18. – 21. Januar 2022

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Aufhebung des Euro-Mindestkurses: Konsequenzen für die Baubranche

Viele Bau- und Immobilienunternehmen dürften sich nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015 sprichwörtlich fühlen wie der Bär, der aus dem Winterschlaf geweckt wurde. Benommen, besorgt und irritiert stellt man sich die Frage: Was nun, was bringt das laufende Jahr? 

Die gute Nachricht vorweg: Die Schweizer Bau- und Immobilienunternehmen sind kerngesund, die Auslastung ist hoch und der Neu- und Umbaubedarf hält an. Dazu trägt das rekordtiefe Zinsniveau bei. Und eben dieses wurde mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses nochmals gesenkt. Anlageimmobilien und Wohneigentum sind damit – vorerst zumindest – noch attraktiver geworden. Die Freude hält sich aber in Grenzen, denn ein anhaltend starker Schweizer Franken hat negative Folgen für die gesamte Schweizer Wirtschaft, und damit auch für den Bau- und Immobilienmarkt.

Unmittelbar betroffen sind exportorientierte Unternehmen, der Detailhandel und touristische Unternehmen. Nachgelagert leiden Zulieferer, Dienstleister und letztlich fast die gesamte Volkswirtschaft. Bei ausbleibendem Beschäftigungwachstum wäre – wenn auch zeitlich verzögert – die Immobiliennachfrage in fast allen Segmenten betroffen. Einige Immobiliensegmente sind besonders exponiert: Wohnungen in Grenznähe, Ferien- und Zweitwohnungen sowie Geschäftsflächen. Letztere bewegen sich heute schon auf schwierigem Terrain, die Märkte sind überversorgt mit Mietangeboten.

Je länger die ungünstige Wechselkurssituation anhält, desto stärker wird die Bauindustrie in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der Vorlaufzeit im Bau ist für 2015 nur mit einem leichten Minus im einstelligen Prozentbereich zu rechnen. 

Seriöse Einschätzungen für das kommende Jahr sind erst im Sommer möglich. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wechselkurssituation bis dahin etwas entspannt.

Patrick Schnorf ist Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei Wüest & Partner. In seiner Funktion als Leiter Research ist er unter anderem zuständig für Marktanalysen zum Schweizer Bau- und Immobilienmarkt. Er ist verantwortlich für die regelmässig erscheinende Publikation «Immo-Monitoring».
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