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Swissbau Focus Arena: Bildung für die Bauwirtschaft - Wer baut die Schweiz von morgen?

Publiziert am 21.01.2014 von Redaktion Swissbau
Arena
Eventreport Swissbau Focus Arena: Bildung für die Bauwirtschaft - Wer baut die Schweiz von morgen?, 21. Januar 2014, 16.00-17.00 Uhr, Messe Basel

v.l.n.r.: Stefan Cadosch, SIA; Peter Schilliger, Nationalrat, suissetec; Franz Fischlin, Moderator; Margrit Stamm, Forschungsinstitut SWISSEducation; Daniel Büchel, EnergieSchweiz


Bildung für die Bauwirtschaft ist eines der vier Schwerpunktthemen der diesjährigen Swissbau. An der ersten Swissbau Focus Arena von Dienstagabend diskutierten Vertreter aus der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft unter der Leitung von Moderator Franz Fischlin über die Gründe für den Fachkräftemangel und wie sich dieser beheben lässt.

Volle Auftragsbücher und eine hohe Nachfrage: Die Schweizer Bauwirtschaft erlebt einen Boom und dies seit Jahren. Aber der Baubranche fehlt es an qualifiziertem Personal. Insbesondere Praktiker für das Bauhandwerk und Fachkräfte mit Kompetenzen für die Umsetzung der gesetzten energetischen Ziele sind Mangelware. Ein möglicher Grund ist das schlechte Image der Bauberufe: Immer mehr Jugendliche bevorzugen die Mittelschule anstelle beispielsweise einer Lehre als Maurer oder Elektriker. Während die Zahl akademisch ausgebildeter Architekten steigt, fehlt es an Fachleuten mit praktischen Fähigkeiten. Für Margrit Stamm, Leiterin des Forschungsinstituts SWISSEducation und emeritierte Ordinaria für Erziehungswissenschaften an der Universität Fribourg, heisst die Lösung: Weniger klagen und selbstkritisch verändern. Für sie liegt der Handlungsbedarf auf einer Skala von 1 («Alles im Griff») und 10 («Feuer im Dach») dennoch bei 8.5: «Der Fokus muss dabei auf der jungen Generation liegen.» Auch Daniel Büchel, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie BFE, sieht mit 8.0 einen dringenden Handlungsbedarf. «Neue Fachleute sind angesichts der anstehenden Aufgaben im Energiebereich gefragt.» Etwas weniger dramatisch schätzen die Lage Stefan Cadosch, Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA (bei 6 bis 7 Punkten auf der obigen Skala) und Peter Schilliger, Nationalrat FDP und Zentralpräsident von suissetec (6.0 Punkte auf der Skala) die Lage ein. Die Quantität ist laut Schilliger da, «aber es fehlt die Qualität». Aber auch für ihn ist klar, dass gehandelt werden muss. «Die Bildungsseite muss sich besser auf den Markt abstützen», so Schilliger. Und für Stefan Cadosch steht die Aus- und Weiterbildung im Energiebereich an erster Stelle: «Im Hinblick auf die Raumplanung und die Energiestrategie 2050 besteht bereits heute ein massiver Mangel an Fachkräften».

Gründe für das schlechte Image der Bauberufe und des Handwerks wurden im Laufe der Diskussion verschiedene genannt. Für Peter Schilliger liegt es in der gesellschaftlichen Bewertung der Berufslehre auf dem Bau gegenüber derjenigen im Büro. Margrit Stamm erwähnte den Trend zur Akademisierung und den hohen Imagefaktor, den die Berufswahl bei Jugendlichen hat: «Maurer sein ist nicht sexy». Der Verzicht auf ein Praxisjahr als Voraussetzung für ein Studium an einer Fachhochschule sei in dieser Hinsicht ein Sargnagel für die Berufsbildung. «Praktische Vorkenntnisse für ein Studium an einer Fachhochschule im Baubereich sind zwingend», so Schilliger. Für Christian Zimmermann, Studiengangleiter Bachelor Architektur Hochschule Luzern - Technik & Architektur, fängt der Trend zur Akademisierung bereits in der Volksschule an: «Schon hier steht die Förderung der akademischen Fähigkeiten im Vordergrund». Mit der Architekturausbildung an der Fachhochschule Luzern, die auf den Kenntnissen eines Hochbauzeichners aufbaue, würden sie sehr gute Erfahrungen machen.

Imagekampagnen wie sie beispielsweise der Schweizerische Baumeisterverband oder suissetec in den letzten zwei Jahren lanciert haben, können laut Daniel Lehmann, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbandes, durchaus ihren Teil zu einer Steigerung der Lehrlingszahlen im Bauwesen beitragen. Doch diese reichen nach Ansicht von Christoph Andenmatten, Direktor der Schweizerischen Metall-Union SMU, nicht aus: «Es muss ein Wertewandel stattfinden, denn die Akademisierung findet auch in den Köpfen der Eltern statt». Oft fehle das Wissen, dass Bauberufe hochqualifizierte Jobs seien: Der Dualausbildung fehle ein klares Profil. «Wir brauchen gute Leute», betonte auch Andy Weber, Fachlehrer für Metallbau, Stellvertretender Rektor und Abteilungsleiter Bau, Elektro- und Metallberufe an der GIBM, «um diese zu bekommen, laden wir Sekundarlehrer und -lehrerinnen an unsere Schule ein und zeigen, was wir machen». Für Ulrich Weidmann, Vorsteher Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich, geht es bei der Frage nach Studium oder Lehre nicht darum, ob etwas richtig oder falsch sei: «Das gewünschte Profil steht dabei im Vordergrund.» 

Fazit der Diskussion: Gefordert sind seitens der Verbände Visionen für einen Masterplan in der Aus- und Weiterbildung für Baufachleute bis 2020, das Sprechen und Handeln der Baubranche mit einer Stimme und neue Vorstellungen für ein Berufsleben, in dem man nicht Jahrzehnte den einmal erlernten Beruf ausüben wird.



Weiteres Bildmaterial zur Swissbau Focus Arena «Bildung für die Bauwirtschaft - Wer baut die Schweiz von morgen?» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Peter Schilliger, Nationalrat,
Zentralpräsident suissetec
Stefan Cadosch, Präsident Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein SIA
Margrit Stamm, Leiterin Forschungsinstitut SWISSEducation
Daniel Büchel,
Programmleiter EnergieSchweiz

Sendung in voller Länge


Swissbau Nachgefragt 

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Peter Schilliger, Nationalrat, Zentralpräsident suissetec
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Margrit Stamm, Leiterin Forschungsinstitut SWISSEducation

Veranstalter

Logo_Swissbau


Impressum

Text: Jutta Glanzmann, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG

Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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