18. – 21. Januar 2022

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Die Digitalisierung verändert das Bauhandwerk

News  Nicht nur in der Planung oder im Gebäudeunterhalt erweisen sich digitale Hilfsmittel zunehmend als nützlich und produktivitätssteigernd. Auch die klassischen handwerklichen Bauberufe wie Maurer, Maler oder Gipser können von den neuen Errungenschaften profitieren. Die Digitalisierung trägt unter anderem dazu bei, dass Baustellen sicherer werden und die Arbeiten präziser ausgeführt werden können. Auch unterstützen Roboter bei besonders anstrengenden Tätigkeiten (Bild: SBV).


Die Digitalisierung beeinflusst verschiedene Bereiche unseres Alltags. Auch die Art und Weise, wie ein Gebäude erstellt wird, hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt – die Digitalisierung der Baubranche ist in vollem Gange. Dies nicht zuletzt, weil auch immer mehr Bauherrschaften für ihre Projekte das Bauen nach BIM, dem Building Information Modeling, fordern. Wird mit BIM gebaut, entsteht ein virtueller dreidimensionaler Zwilling des Gebäudes, ein digitales Bauwerksmodell, in dem sämtliche Daten zum Gebäude integriert sind. Anhand dieses Modells können alle am Bau Beteiligten vernetzt zusammenarbeiten – von der Planung über die Ausführung bis hin zur Bewirtschaftung des Gebäudes.

Doch was bedeutet die zunehmende Digitalisierung der Baustelle für die klassischen Handwerksberufe? Wird sich der Arbeitsalltag beispielsweise von Maurern, Gipsern oder Malern künftig wesentlich verändern? Ja, findet Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung des Schweizerischen Baumeisterverbands. «Der Maurer wird künftig nicht nur die Kelle in der Hand halten, sondern auch das Tablet.» Das digitale Bauen bringe für die Maurerinnen und Maurer zahlreiche Vorteile, hält Bakir fest. So erweist sich etwa das Arbeiten mit digitalen Modellen als einfacher, als wenn komplexe Pläne auf Papier gelesen werden müssen. Die Digitalisierung wirkt sich aber nicht nur vereinfachend aus, sie trägt auch zu einem effizienten und ressourcenschonenden Umgang mit Materialien bei. Denn dank exakter Pläne kann beispielsweise die Betonmenge genau berechnet werden und es fällt weniger Abfall an. Auch für die Arbeitssicherheit auf der Baustelle ist das digitale Bauen ein Gewinn. Dies, weil beispielsweise die Daten des Modells direkt auf Baumaschinen übertragen und für die Steuerung verwendet werden können. Auf dem Display sieht der Maschinenführer, wo er wie viel ausheben muss – ohne dass vorher eine zweite Person die entsprechenden Stellen im Gelände ausstecken musste. 

Bessere Kommunikation

Smartphone und Tablet sind nicht nur im Büro, sondern auch auf der Baustelle immer mit dabei. So kann der Maurer oder die Maurerin eine problematische Stelle eines Bauwerks vor Ort fotografieren und über eine App an den oder die Vorgesetzte weiterleiten. Werden die Bilder in der Baudokumentation abgelegt, kann später genau nachvollzogen werden, weshalb etwas getan oder eben nicht getan wurde. Praktisch sind auch verschiedene neue Apps, die beispielsweise die Arbeitszeiterfassung erleichtern – egal ob die Mitarbeitenden gerade auf der Baustelle oder im Büro arbeiten. Auch für die Kommunikation zwischen dem Hauptsitz eines Unternehmens und den Mitarbeitenden auf dem Bau existiert heute gute Software, dank der der fachliche Austausch transparent und einfach ist. 

Präzise Planung und Blick in die Zukunft

Ein digitales Hilfsmittel, das zur präzisen Planung und Ausführung beiträgt, sind Drohnen. Sie sind klein, arbeiten zuverlässig und günstig und liefern Informationen, die dem Auge der Architektinnen oder Bauingenieure vom Boden aus verborgen blieben. So können sie Geländeprofile oder Aufmasse für Fassaden oder Dachflächen genau erfassen. Auch lassen sich mit Drohnen respektive Wärmebildkameras Bauschäden oder Energieverluste visualisieren – dies auch an schwer zugänglichen Gebäudebereichen. Sämtliche erfassten Daten können für eine möglichst präzise Planung wertvoll sein. Zudem kann der Polier oder Bauführer prüfen, ob ein Aushub richtig gemacht wurde. Auch Roboter erleichtern die Arbeit auf der Baustelle. So übernehmen Bohrroboter oder sogenannte Exoskelette besonders strenge körperliche Arbeiten und entlasten die Fachleute. 

