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Nicht mehr Kleckern, sondern Klotzen

Publiziert am 05.11.2013 von Reto Miloni, dipl. Architekt ETH SIA
Fassade

MeinungSolarzellen waren lange leistungsschwach, Module klein und die Systemkosten dafür hoch. Mit dem Klimawandel, dem Siegeszug der Photovoltaik, steigenden Energiepreisen und fallenden Kosten für solar erzeugten Strom ist ein Verzicht auf Solarfassaden nicht mehr begründbar: BIPV (Building integrated Photovoltaic Systems) heisst hier der rasch wachsende Zukunftsmarkt. 

In der Schweiz entstehen jährlich knapp 15 Millionen m2 Fassaden – davon wären 20% oder 3 Millionen m2 für BIPV geeignet. Pro installiertes Kilowatt auf 6 m2 Fassadenfläche könnten damit jährlich 500 MWp in Fassaden entstehen und ein Atomkraftwerk Mühleberg mit 373 MWp/Jahr substituieren. In 7 Jahren wäre - bei jährlicher Solarstromproduktion von 700 kWh/kW - die von Mühleberg ans Netz abgegebenen 2.6 TWh/Jahr glatt kompensiert. 

Statt das Abschalten gefährlicher Atommeiler weiter hinauszuzögern sollten wir BIPV im grossen Stil auf Fassaden bringen!

Noch herrschen leider bezüglich Photovoltaik-Technologie bei einigen Zielgruppen Wissenslücken: Kaum bekannt ist etwa, dass kundenspezifisch konstruierte Photovoltaik-Fassaden als Doppelglasmodule oder Isoliergläser in vielen Farben und Grössen nicht nur erhältlich sondern sogar rentabel sind – auch weil sie bis zu 100 kWp Leistung von der Kostendeckenden Einspeisevergütung profitieren.

Solarstrom eignet sich dabei nicht nur für Licht, Antriebe von Motoren oder Computern, sondern auch als «Brennstoff» zum Heizen oder als «Treibstoff» für Elektromobilität. Ab Stromkosten von 15 Rappen pro kWh und Wärmepumpen-Jahresarbeitszahlen von 4 bis 5 betragen die «Brennstoffkosten» solar betriebener Wärmepumpen noch 3 bis 4 Rappen: Da hält keine Öl- oder Gasheizung mit. Mit der auf 30 m2 erzeugten Solarenergie fährt ein Elektroauto rund 20'000 Kilometer weit.

Noch rangiert die Schweiz im Vergleich zum europäischen Ausland auf Platz 15 bei der installierten Photovoltaik-Leistung pro Kopf. Es wird Zeit, dass wir mit unserer hoch angesiedelten Fassadentechnik und durch unseren Zugang zu günstigem Kapital die Solarstromproduktion unseres Gebäudeparks auch auf Fassaden ausdehnen.

Reto Miloni

Reto Miloni

Reto P. Miloni ist dipl. Architekt ETH SIA. Das Büro Miloni & Partner in Wettingen existiert als unabhängiges Planungs- und Architekturbüro seit 1994 und unterstützt die Kunden im Bereich Energiekonzepte und Architektur. Für seine Bauten mit Passivhaussystem und ausgeklügelter Nutzung der Solarenergie hat Reto Miloni bereits zahlreiche Preise gewonnen.

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