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Wir fordern aussagekräftige Titel für die höhere Berufsbildung

Publiziert am 07.04.2015 von Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizer Gewerbeverband sgv
Aussagekräftige Titel

Meinung Die Berufsbildung kämpft darum, gleichwertig zur akademischen Bildung behandelt zu werden. Gekämpft werden muss um ausgewogenere finanzielle Unterstützung und um aussagekräftige Titel für die Abschlüsse. Ich bin der Überzeugung, dass Titel wie Professional Bachelor und Professional Master wesentlich zur Gleichwertigkeit beitragen würden. 

Bereits seit 1994 forderte der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. Seit 2006 ist diese in der Verfassung festgeschrieben. Doch erreicht ist sie noch lange nicht. Die wiederholten Forderungen des sgv, mehr Geld für die Berufsbildung zu erhalten, tragen zwar langsam Früchte. Aber wenn es darum geht, die Vorzüge und Leistungen der Absolventen der Berufsbildung und der höheren Berufsbildung mit aussagekräftigen Titeln im Arbeitsmarkt zu positionieren – wie dies bei der akademischen Bildung gemacht wird –, ist noch viel Engagement und Einsatz für die Berufsbildung nötig.

Auf europäischer Ebene diskutiert man seit einigen Jahren über die Einführung von Qualifikationsrahmen. Diese teilen die Abschlüsse in acht Niveaus ein und entsprechend werden Titel vergeben. Da das Ausland in der Regel die höhere Berufsbildung nicht kennt, wird die gleiche Einteilung wie für akademische Abschlüsse verwendet: Generell wird ein Bachelor-Abschluss im Niveau 6 eingereiht. Das Niveau 7 entspricht einem Master und das Niveau 8 einem Doktortitel. Unsere Universitäten und Fachhochschulen haben diese Qualifikationsrahmen bereits 2009 ebenfalls eingeführt.

Junge Leute – und vor allem auch ihre Eltern – streben Titel an. Das ist gut so: Wir brauchen interessierte Berufsleute, die Karriere machen wollen. Unser Bildungssystem kennt auf der Tertiärstufe aber nicht nur die akademische Welt, sondern – mit fast gleich vielen Abschlüssen pro Jahr – auch die höhere Berufsbildung. Sie ist die Kaderschmiede für unsere KMU-Wirtschaft.

Die Abschlüsse der höheren Berufsbildung sind bekanntermassen auf hohem Niveau, praxisnah und sehr effizient. Darum beneidet uns das Ausland. In der Schweiz werden die Berufsbildung und die höhere Berufsbildung gerade von der Politik über den Klee gelobt. Doch entsprechende Titel sollen sich die hoch qualifizierten Absolventen der höheren Berufsbildung nicht geben dürfen.

Ich finde, das hat mit Gleichwertigkeit der Bildungswege nicht viel zu tun. Die Vorzüge der Berufsbildung und das zu Recht gute Image müssen sich auch in aussagekräftigen Titeln niederschlagen dürfen. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass wir auch für sie diese Titel verlangen. So soll in der englischen Übersetzung für den Abschluss einer höheren Fachschule im Niveau 6 der Professional Bachelor vergeben werden. Und wer einen Abschluss in der höheren Berufsbildung auf Niveau 7 erlangt, soll sich mit Professional Master im Arbeitsmarkt positionieren dürfen.

Der Bundesrat tut sich schwer, die Berufsbildung in dieser Frage gleichwertig dem akademischen Bildungsweg und entsprechend der effektiv erlangten Kompetenzen zu behandeln. Vorgelegt hat er bisher nur ungenügende Vorschläge, die die höhere Berufsbildung diskriminieren. Entgegen den Behauptungen wird diese durch die dauernde Ungleichbehandlung geschwächt anstatt gestärkt. Titel wie Professional Bachelor und Professional Master zeigen das hohe Niveau der Berufsbildung in der Schweiz und auch gegenüber dem Ausland auf. Wer dies nicht will, beweist meiner Meinung nach, dass er nichts von der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung hält.

Hans-Ulrich Bigler

Hans-Ulrich Bigler

Hans-Ulrich Bigler seit dem 1. Juli 2008 Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv. Der sgv ist der grösste Dachverband der Schweizer Wirtschaft. Hans-Ulrich Bigler hat Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bern studiert und sich im Rahmen des Executive Education Program an der Harvard Business School weitergebildet. Nebst seiner Tätigkeit beim sgv hat er zahlreiche weitere Mandate inne, unter anderem in der Bildungskommission der FDP des Kanton Zürichs, wo er kantonaler und eidgenössischer Delegierter ist.

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