18. – 21. Januar 2022

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Tageslicht – frühzeitige Planung bringt Wohnqualität

News  Wohlbefinden, Energieeffizienz und Wertsteigerung – das sind nur einige der zahlreichen Vorteile von ausreichendem Tageslicht im Innenraum. Damit die Versorgung mit natürlichem Licht aber auch wirklich gelingt, bedarf es einer professionellen und frühzeitigen Planung. (Bild: Velux)


Im vorindustriellen Zeitalter war Tageslicht die Hauptlichtquelle in Innenräumen. Eine grosszügige Dimensionierung von Fenstern tat Not, denn künstliches Licht war nur sehr begrenzt verfügbar. Dies änderte sich, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts das elektrische Licht aufkam. Gelangte wenig oder kein natürliches Licht ins Gebäudeinnere, löste man fortan das Problem, indem man elektrisches Licht installierte. Kunstlicht wurde zur Selbstverständlichkeit und durch diese Errungenschaft der Technik verlor die natürliche Lichtversorgung an Bedeutung.

Bis 21 Stunden pro Tag drinnen

Laut der Studie «Indoor Generation» von Velux halten sich die Menschen in unseren Breitengraden rund 90 Prozent der Zeit in geschlossenen Räumen auf. Angesichts dieser Zahl liegt es auf der Hand, dass eine optimale Lichtsituation essentiell ist. Denn heute weiss man, dass nicht nur für das Sehen und die Wahrnehmung eines Raums ausreichend Tageslicht benötigt wird, sondern dieses bei einer ganzen Reihe von Körperfunktionen eine zentrale Rolle spielt. So reguliert es etwa den Stoffwechsel im Körper und den 24-Stunden-Rhythmus. Dennoch sind Lichtmangelerscheinungen nach wie vor eine Zivilisationskrankheit. «Obwohl der richtige Umgang mit Tageslicht in der Architektur vieles positiv beeinflussen kann, wurde dem Thema in den vergangenen Jahren oft wenig Aufmerksamkeit gewidmet», sagt Paul Schöni von Public Affairs bei Velux. Grund dafür war, dass die biologische Wirksamkeit des natürlichen Lichts kaum erforscht war und es bislang kaum Normen oder Empfehlungen gab. Das hat sich glücklicherweise geändert. Heute ist man sich der Konsequenzen des uneingeschränkten Einsatzes von Kunstlicht in gesundheitlicher und energetischer Hinsicht bewusst. Zudem steht mit der SN EN Norm «Tageslicht in Gebäuden» seit 2019 ein Regelwerk zur Verfügung, das wichtiges Wissen für Lichtplaner sowie Architektinnen vereint.

Neue Norm setzt Leitplanken

«Mit der neuen Norm wird ein einheitlicher Standard für eine Tageslichtplanung definiert und die Integration des Tageslichts in Gebäuden gefördert», hält Paul Schöni fest. Die SN EN 17037 verlangt eine differenzierte Betrachtung des Lichts nach den vier Bewertungskriterien Tageslichtversorgung, Aussicht, Besonnungsdauer und Schutz vor Blendung. So sollen etwa Fenster direkte Sichtverbindungen zur Aussenwelt schaffen und Informationen zu Wetterverlauf oder Tageszeit liefern. «Direktes Sonnenlicht ist wichtig, wenn sich Personen über längere Zeit im Innenraum aufhalten», führt Schöni weiter aus. Die Möglichkeit, sich im Tagesverlauf am Stand der Sonne zu orientieren sowie die Wärme auf der Haut zu spüren, sind positive Erfahrungen.

Tageslicht zuerst!

Bei der Lichtplanung gibt es eine einfache Regel: Tageslicht soll wenn immer möglich die Hauptlichtquelle in einem Gebäude sein. Kunstlicht kommt lediglich dort ergänzend hinzu, wo natürliches Licht ungenügend vorhanden ist oder ganz fehlt. Daher gilt es, schon früh im Projekt die Weichen für eine gute Tageslichtnutzung richtig zu stellen. «Hier kommt es auf die bewusste Positionierung und Dimensionierung der Fensterflächen an. Zudem ist ein beweglicher Sonnenschutz und wenn möglich ein separater Blendschutz entscheidend», erklärt Schöni. Gewisse Entscheide lassen sich nämlich im Projektverlauf kaum oder gar nicht mehr anpassen, gibt der Experte zu bedenken. Doch nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Sanierungen gilt es, die Versorgung mit Tageslicht unter die Lupe zu nehmen. Denn auch breitere Fensterprofile oder eine bessere Wärmedämmung, die tiefere Fensterlaibungen bedingt, können zu einem reduzierten Lichteinfall führen.

Wohlbefinden und Wert steigern

Eine ausreichende Versorgung mit natürlichem Licht steigert den Komfort für die Nutzerinnen und Nutzer eines Gebäudes markant und trägt dazu bei, dass Räume behaglicher und „gesünder“ wahrgenommen werden. Darüber hinaus lässt sich aber auch der Energieverbrauch senken, die visuelle Wirkung eines Raumes verbessern und der Wert einer Immobilie steigern. Eine Untersuchung von Wüest + Partner hat ergeben, dass Tageslicht ein zentraler Faktor bei der Wohnungssuche ist. Für Licht und Helligkeit sind die meisten Leute bereit, mehr Geld auszugeben.

Für den Experten von Velux ist klar, dass Tageslicht künftig eine wichtigere Stellung in der Lichtplanung einnehmen wird: «Bislang war die Lichtplanung stark vom Kunstlicht geprägt. In Zukunft wird es für Lichtplaner immer wichtiger, über Verständnis und Wissen über ihre Disziplin hinaus zu verfügen. Denn komplexe Fragestellungen benötigen nicht unbedingt komplexe Lösungen.» Um der erhöhten Aufmerksamkeit der Lichtplanung mit Tageslicht Rechnung zu tragen, hat die Hochschule Luzern eine neue Weiterbildung ins Leben berufen. Diese ist ein kooperatives Angebot der Institute für Innenarchitektur und Gebäudetechnik & Energie und steht unter dem Patronat der Vereinigung Schweizer Innenarchitekten/innen VSI.ASAI. Mit dem «CAS in Lichtgestaltung» erwerben sich Teilnehmende umfangreiche Kompetenzen in der Gestaltung von Räumen mit Kunst- und Tageslicht. All dies mit dem Ziel, den Nutzerinnen und Nutzern von Gebäuden so viel Qualität wie möglich zu bieten.

Tageslicht
Eine durchdachte Planung von Fensteröffnungen sorgt für Wohlbefinden und eine hohe Wohnqualität.  (Bild: Velux)

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