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Architektur zwischen Effizienz und Ästhetik

Publiziert am 13.01.2016 von Redaktion Swissbau
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Eventreport 13. Januar 2016, 17.45 - 19.30, Veranstalter: EnergieSchweiz / SIA Zur Realisierung der Energiewende bedarf es des Verständnisses für die vorhandene Bausubstanz in der Schweiz. Denn der Gebäudepark sieht sich mit hohen Ansprüchen konfrontiert. Der Architekt widmet sich in seiner Vielseitigkeit der Auseinandersetzung von effizienten und ästhetischen Gesichtspunkten. Dabei muss er die Bedürfnisse von Bund und Kantonen sowie dem Nutzer bedienen.

Bild: v.l.n.r. Gabriel Vetter, Walter Steinmann, Fredy Hasenmaile, Eva Wannenmacher, Armon Semadeni, Andreas Ruby und Oliver Martin

Sendung in voller Länge

Mit der Transformation des Gebäudeparks in der Schweiz sind die Ziele der Energiestrategie 2050 klar formuliert. Die Architektur ist dabei Vermittler zwischen ästhetischen Ansprüchen und Anforderungen der Energieeffizienz. Architekt Armon Semadeni erklärte in seinem Referat die Herausforderungen seines Berufsstandes. Die abschliessende Podiumsdiskussion gab eine kontroverse Auseinandersetzung über die Vereinbarung effizienter und ästhetischer Gesichtspunkte. 

Der aktuelle Gebäudepark in der Schweiz sieht sich hohen Ansprüchen konfrontiert, mit denen sich die Veranstaltung «Architektur zwischen Effizienz und Ästhetik» umfassend auseinandersetzte und von verschiedenen Standpunkten beleuchtete. Ökologische, ökonomische, gesellschaftliche und gestalterische Wertschöpfung als vier Säulen der Nachhaltigkeit nehmen bei der Behandlung dieser Thematik eine tragende Rolle ein, wie Stefan Cadosch, Architekt und Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA in seinem Einleitungsvortrag verdeutlichte. 

Anschliessend stellte Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, die Ziele der Energiestrategie 2050 vor und veranschaulichte diese an verschiedenen Beispielen. Gleichzeitig wagte er einen Blick nach vorn und widersprach damit aus seiner Sicht Forderungen einiger Politiker: «Die Schweiz als Insel wird nie energieautark sein».  

Anhand der Beispiele von Stöckacker Süd in Bern oder dem Franklinturm in Zürich verdeutlichte Armon Semadeni vom gleichnamigen Architekturbüro aus Zürich: «Bauen ist eine integrative Handlung in einem der Gesellschaft zugehörigen Raum». Eine Einschätzung Semadenis zum Projekt Stöckacker Süd liesse sich auch auf aktuelle politische Diskussionen übertragen: «Jede Grenze bietet die Möglichkeit für einen Zaun oder um einen Anschluss zu schaffen». Gleichzeitig gab er mit den Worten von Luigi Snozzi zu bedenken: «Wenn du ein Haus baust, denke auch an das Dorf». Damit plädierte er für eine ganzheitliche Betrachtung beim Bauen. 

Der Kabarettist und Autor Gabriel Vetter siegte unter anderem 2004 und 2007 bei den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften. In der Rolle des Nutzers gab er dem Publikum einen unkonventionellen, humoristischen Blick auf die Thematik: «Schön, dass ich heute zu Ihnen reden darf. Ausgerechnet über Architektur, wobei ich davon keine Ahnung habe». Anspruchsdenken von Architekten und Nutzenden sind nach seiner Meinung oftmals nicht deckungsgleich. Vetter gab daher zu bedenken: «Was nützt es, wenn das liebevoll vom Architekten geplante Haus vom Nutzer kaputt gewohnt wird?». Damit reagierte er auf die Frage: «Wie kann man Architektur bauen, damit es auch der Laie versteht?». Dadurch stellte Vetter auch die Grundelemente der Architekten in Frage und zog einen interessanten Vergleich: «Liebe entsteht beispielsweise auch nicht durch Planung, sondern durch Unregelmässigkeiten. Trotzdem ist es mit der Architektur wie im Leben: Es muss immer einer leiden, entweder der Planer oder der Nutzer».

