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René Eckenfels

René Eckenfels ist Geschäftsführer des Isolierglaswerkes bei Glas Trösch in St. Gallen.
René Eckenfels, gefällt Ihnen der Begriff «Nachhaltigkeit»?
Für mich ist das Wort „Achtsamkeit“ treffender – der achtsame Umgang mit unserer Umgebung und unserer Umwelt. Nachhaltigkeit heisst für mich persönlich: Ich gebe acht auf die Menschen um mich herum und verschleudere nicht gedankenlos Material. 

Als das Wort «Nachhaltigkeit» gefallen ist, haben Sie leicht die Stirn gerunzelt. Ist der Begriff für Sie nur eine Worthülse?  Ursprünglich nicht. Aber ich habe den Eindruck, dass das Wort oft missbräuchlich eingesetzt wird. Wir preisen zwar die Nachhaltigkeit, aber als Gesellschaft leben wir sie nicht. Nachhaltigkeit heisst: Wir sollten uns beim Verbrauch von Energien sowie von Materialien so verhalten, dass wir den späteren Generationen eine intakte Umwelt übergeben können. Wir müssen Produkte so optimieren, dass sie ihren Dienst tun, ohne Schaden anzurichten. Und das gilt für die Produktion ebenso wie für die Nutzung und Entsorgung. Wir müssen unser Denken und unser Handeln auf Mittel- und Langfristigkeit anlegen und uns für gewisse Themen auch Zeit nehmen und keine Schnellschüsse abfeuern. Damit wir etwas schaffen, das Bestand hat.

Wie bringen wir die Nachhaltigkeit auf den Weg? 
Erstens durch Gespräche wie dieses sowie eine breite Auseinandersetzung ohne ideologische Scheuklappen. Und zweitens durch Persönlichkeiten in Firmen und Institutionen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben und auch selbst leben. Also Menschen, die ein Vorbild sind und Leuchttürme schaffen, an denen sich andere orientieren können. Denn dadurch kann sich jeder ein Bild machen und für sich entscheiden, ob er diesen Weg auch gehen möchte. Ich glaube: Genau das ist notwendig, um die Menschen zu nachhaltigem Verhalten zu motivieren. 

Wie halten Sie es in Ihrem Unternehmen mit der Nachhaltigkeit? 
Ich kann eine Reihe von Massnahmen herauspicken, aber eine finde ich besonders erwähnenswert: Die Aufträge in unserem Betrieb generieren eine Menge Papier. Papier, das wir zu Kontrollzwecken einsetzen, zum Lagern, für Laufzettel und so weiter. Bis vor vier Jahren haben wir dieses Papier nach dem Gebrauch entsorgt. Wenn man abends durch den Betrieb gegangen ist, sah man Körbe von Papier, die im Abfall landeten. Wir fanden das absurd und betrauten die Lernenden mit der Aufgabe, sich Gedanken über mögliche Einsparungen zu machen. Das erfreuliche Resultat ist, dass wir heute mehr als 30 Prozent Papier einsparen, ohne dass das die Abläufe beeinflusst hätte. Das sind kleine Schritte, aber jemand muss sie gehen. Solche Themen anzupacken und miteinander etwas zu erreichen, macht ja auch Spass und schafft Anreize für weitere nachhaltige Massnahmen.  

Sie haben eine Lehre als Hochbauzeichner absolviert. War Nachhaltigkeit zu jener Zeit ein Thema? 
Da wir in der Schweiz für die Ewigkeit bauen, war das wahnsinnig nachhaltig (lacht). Aus meiner Lehrzeit ist mir in Erinnerung, dass man die Fenster in der Planung möglichst klein gehalten hat. Dies hatte zur Folge, dass die Räume in der Wärmebilanz besser abschnitten, aber dafür war es zappenduster. Heute hat sich das komplett geändert: Wir bauen riesige Verglasungen und die Energiewerte machen Freude. Die Menschen, die in diesen Häusern leben, fühlen sich wohl und haben viel Licht. 

Sie haben auch als Landschaftsgärtner gearbeitet.  Hat die Nähe zur Natur Sie in punkto Nachhaltigkeit beeinflusst? 
Das war nur ein Intermezzo: Nach der Lehre zum Hochbauzeichner wollte ich mal etwas anderes machen. Raus aus dem Büro und im Akkord Bodenplatten legen. Nachhaltig ist daran eigentlich nur die Erinnerung an den Schmerz, der durch die Blasen an den Händen entstand. 

Wie leben Sie persönlich?
Ländlich, in einem kleinen Haus. Mir ist wichtig, dass man energieschonend heizen kann, daher haben wir eine Wärmepumpe. Wenn man die Natur vor der Haustüre hat, entwickelt man quasi automatisch eine Affinität für das Thema. Wenn Sie sehen, wie Ihre Kinder und deren Freunde auf einer Wiese herumtollen, ist das ein emotionaler Moment – und ein Wert für die Gesellschaft. Dazu müssen wir Sorge tragen. 

René Eckenfels ist Geschäftsführer des Isolierglaswerkes bei Glas Trösch in St. Gallen. Der gelernte Hochbauzeichner war als Landschaftsgärtner, Verkaufsberater und Consultant tätig. Studienaufenthalte im Ausland und eine kontinuierliche Weiterbildung führten den zweifachen Familienvater vor 14 Jahren zu seiner jetzigen Tätigkeit.

Er hat das Betriebsgebäude Isolierglas der Glas Trösch als Referenzobjekt als Beispiel für nachhaltiges Bauen ausgesucht. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.