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Energie aus dem Erdreich für die Wärmeversorgung der Zukunft

Publiziert am 23.01.2014 von Redaktion Swissbau
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Eventreport - Energie aus dem Erdreich für die Wärmeversorgung der Zukunft, 23. Januar 2014, 13.30-15.00 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r.: Balz Halter, Halter AG; Claude Minder, EBL; Martina Schlatter, Stadt Staufen im Breisgau; Isaac Reber, Regierungsrat BL; Urs Steiner, EBL; Markus Häring, Geo Explorers

Ein Drittel des inländischen Energiekonsums wird für Heizen und Warmwasser beansprucht. Mit der oberflächennahen Erdwärme steht eine riesige Quelle für die nachhaltige Wärmeversorgung von Gebäuden zur Verfügung. Der Themenanlass der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) und der Geo-Energie Suisse AG zeigte auf, wie realitätsnah diese Form der Energieernte bereits ist.

99 Prozent der Erde sind heisser als 1'000 Grad Celsius. Und bereits in den oberflächennahen Schichten ab 20 Metern Tiefe bleiben die Temperaturen das ganze Jahr konstant. Geologen, Energieversorger und Bauinvestoren glauben daher, dass dieser regenerierbare Rohstoff künftig noch stärker zu nutzen ist. Das Erdreich dient aber nicht nur als Energielieferant sondern auch als Speicher. Die intelligente Bewirtschaftung von Wärme ist deshalb eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende. 

«Die Erde unter unseren Füssen ist eine unerschöpfliche Energiequelle. Die nachhaltigste Wirkung erreichen wir, wenn alle Gebäude damit versorgt werden», hofft Markus Häring, CEO der Geo Explorers Ltd. In seinem Referat über das Potenzial der Erdwärme zeigte er auf, dass oberflächennahe Bodenschichten Wärme abgeben und ebenso für die saisonale Speicherung zur Verfügung stehen. «Wird im Sommer Wärme aus den Gebäuden oder Sonnenenergie über Erdsonden in den Boden abgeleitet, erwärmt sich das Gestein bis auf 21 Grad Celsius.» Im Winter läuft der Energiefluss umgekehrt; das warme Erdreich wird für den Heizbetrieb abgezapft. Um diese aufladbare Energiequelle im breiten Rahmen verfügbar zu machen, «braucht es eine intelligente Bewirtschaftung, etwa in einem eigenen Wärmenetz», zeigte der bekannte Baselbieter Geologe dem zahlreich erschienen Publikum am Themenanlass von der EBL und der Geo-Energie Suisse AG auf.

Dass solche Systeme keine Zukunftsvisionen mehr sind, wusste Claude Minder, Abteilungsleiter Wärmecontracting der EBL, zu berichten: «Wir sind daran, die gesamte Region um Pratteln und benachbarte Regionen energetisch zu vernetzen.» Zugleich werde die Nutzung von Erdwärme mit Wärmepumpen kräftig ausgebaut. «Vor allem bei Heizungssanierungen besitzen wir Ausbaupotenzial», so Minder. Im Vergleich zu Öl und Gas sei Erdwärme in Zukunft ein preisgünstiger Rohstoff. «Zudem lässt sie sich für die Wärmeversorgung und die Kühlung verwenden.» In der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Fernsehmoderator Beat Giger ergänzte Balz Halter, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Halter AG, dass Neubauareale auch in Zürich fast ebenso selbstverständlich derart ökologisch versorgt werden. 

Der Vorteil der Erdwärmenutzung ist Halter zufolge folgender: «Der Energiekonsum wird kalkulierbar und neue Netze und Speicher rechnen sich mittelfristig auch ökonomisch.» Urs Steiner, Geschäftsleiter der EBL, bestätigte seinerseits, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie weder blauäugig erfolge noch auf politische Vorgaben angewiesen sei. «Öl und Gas sind out, innovative Lösungen dagegen ein Muss.» Dass es dafür auch Risiken in Kauf zu nehmen gilt, hat jedoch Martina Schlatter, Stadtbaumeisterin der deutschen Stadt Staufen erfahren: «Weil eine Erdsonde undicht war, begann der Boden aufzuquellen.» Seither haben viele Häuser in der Stadt Risse erhalten. «Und vorerst wird die Erdwärmenutzung bei uns nicht weiter ausgebaut», sagte Schlatter.

Obwohl die oberflächennahe Erdwärmenutzung grundsätzlich nicht derart gefährlich sein kann wie die Tiefengeothermie, sind sich die Fachspezialisten möglicher Gefahren aber bewusst. Geologe Häring hat daraufhingewiesen, dass «wir immer noch lernen müssen». Und EBL-Bereichsleiter Minder bestätigte seinerseits, dass «im Untergrund immer mit Überraschungen zu rechnen sei». Eine Frage aus dem Publikum brachte jedoch auf den Punkt, was den künftigen Ausbau der Erdwärmenutzung besonders lohnenswert macht: «Wenn wir das Energieangebot aus dem Boden stärker nutzen und dafür Gebäude etwas weniger dämmen, holen wir bezüglich Energieeffizienz am meisten raus.»

Weiteres Bildmaterial zur Veranstaltung «Energie aus dem Erdreich für die Wärmeversorgung der Zukunft» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Claude Minder, Abteilungsleiter
Wärmecontracting Elektra Baselland EBL
Urs Steiner, Geschäftsleiter
Genossenschaft Elektra Baselland EBL
Markus Häring,
CEO Geo Explorers
Balz Halter, Inhaber und
Verwaltungsratspräsident Halter AG
Martina Schlatter,
Stadtbaumeisterin Stadt Staufen im Breisgau


Präsentationen der Veranstaltung «Energie aus dem Erdreich für die Wärmeversorgung der Zukunft»

Präsentation von Claude Minder, Abteilungsleiter Wärme EBL


Energie aus dem Erdreich für die Wärmeversorgung der Zukunft

Präsentation von Markus Häring, CEO Geo Explorers


Veranstalter

Geo Energie Suisse      Logo ebl


Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten 
Interviews: Peter Basler
Kamera: Adrian Baumann, TVision
Schnitt: Adrian Hedinger, TVision
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG


Redaktion Swissbau

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