Verhandelbarkeit mehrerer Interessen 

Neben den Referenten war auch Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienresearch von Credit Suisse, einer der Teilnehmer bei der anschliessenden, kontrovers geführten Podiumsdiskussion. «Für Investoren ist Architektur nur ein Mittel zum Zweck – etwas Profanes. Bei Beurteilung der Schönheit wird sich nur schwer ein gemeinsamer Nenner finden lassen», lautete seine Einschätzung. 

Oliver Martin, Leiter Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege beim Bundesamt für Kultur, bezog sich auf das Ergebnis einer deutschen Studie: «Gebäude gewinnen im historischen Umfeld an Wert. Identitätsbildende Bauten erfordern ebenfalls entsprechende Mittel – auch hinsichtlich der Energieeffizienz».

Andreas Ruby, designierter Direktor S AM Schweizerisches Architekturmuseum, wagte eine Voraussage: «Vielleicht befreien wir die Architektur irgendwann vom Zwang der Effizienz. Statt fossiler Energien verbrauchen Gebäude dann nur noch erneuerbare Energien. Wieso kann Architektur nicht das machen, was sie am besten kann: die Umwelt bespielen? Effizienz ist aktuell ein Thema der ersten Welt. Für den Rest ist Suffizienz von Bedeutung».  

Oliver Martin deutete auf die Wünsche der Nutzer hin: «Der guten Gestaltung sollten wir zukünftig mehr Priorität einräumen». Walter Steinmann gab hingegen zu bedenken: «Wir dürfen auch die Kosten nicht vergessen. Schlussendlich ist Ökonomie ein gewichtiger Faktor. Zudem sollte man sich der Möglichkeit von Ersatzneubauten nicht verschliessen». In der Zusammenfassung der prägnantesten Punkte des Events entgegnete ihm Oliver Martin: «Ich möchte nicht den vollständigen Bestand zum Denkmal erklären. Es geht vielmehr um den Erhalt baukultureller Werte. Wir suchen zukünftig eine Architektur, die Energie spart, kostengünstig ist und gestalterische Ansprüche erfüllt».  

Zu Beginn der Veranstaltung bediente sich Stefan Cadosch, Architekt und Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereines SIA, eines Zitates von Norbert Röttgen, Mitglied des deutschen Bundestages und ehemaliger Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: «Ich glaube, dass die Architektur und die Ingenieursbaukunst, die ja ihrer Natur nach generationsübergreifend sind, einen wichtigen, gerade auch wichtigen kulturellen Beitrag dazu leisten, Gesellschaften vor Augen zu führen, dass es eine nachhaltige Zukunft gibt, und dass es unser aller Aufgabe ist, diese zu gestalten». Damit fasste er treffend zusammen, welcher Verantwortung Architektur und Gesellschaft zukünftig obliegen. Daniela Bomatter, Leiterin Geschäftsstelle EnergieSchweiz vom Bundesamt für Energie, formulierte die zukünftigen Aufgaben der Branche in ihrer Schlussrede: «Architektur und Effizienz müssen im guten Dialog stehen. Energieeffizienz ist für uns dabei unverzichtbar». 

Hier finden Sie alle Präsentationen des Tages zum Download.

Weiteres Bildmaterial steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Veranstalter

Energie Schweiz

Logo SIA

Impressum

Text: Morris Breuning, Faktor Journalisten 
Fotografie: Aissa Tripodi, Swissbau
Konzept und Koordination: IEU Kommunikation AG

Redaktion Swissbau

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