Um sich ein Bauprojekt bereits in einer frühen Phase der Planung gut vorstellen zu können, helfen Tools wie Brillen. Mit diesen kann man beispielsweise aufzeigen, wie ein Bauwerk aussehen wird, denn sie machen eine virtuelle Begehung möglich. Ist dabei «nur» der künftige Bau sichtbar, spricht man von «Virtual Reality». Wird gleichzeitig auch der Jetzt-Zustand sichtbar, geschieht dies mittels «Augmented Reality». 
 
Maler und Gipser auf Digitalisierungskurs

Eine der neueren Errungenschaften, die sich Maurer und Gipser zunutze machen können, sind 3D-Drucker. So kann ein Gipser beispielsweise Rosetten für die Stuckatur am Computer konstruieren und drucken. Auch kann ein Scan einer nur noch teilweise vorhandenen Stuckatur die Basis für eine Rekonstruktion bilden. Hier sehen Fachleute noch viel Potenzial.

Laut Auskunft von Raphael Briner vom Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband SMGV steht die Digitalisierung auch bei diesen beiden Berufsgattungen nämlich zunehmend auf der Tagesordnung. «Das Handwerk an sich wird sich zwar durch die Digitalisierung nur unwesentlich wandeln», erklärt Raphael Briner. Allerdings werden die Begleitprozesse laufend angepasst. So erfolge die Beschaffung von Daten, die Bestellung von Material sowie die Kommunikation immer mehr digital. Apps für die Administration hätten sich in vielen Betrieben etabliert.  Einzelne Unternehmen seien auf dem Weg zum papierlosen Büro bereits weit fortgeschritten, auch wenn das Ziel (noch) nicht vollständig erreicht sei. Um den Einstieg ins digitale Zeitalter zu erleichtern, ist es dem Verband ein grosses Anliegen, die Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung zu verankern. «Es ist extrem wichtig, dass wir die Grundlagen für digitales Arbeiten bereits in der Grundbildung legen und sie auch in die Weiterbildung integrieren. Das macht der SMGV bereits heute, doch sollen diese Bemühungen laut Briner in Zukunft aber noch verstärkt werden. 

Klar ist, dass die Digitalisierung der Baustelle künftig alle Gewerke betreffen wird. Immer stärker wird sie den Alltag der Fachleute verändern und dabei die Prozesse sowie die Kommunikation vereinfachen und auch für alle Beteiligten transparenter machen. Letztlich sollen die digitalen Errungenschaften dazu beitragen, dass die Sicherheit auf dem Bau grösser und die Produktivität zunehmen wird. Dies zum Vorteil nicht allein der Bauunternehmen, sondern auch der Bauherrschaft.

Die Digitalisierung verändert das Bauhandwerk
Mit Drohnen kann man nicht nur Dimensionen eines Geländes oder eines bestehenden Baus erfassen, sie ermöglichen auch, unzugängliche Stellen eines Bauwerks einzusehen oder Bauschäden zu orten. (Bild: SBV)

Die Digitalisierung verändert das Bauhandwerk

Die Digitalisierung verändert das Bauhandwerk  
Administration, Einkauf oder Lagerbewirtschaftung – auch Maler und Gipser profitieren zunehmend von den Möglichkeiten, welche die Digitalisierung bietet. (Bild: Applica, die Zeitschrift für das Maler- und Gipsergewerbe)

Sandra Aeberhard ist Journalistin und Mitinhaberin der Faktor Journalisten AG sowie des Faktor Verlags. Sie verfasst Texte über nachhaltiges Bauen, Architektur und Design. Der Faktor Verlag publiziert Bücher und Magazine mit Fokus auf die Themenbereiche Architektur, Technik, Energie und Nachhaltigkeit.
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