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Gebäudetechnik: Turbo der Energiewende

Publiziert am 23.01.2014 von Redaktion Swissbau
Gebäudetechnik: Turbo der Energiewende
Eventreport - Gebäudetechnik: Turbo der Energiewende, 23. Januar 2014, 09.30-11.00 Uhr, Messe Basel

Fast die Hälfte des Schweizer Energiebedarfs wird von Gebäuden verursacht. Die Gebäudetechnik hat massgeblichen Einfluss darauf, ob die Energieziele 2050 erreicht werden. Beim Themenanlass wurde in Frage gestellt, in wie fern die Gebäudetechnik zur Energiewende beitragen, und was sie dazu von der Automobilbranche lernen kann.

Nach der Begrüssung durch Adrian Grossenbacher vom Bundesamt für Energie erläuterte Marco Piffaretti, Managing Director der Firma Protoscar SA, die Gemeinsamkeiten von Automobil- und Bau-Branche. Das Potential der Gebäude-Automation stand im Zentrum der Betrachtungen des grün-liberalen Nationalrates Jürg Grossen. Am Schluss des Themenanlasses diskutierte die erweiterte Expertenrunde im Podium mit Moderator Beat Giger die Turbo-Funktion der Gebäudetechnik.

«Jedes Gebäude ist ein massgeschneidertes Objekt, welches seinem Zweck und dem der Benutzenden dienen soll», stellt Adrian Grossenbacher gleich zu Beginn der Veranstaltung klar. Insofern braucht ein Gebäude nicht mehr, sondern klüger eingesetzte Technik.

Marco Piffaretti weiss aus der Automobilbranche, wie stark der Einfluss gesetzlicher Rahmenbedingungen auf die Entwicklung und Vermarktung neuer Technologien ist – vor allem, wenn es um viel Geld geht. Fahrzeughersteller müssen innert 10 Jahren ihren Verbrauch um ein Drittel senken. Für jedes zu viel ausgestossene Gramm CO2 werden sie dann Bussen von ungefähr 100.-- zahlen, in Summe Milliardenbeträge. Das hat in der Produktion zu einem verstärkten Augenmerk auf Energieeffizienz und Treibstoffbedarf geführt: allein dieses Jahr gibt es am deutschen Markt 16 neue E-Mobile. Ein ähnliches Buss-System würde auch bei Gebäuden die Entwicklung und den Einsatz effizienter Systeme vorantreiben. Hier kann die Gebäudetechnik von der Automobilbranche lernen. Andererseits hofft Piffaretti, dass sich die Fahrzeughersteller von der Bauindustrie etwas abschauen: Bislang wird nur der Treibstoffverbrauch eines Autos betrachtet, graue Energie wird vernachlässigt. Im Bau gibt es schon die Berücksichtigung der Effizienz und der CO2 Emissionen über die ganze Kette. Wunschziel ist die Energiebedarfskalkulation «from well to wheel». Ein weiterer Berührungspunkt der beiden Branchen sind Energiespeicher. Erneuerbare Energie muss zwischengespeichert werden. Die benötigte Speichergrösse und -dauer ergänzt sich mit den Bedürfnissen eines E-Mobils. Eine Batterie ist «ein kleiner Stausee zu Hause» und gehört – wie auch die Leerverrohrung für die Autoladestation – in jeden Neubau.

Nationalrat Jürg Grossen vergleicht Gebäude lieber mit dem Menschen. Die Gebäudehülle stellt die Haut dar, die Elektroleitungen das Nervensystem, die Automation das Hirn. Letztere steht im Zentrum der Energieeffizienzsteigerung. Allein durch den intelligenten Einsatz von Gebäudetechnik können 50% Strom eingespart werden. Mit Tageslichtfühlern und automatischer Storensteuerung kann auf 80% des künstlichen Lichts verzichtet werden. Beschattet man genau die Fassade, die direkt von der Sonne beschienen wird, können solarer Wärmeeintrag und Blendung vermieden werden. Gleichzeitig kommt auf den anderen Gebäudeseiten ausreichend Tageslicht in die Räume. Komfort und Energieeffizienz bilden daher eine Symbiose, und die Gebäudetechnik hat die Schlüsselrolle. Damit die maximale Effizienz erreicht wird, muss schon in der Projektierung angesetzt werden. Bauherr, Architekt, IT, HLKS-Planer und Elektroplaner müssen gemeinsam festlegen, wie das Gebäude platziert und beschattet werden soll, welche Materialien und Geräte gewählt werden und wie Betriebsabläufe zu optimieren sind. «Man schafft beim Planen schon sehr viel für die ganze Lebensdauer.»

In der abschliessenden Podiumsdiskussion herrschte Einigkeit, dass die Gebäudetechnik die Energiewende vorantreiben kann und soll. Lediglich die Fragen «Wie?» und «Wie schnell?» spalteten die Gruppe. Markus Weber, Präsident Fachverein Gebäudetechnik und Energie SIA FGE, hielt daran fest, dass nur eine ganzheitliche Betrachtung zum Ziel führt, der FDP-liberale Nationalrat Peter Schilliger hingegen, geht davon aus, dass Private sich das nicht leisten können und Einzelmassnahmen besser wären. Sein Nationalrats-Kollege Grossen warf in der Diskussion ein neues Problem auf: Investiert ein Eigentümer in effiziente Gebäudetechnik, profitieren die Mieter durch niedrigere Energiekosten mehr als der Investor selbst. «Dafür habe ich noch kein Rezept gefunden.» René Senn, stellvertretender Geschäftsleiter der GNI, brachte den Konsens seiner Vorredner auf den Punkt: Die Gebäudetechnik kann Turbo sein. Unsere Gesellschaft muss mehr über gelungene Projekte sprechen um das Positive hervorzuheben, mit einem guten Image geht es noch schneller voran.

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Gebäudetechnik: Turbo der Energiewende» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Jürg Grossen,
Nationalrat
Adrian Grossenbacher, Bereichsleiter
Gebäude EnergieSchweiz, BFE
Marco Piffaretti,
Geschäftsführer Protoscar SA


Präsentationen der Veranstaltung «Gebäudetechnik: Turbo der Energiewende»

Präsentation von Adrian Grossenbacher


Präsentation von Jürg Grossen


Präsentation von Marco Piffaretti


Veranstalter

Energie Schweiz 

GNI 

fge abe sia

Logo KGTV


Impressum

Text: Nina Egger, Tec21
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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