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Energiestrategie 2050 - Taten statt Grundsatzdebatte im Baubereich

Publiziert am 18.02.2014 von Adrian Altenburger, Verwaltungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung Amstein+Walthert AG Zürich
Swissbau Focus Arena Energiestrategie 2050

Meinung In der Swissbau Focus Arena vom 23. Januar 2014 mit dem Titel «Energiestrategie 2050 - Schlüsselbranche Bau?» wurde heftig über den ideologischen Grundsatz der Energiestrategie diskutiert. Während die belebte Debatte beim Publikum grossen Anklang fand, bin ich persönlich der Meinung, es wäre wertvoller gewesen, die Potenziale und operativen Schritte im Gebäudebereich konkret zu benennen. 

Dass der Gebäudebereich und dabei insbesondere der Gebäudebestand energetisch eine gewichtige Rolle darstellt, war aufgrund der allgemein bekannten und klaren Datenlage unbestritten. So war zumindest allen bewusst, dass der Bau eine Schlüsselbranche der Energiewende ist. Die wichtige Frage, welche Schritte notwendig sind, um die Zielerreichung adäquat voranzutreiben, blieb die Diskussion dem Zuschauer aber schuldig.

Es ist klar, dass die Gebäudehülle und die Gebäudetechnik unterschiedliche Lebenszyklen aufweisen und selten gleichzeitig eine Erneuerung ansteht. Im Weiteren ist auch anerkannt, dass Gesamtsanierungen von Immobilien kostenintensiv sein können und viele Eigenheimbesitzer finanziell überfordern. In vielen Fällen ist es auch so, dass die Besitzer von sanierungsbedürftigen Gebäuden altersbedingt für sich selber keinen Mehrwert mehr sehen.

Vor diesem Hintergrund drängt sich bei der energetischen Modernisierung von Immobilien ein modulares Vorgehen in Teilschritten auf, welches auf einer langfristigen Gesamtstrategie basiert. Um letztere definieren zu können, ist aber zunächst eine entsprechende Analyse über alle Teilsysteme einer Immobilie notwendig.

Die Erfahrung zeigt, dass alleine mit einer fundierten Analyse und sogenannten Betriebsoptimierungen (Anpassung des Betriebs der Gebäudetechnik an die effektiven Bedürfnisse) ein erster Schritt mit relativ grosser Wirkung realisiert werden kann. In der Regel ist es möglich, den Energiebedarf um 15 - 30% zu reduzieren – und dies mit vergleichbar bescheidenem Aufwand und Paybackzeiten von weniger als 2 Jahren. Gemäss der 20:80-Regel lassen sich mit der Umsetzung von 20% der anstehenden Sanierungsmassnahmen in der Regel bereits 80% des möglichen Einsparpotenzials erschliessen, insbesondere mit Massnahmen zur Betriebsoptimierung.

Also, hören wir damit auf, ständig nur über die Schwierigkeiten zu sprechen, welche uns bei der Transformation des Gebäudeparks begegnen. Sondern lasst uns dafür sorgen, dass die Hausaufgaben (Analyse) und die ersten Schritte im Sinne der 20:80-Regel (Betriebsoptimierung) getan werden. Und nehmen wir den Eigentümern das Gespenst der finanziellen Überforderung durch kompetente Information und eine Langzeitplanung.

Payback Betriebsoptimierungen

Auswertung der Paybackzeiten und Energiekosteneinsparungen bei 26 Objekten
Quelle: Amstein+Walthert AG

Adrian Altenburger

Adrian Altenburger

Dipl. HLK-Ing. HTL Adrian Altenburger ist Partner/Verwaltungsrat und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Amstein+Walthert AG in Zürich. In seiner Funktion als Bereichsleiter ist er zuständig für die konzeptionelle Beratung und Projektsteuerung für Bauherren, Investoren und Gebäudebetreiber in Fragen der Gebäudetechnik und Energieeffizienz. Adrian Altenburger ist zudem Präsident des SIA-Fachrats Energie.

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