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Die Energiewende – was sie uns wirklich kostet

Publiziert am 23.04.2013 von Stefan Batzli, Geschäftsführer der AEE SUISSE Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz
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Meinung Die Vernehmlassung zur Energiestrategie 2050 ist abgeschlossen. Die Marschrichtung für den Umbau unseres Energiesystems hat sich damit weiter konkretisiert. Die Frage, die viele umtreibt, lautet: Was wird die Energiewende uns kosten? Klar ist, sie ist nicht gratis zu haben, übrigens genau so wenig wie neue Gaskraftwerke oder der Bau neuer Atomkraftwerke.

Sicher ist: Energie kostet. Das gilt für erneuerbare Energien genauso wie für fossile und nukleare Energieträger. Während aber Atom- und Gaskraftwerke ständig mit teuer importierten Brennstoffen befeuert werden müssen, fallen bei erneuerbaren Energieanlagen nur Kosten für die Errichtung und den Betrieb an. Doch 2012 stieg der Anteil der aus dem Ausland bezogenen Energie auf 79,3 Prozent, während nur 19 Prozent aus heimischen erneuerbaren Quellen stammten.

Sicher ist auch: Der Umbau unseres Energiesystems wird – auf den ersten Blick – gewaltige Investitionen erfordern: von 40 Milliarden (BFE) bis 100 Milliarden und mehr (VSE) ist alles zu hören. Eine grosse Zahl, unbestritten. Legt man sie aber auf die rund 40 Jahre bis 2050 um, stehen wir vor jährlichen Investitionskosten von 1 bis 2.5 Milliarden Franken. Im Vergleich: Der Schweizer Bund zahlt beispielsweise jährlich 5 Milliarden Franken für die Landesverteidigung oder die Schweizer Bevölkerung gibt 8 Milliarden für den Konsum alkoholischer Getränke aus.

Das Vorhaben, unser Energiesystem innert 40 Jahren grundlegend umzubauen, braucht gezielte Impulse. Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) steht das wirksamste Instrument bereit, diese Investitionen auszulösen, ohne das Gemeinwesen zu überfordern.

Die KEV ist anderen Fördersystemen überlegen, weil sie kein Fass ohne Boden ist, sondern die Vergütungen für neue Anlagen von Jahr zu Jahr sinken, weil sie keine staatliche Subvention, sondern ein verursachergerechter Zuschlag auf den effektiven Stromverbrauch ist, weil die Mehrkosten von heute tiefere Energiekosten und mehr Versorgungssicherheit in der Zukunft garantieren.

Mit dem Entscheid des Nationalrates, die KEV vorgezogen zu revidieren und ihr mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, hat die Energiewende zusätzlichen Schub erfahren. Die massvolle Erhöhung der KEV-Zuschläge von heute 0,45 Rp./kWh auf 1,5 Rp./kWh bis 2014 - dies entspricht nur gerade 20 Prozent der vergleichbaren deutschen EEG-Umlage - schafft die Grundlage, um alle Wasserkraft-, Windenergie-, Geothermie- und Biomasse-Projekte sowie die Hälfte der Photovoltaikprojekte, die derzeit auf der KEV-Warteliste blockiert sind, zu realisieren. Übrigens: 1.5 Rp./kWh bedeutet für den einzelnen Haushalt eine jährliche Mehrbelastung von 60 Franken!

Stefan Batzli

Stefan Batzli

Stefan Batzli hat Politik- und Sozialwissenschaften studiert. Seit 2010 führt er die AEE SUISSE Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Als Branchendachverband vertritt die A EE die Belange der Unternehmen, die mit wirksamen und innovativen Energielösungen die Grundlagen für nachhaltiges Leben und Wirtschaften schaffen.

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