobenen Daten eine fundierte Analyse der Bauprozesse. Taktzeiten, Stillstände und Übergaben zwischen Gewerken werden transparent. Auf dieser Basis kann der Baufortschritt vorhergesagt werden und Optimierungspotenzial wird sichtbar. Die Bauausführung wird dadurch weniger reaktiv und stärker vorausschauend gesteuert.
KI-gestütztes Baustellen-Tracking leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Planungssicherheit im Hochbau. Sie schafft Transparenz über den tatsächlichen Projektstatus, reduziert Risiken und unterstützt Bauunternehmen dabei, Termine und Kosten nachhaltig zu sichern.