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Elektronische Baugesuche auf dem Vormarsch

Publiziert am 17.12.2020 von Remo Bürgi, Fachjournalist Faktor Journalisten
Digitale Baubewilligung
Swissbau Von der Steuererklärung über die Adressänderung bis hin zum E-Voting: Prozesse und Angebote der Behörden werden zunehmend digitaler. Dies gilt auch für den Baubewilligungsprozess, der bisher komplex und papierintensiv war. Wo stehen die Kantone und Gemeinden auf dem Weg zum elektronischen Baugesuch? Ein Überblick. (Foto: Stadt Zürich)


Wer in letzter Zeit durch Zürich flanierte, entdeckte einige überraschende Plakate an den Stellwänden und Litfasssäulen. «Ihr Baugesuch können Sie jetzt auch nach dem Tatort einreichen», war da beispielsweise zu lesen. Nicht wenige dürften sich gefragt haben, was denn die Sendung «Tatort» mit einem Baugesuch zu tun hat. Die Auflösung des Rätsels: Es handelt sich bei den Plakaten um Werbung für das elektronische Baugesuch, das der Kanton seit Kurzem anbietet.

Transparent und übersichtlich

Das neue Angebot heisst eBaugesucheZH und wird mittlerweile schon von mehr als einem Dutzend Gemeinden genutzt. Der Kerngedanke dieser Online-Plattform ist, dass sie alle an der Baubewilligung beteiligten Akteure vernetzt und den Ablauf vereinfacht. Bis anhin lief das ganz anders: Je nach Projekt musste man unzählige Formulare ausfüllen, oft auch mit identischen Angaben. In den Prozess waren zahlreiche Fachstellen aus unterschiedlichen kantonalen Direktionen involviert. Dabei den Überblick zu behalten, glich gelegentlich einer Herkulesaufgabe – nicht nur für die Antragsteller, sondern auch für die Behörden, die einen hohen Koordinationsaufwand leisten mussten.

Fast vollelektronisch

Das gesamte Verfahren wird nun effizienter und transparenter, die Beteiligten können den aktuellen Projektstatus jederzeit einsehen und haben Zugriff auf die relevanten Daten. Als zentrales Instrument der Plattform dient das Online-Baugesuchsformular, das dank einer intuitiven Bedienung einfach auszufüllen ist. Mit der Plattform lässt sich der Baubewilligungsprozess grundsätzlich von A bis Z digital durchführen. Derzeit müssen allerdings gewisse Dokumente aus rechtlichen Gründen noch in physischer Form eingereicht werden. Der Kanton möchte die relevanten gesetzlichen Bedingungen bald anpassen, sodass man in Zukunft die Baubewilligung tatsächlich vollelektronisch abwickeln kann.

Digitale Baubewilligung
Der Kanton Zürich ermöglicht mit «eBaugesucheZH» eine fast ausschliesslich elektronische Abwicklung des Baubewilligungsprozesses. (Foto: Screenshot www.ebaugesuche.zh.ch)

Die Krux: Digitale Unterschrift

Auch in verschiedenen anderen Kantonen laufen Bestrebungen, den Bewilligungsprozess zu digitalisieren. Im Kanton Schwyz beispielsweise sollen Baugesuche ab April 2021 über die Plattform eBau ausschliesslich elektronisch eingereicht und bearbeitet werden. Zehn Gemeinden im Kanton nutzen die Plattform bereits seit Längerem, die restlichen 20 befinden sich bis zum Start im Frühling in einer Pilotphase. Auch die Schwyzer versprechen sich vom elektronischen Baugesuch gemäss Angaben der Staatskanzlei ein schnelleres und transparenteres Bewilligungsverfahren. Wie in Zürich fehlt indes momentan noch die gesetzliche Grundlage für eine digitale Unterschrift, sodass Bauwillige vorerst noch zwei ausgedruckte und unterschriebene Exemplare des Baugesuchs einreichen müssen.

Digitale Baubewilligung
Die Unterschrift des Gesuchstellers kann aus rechtlichen Gründen noch nicht digital erfolgen. Es laufen aber entsprechende Bestrebungen, die Gesetzgebung diesbezüglich anzupassen. (Foto:Pixabay)

Bern und Aargau ebenfalls aktiv

Auch der Kanton Bern gehört bei den E-Baugesuchen zu den Vorreitern. Ein Pilotprojekt startete bereits im Sommer 2018, seit August 2019 können alle Baugesuche elektronisch über eine ebenfalls eBau genannte Plattform eingereicht werden. Während einige Gemeinden schon voll auf das Angebot setzen, sind andere noch daran, die Schnittstelle zwischen kommunaler und kantonaler Software zu definieren.

Im Kanton Aargau steht mit eBau Aargau ebenfalls eine Plattform für die Eingabe von elektronischen Baugesuchen zur Verfügung. Bisher sind zwar erst drei Gemeinden an das System angeschlossen, weitere sollen aber folgen. Ganz allgemein arbeiten die meisten Kantone daran, eine Plattform für elektronische Baugesuche aufzubauen und zu etablieren. Eine Dokumentation von eGovernment Schweiz von Anfang 2020 ohne Anspruch auf Vollständigkeit bietet eine Übersicht zum Stand der kantonalen Projekte.

Kompatible Schnittstellen

Eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Betrieb einer digitalen Baugesuchslösung sind funktionierende Schnittstellen. Gemeint ist damit, dass die Software-Lösungen der beteiligten Verwaltungseinheiten – in der Regel die Gemeinde sowie mehrere kantonale Stellen – untereinander kompatibel sind. Um diese Kompatibilität zu gewährleisten, hat der Verein eCH entsprechende Standards erarbeitet. In diesem gemeinnützigen Verein engagieren sich der Bund, die Kantone, diverse Gemeinden sowie Hochschulen und Unternehmen mit dem Ziel, das eGovernment in der Schweiz zu fördern. Dank der eCH-Standards können Dokumente und Daten zwischen unterschiedlichen Stellen medienbruchfrei ausgetauscht werden – zum Beispiel beim Bearbeiten von elektronischen Baugesuchen.

Bevölkerung mit E-Services zufrieden

Der Bedarf nach elektronischen Verwaltungsdienstleistungen ist offenbar da, wie eine Untersuchung des Bundesamts für Statistik zur Internetznutzung in Schweizer Haushalten zeigt. Fast 70 Prozent der Bevölkerung suchten 2019 auf den Websites von Behörden nach Informationen, 60 Prozent haben Formulare heruntergeladen und immerhin die Hälfte hat solche Dokumente auch elektronisch ausgefüllt. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz damit auf dem 6. Platz, was die Nutzung von elektronischen Behördendiensten angeht. Zudem sind 73 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer mit den E-Services der Verwaltungen zufrieden, wie der E-Government-Monitor 2019 zeigt.

Der Monitor zeigt auch, wo der Schuh noch drückt. Die Online-Angebote sind teilweise noch zu wenig gut strukturiert und zu wenig bekannt, sodass sie gar nicht wahrgenommen werden. Wichtig wäre demzufolge eine an den Nutzenden orientierte Konzeption der Angebote und ein aktiveres Bekanntmachen. Die Stadt Zürich zeigt mit ihrer innovativen Plakatkampagne, wie man diese Herausforderung erfolgreich angehen kann.

Remo Bürgi

Remo Bürgi

Remo Bürgi ist Kommunikator ZFH und arbeitet als Fachjournalist bei Faktor Journalisten. Er verfasst Beiträge für Publikationen des Faktor Verlags ebenso wie für verschiedene Fachzeitschriften und Blogs. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.

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