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Das Gebäude als Kraftwerk

Publiziert am 19.01.2012 von Redaktion Swissbau
Gebaeude als Kraftwerk
Eventreport - Gebäude als Kraftwerk 19.1.2012, 12.30-14.00 Uhr, Messe Basel

Bild: v.l.n.r.: Axel Simon, Moderator, Dr. iur. Jürg Hofer, Leiter Amt für Umwelt und Energie BS, Thomas Jäggi, EES Jäggi-Bigler AG

Die meisten Häuser verschwenden immer noch viel Energie. Am Themenanlass im Swissbau Focus wird dagegen das energetisch unabhängige Haus gefordert. Politiker und Fachleute halten das Kraftwerk-Gebäude für unerlässlich. Und auch die Baukultur werde nicht darunter leiden, betont der Heimatschutzvertreter.

Mit welch grossem Potenzial die erneuerbaren Energien locken und wie günstig die Perspektiven zum verstärkten Einsatz im Gebäudebereich sind, hat der erste Teil des Themenanlasses «Gebäude als Kraftwerk» deutlich gemacht: «Einzelne Gebäude, ganze Dörfer und sogar grössere Regionen versorgen sich bereits zu 100 % mit erneuerbarer Energie», erzählt Peter Droege, Präsident von Eurosolar und Professor an der Universität Lichtenstein. Und noch zahlreicher sind die Beispiele, die diesen Schritt in der Schweiz, Europa, den USA, in China oder Australien ebenfalls wagen. Die ineffiziente Nutzung und die zentralisierte Versorgung mit fossiler Energie werden fallen gelassen und zugunsten «eines neuartigen Systems eingetauscht: Erneuerbare Energie wird dezentral und vor Ort – lokal und regional – verfügbar gemacht», fasst der Uniprofessor zusammen. Quellen habe es genug: Sonne oder Wind liefern ein Vielfaches an Energie, was aktuell im Gebäudepark und im Verkehr benötigt wird. «Eine Vollversorgung der Gebäude sollte – dank den unglaublichen technischen Fortschritten – bis ins Jahr 2050 möglich sein», hofft Droege und lädt dazu ein, seinen Optimismus zu teilen: «Der Klimawandel lässt uns auch gar keine andere Wahl».

Mit Sonne ein Fünftel des Strombedarfs

Der Nachredner, Christian Renken, ist bereits angesteckt: «Die Schweizer Solarbranche hat sich das Ziel gesetzt, bis 2025 einen Fünftel des inländischen Bedarfs mit Solarstrom abzudecken», formuliert der Chef von 3S Photovoltaics aus Lyss. Zwar sind dafür über zehnmal mehr Solaranlagen pro Jahr zu installieren wie bisher. «Doch nicht einmal die Hälfte der verfügbaren Flächen an Dach und Fassaden aller Gebäude reicht aus», rechnet Renken vor. Seine Firma ist an vorderster Front mit dabei; und will auch qualitative Massstäbe setzen: «Die Energienutzung und neue Materialien werden die Gebäude verändern.» Dank einheitlicher Systeme und integrierbarer Komponenten fällt die solare Architektur immer weniger auf - «und wirkt auch nicht exotisch», ist 3S-Head Renken überzeugt.

Vorschriften und Fördergelder

Den zweiten Teil bestritt eine Diskussionsrunde, welche den Konsens weitgehend bestätigt: Die Energiewende hat den Gebäudebereich erreicht. Angesichts sinkender Preise für Solaranlagen ist Thomas Ammann vom Hauseigentümerverband Schweiz zuversichtlich, dass es der Markt alleine richten kann. «Ein Zwang zur Installation von Solaranlagen würde nur Widerstände auslösen.» Jürg Hofer, Leiter Amt für Umwelt und Energie im Kanton Basel-Stadt, hat gegenteilige Erfahrungen gemacht. Im Basler Halbkanton wurde eine Mindestquote für erneuerbare Energien eingeführt. «Ohne grosse Diskussionen, dafür mit wachsender Nachfrage nach Sonnenkollektoren», führt der Amtsleiter aus. Der grünliberale Bündner Nationalrat Josias Gasser ergänzt, dass die Anreize für Hausbesitzer trotzdem zu erhöhen seien. «Wir müssen auf nationaler Ebene mehr Fördergelder zur Verfügung stellen.»

Einheitliche Regeln

«Tatsächlich ist die Politik gefordert, verbindliche Regeln für Solaranlagen einzuführen», verlangt Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutzes. So soll die Bewilligungspraxis der Kantone vereinheitlicht und drohender Wildwuchs verhindert werden. Grundsätzlich gebe es gegen innovative Technologien und Energie erzeugende Häuser nichts einzuwenden. «Wir bauen heute die Heimat von morgen. Neues darf einen Platz beanspruchen», will sich Schmid dem «fälligen Wandel im Gebäudebestand» nicht entziehen. Einzige Ausnahme: Die geschützten Objekte und Baudenkmäler bleiben verschont.

Dass die Widerstände im Inland gering sind, die dezentrale Energieerzeugung auszubauen, freut insbesondere Patrick Hofer-Noser, Präsident Cleantech Switzerland und CEO 3S Photovoltaics: «Wir brauchen einen starken Heimmarkt, um die Produkte für den Export auszutesten.» Aber die Schweiz hat durchaus Nachholbedarf: «Die grössten gebäudeintegrierten Solarprojekte haben wir bisher im Ausland realisiert.»

Weiteres Bildmaterial zum Themenanlass «Das Gebäude als Kraftwerk» steht in der Bilddatenbank der Swissbau zur Verfügung.


Videointerviews

Prof. Peter Droege, Nachhaltige Raumentwicklung Universität Liechtenstein
David Stickelberger, Geschäftsleiter
Swissolar
Dr. Patrick Hofer-Noser, Präsident Cleantech Schweiz


Präsentation des Themenanlasses «Das Gebäude als Kraftwerk»"

Präsentation: Das Gebäude als Kraftwerk


Impressum

Text: Paul Knüsel, Faktor Journalisten AG, www.fachjournalisten.ch
Interviews: Peter Basler
Kamera und Schnitt: Adrian Baumann, TVision, www.tvision.ch
Fotografie: MCH Swissbau
Konzept und Koordination: IEU AG, Liestal, www.ieu.ch


Redaktion Swissbau

Redaktion Swissbau

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