18. – 21. Januar 2022

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Ist der Gebäudefokus bei Energievorschriften und Labels noch zeitgemäss?

Meinung Das Zertifikat für 2000-Watt-Areale dient als ideales Instrument für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 in grösseren Siedlungsgebieten. Es bietet gegenüber heutigen Gebäudelabel und Energievorschriften einen Qualitätssprung und ist bei langfristig ausgerichteten Investoren und institutionellen Anlegern gefragt. Dafür gibt es mehrere Gründe.   
 
  1. Ein 2000-Watt-Areal ist mehr als die Summe seiner Häuser: Energetisch vorbildliche Gebäude, geplant und realisiert nach SNBS, Minergie oder GEAK, situieren sich in einem funktionierenden städtebaulichen Kontext und sind über eine nachhaltige Energieversorgung und Mobilitätskonzepte erschlossen.
  2. Der Gesamtenergieansatz gemäss SIA-Effizienzpfad Energie ist wesentlich umfassender: Neben der Betriebsenergie sind die Energie für die Erstellung der Bauten und der Infrastruktur sowie für die Alltagsmobilität integraler Teil.
  3. Der gesamte Lebenszyklus ist im Fokus: Die Betrachtung endet nicht bei der Baufertigstellung. So wurden dieses Jahr – erstmalig für ein Label – fünf 2000-Watt-Areale im «Betrieb» ausgezeichnet. Das Monitoring der Betriebsenergie und des Mobilitätsverhaltens zeigte keinen «Performance Gap»; diese Areale halten, was in der Planung versprochen wurde.

Ein Zusammenspiel sämtlicher Parteien entlang der Wertschöpfungskette

Doch wie schaffen wir es, das Label «2000-Watt-Areal» in der ganzen Schweiz zu etablieren? Die Gemeinden spielen mit der Festlegung der Rahmenbedingungen am Anfang des Prozesses zur Initiierung von 2000-Watt-Arealen eine Schlüsselrolle. Gegenüber der Standortgemeinde wird mit dem Zertifikat der Nachweis erbracht, dass eine vorbildliche Entwicklung geplant oder bereits in Betrieb ist.

Bei langfristig ausgerichteten Investoren und institutionellen Anlegern ist die Auszeichnung von werthaltigen Immobilien gefragt. Das «2000-Watt-Areal» ist zwar anspruchsvoll, bietet aber viel mehr wirtschaftlichen Spielraum für Investoren und Planer bei der Wahl von gestalterischen und technischen Lösungen. In der Planung und Realisierung erhalten die Bauherren und Planer ein QS-System für die Umsetzung einer qualitätsvollen Siedlungsentwicklung mit hohen Energie- und Klimaschutzzielen. Schliesslich in der Betriebsphase kommen die Nutzenden ins Spiel und können durch ihr persönliches Verhalten einen weiteren wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz leisten.

Meiner Meinung nach ist die Energiewende im Gebäudebestand mit den heutigen rigiden Umbauvorschriften nicht zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde für die 2000-Watt-Areale ein Pilotprojekt zur Transformation von Bestandsgebieten konzipiert, welches bei Gemeinden und Investoren auf grosses Interesse stösst. Damit leisten 2000-Watt-Areale in Zukunft auch einen Beitrag zur qualitätsvollen Innenverdichtung. Eine Flexibilisierung und Erweiterung der heutigen Energievorschriften und Gebäudelabel eröffnet neue Wege. So können in Sondernutzungsplänen für 2000-Watt-Areale neue Formen von Energievorschriften erprobt werden.

Der erweiterte Blickwinkel auf Areale und Quartiere lohnt sich also. Die 2000-Watt-Areale sind ein starker Beitrag mit einer lang andauernden Wirkung zur Energiestrategie 2050.

Heinrich Gugerli ist Leiter Technische Entwicklung 2000-Watt-Areale. Er sieht die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft als Chance, welche die zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 unabdingbare Transformation des Gebäudeparks Schweiz unterstützt. Im Hinblick auf seine nachberufliche Tätigkeit hat er 2014 die «Gugerli Dolder Umwelt & Nachhaltigkeit GmbH» gegründet. Bis zur Pensionierung leitete Heinrich Gugerli die Fachstelle nachhaltiges Bauen im Amt für Hochbauten der Stadt Zürich und war dort u.a. zuständig für die Umsetzung der 2000-Watt-Ziele im städtischen Gebäudepark. Er wirkt in den Kommissionen SIA 2040 SIA-Effizienzpfad Energie sowie SIA 2047 Energetische Gebäudeerneuerung mit und hält regelmässig Fachvorträge zu diesen Themen.
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