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Geothermie findet im Glashaus der Öffentlichkeit statt

Publiziert am 25.02.2014 von Michael Sonderegger, Abteilungsleiter Geothermie Sankt Galler Stadtwerke
Geothermieprojekt St. Gallen

Meinung Geothermieprojekte sind komplex, schwierig zu verstehen und emotional bewegend. Zwar scheinen die Verantwortlichen die technischen Aspekte kalkulieren zu können, doch bekunden sie oft Mühe im Umgang mit den direkt Betroffenen. Dabei ist der Dialog mit diesen Gruppen ebenso sorgfältig zu gestalten wie das technische Projekt. 

In der Stadt St. Gallen wurde darum der Kommunikation von Beginn weg ein hoher Stellenwert beigemessen. Nach dem Grundsatz «wahr – klar – offen – transparent – zeitgerecht» begleiten Kommunikationsmassnahmen das Projekt bis heute.

Begonnen wurde die Kampagne bereits lange vor der Volksabstimmung zum Projektkredit in einer Zeit, da für viele Menschen der Begriff Geothermie noch unbekannt war. Mit einer emotionalen «Reise in die Tiefe» an der OLMA 2009 wurde die Bevölkerung auf das Thema vorbereitet. Im gleichen Jahr führte die Stiftung Risiko-Dialog eine Befragung zu den Ängsten und Befürchtungen in Bezug auf die Geothermie und zur Wahrnehmung der Erdwärme durch.

Im Jahr 2010 – kurz vor dem Start der seismischen Messungen – folgte im Werkhofareal der Sankt Galler Stadtwerke der Tag der Seismik, der von 1300 Personen besucht wurde.

All diese Aktionen haben gezeigt, dass die Risikodiskussion das zentrale Thema bei solchen Projekten ist. Trotz der Faszination der Technik, die in der Kommunikation viel hilft, bleibt das Risiko Thema Nummer 1. 

Risikodiskussionen können nicht primär über Medienarbeit geführt werden. Es braucht dialogischere Formen wie Führungen, Ausstellungen, Referate und Einzelgespräche. Medienkonferenzen und Webseiten sind unterstützende Mittel der Kommunikationsarbeit.

Wichtig für den Erfolg ist auch der Dialog innerhalb des Projektteams. Nur wenn die Projektspezialisten und die Kommunikationsfachleute gemeinsam um die Dialoglösung ringen, wird die Kommunikation wahr und transparent. Dieser auf den ersten Blick mühsame Weg zahlt sich vor allem dann aus, wenn das Projekt nicht planmässig verläuft. Der Beweis ist das Vertrauen der St. Galler Bevölkerung, das den Verantwortlichen auch nach dem Erdbeben entgegengebracht wird.

Co-Autor: Urs Weishaupt, Kommunikationsberater Sankt Galler Stadtwerke

Michael Sonderegger

Michael Sonderegger

MSc ETH Erdw. Michael Sonderegger ist seit 2011 bei den Sankt Galler Stadtwerken als Projektleiter beschäftigt und leitet dort seit Anfang 2014 die Abteilung Geothermie. Als zuständiger Projektleiter der 3D-Seismik-Messkampagne sowie der Tiefbohrung St.Gallen arbeitet er seit 2009 für das Geothermie-Projekt St.Gallen. Daneben ist Michael Sonderegger auch in weiteren Geothermie- und Explorationsprojekten in der Schweiz als Bauherrenberater und Projektmanager tätig.

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