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Bauleiter von morgen

Publiziert am 21.11.2011 von Andrea Deplazes, Professor für Architektur und Konstruktion ETH Zürich und Mitglied der Direktion des SIA
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Meinung Qualifizierte Bauleiter sind Mangelware. Architekten, die als Generalisten das gesamte Leistungsspektrum abdecken, gibt es. Architekten, die sich auf die frühen Leistungsphasen spezialisieren, auch. Architekten, die besondere Kompetenzen in Ausführung und Bauleitung haben, bilden dagegen eine rare Spezies.

Damit droht eine wesentliche Grundlage für die hohe Qualität des Bauwerks Schweiz verloren zu gehen. Die Ursachen für die Malaise sind vielfältig. Sie beginnen bei der Ausbildung.

Bis Bologna sorgten zwei komplementäre Ausbildungswege für die konzeptionelle und die praktische Kompetenz Schweizer Architekten. Seither scheinen Ausführung und Konstruktion auf dem Rückzug.

Ein genügend gut entwickeltes Ausbildungsprogramm, das auf Architekten mit einer Präferenz für die späten Leistungsphasen abzielt, besteht hierzulande jedenfalls nicht. Zwar hält die höhere Berufsbildung diverse Angebote zur Bauleitung bereit. Ein Bauleiter ist aber nicht nur ein Manager von Terminen und Kosten. Ein Bauleiter muss auch etwas vom Entwurf verstehen. Eine Ausbildung auf Hochschulniveau ist deshalb unabdingbar. Für den Hochbau sollte ein späterer Bauleiter zumindest ein Bachelorstudium in Architektur absolvieren, um sich darauf aufbauend dann in einem Masterstudiengang in Ausführungsplanung und Ausführung zu vertiefen. Ein solches Angebot wäre in der Schweiz einzigartig und deshalb sicher auch ökonomisch interessant. Welche Schule sich den Bauleitern von morgen annimmt ist noch offen; ob Fachhochschule oder Universität ist sekundär.

Andrea Deplazes

Andrea Deplazes

Andrea Deplazes ist dipl. Architekt ETH ZH, Mitglied des Bundes Schweizer Architekten (BSA), Mitglied der Direktion des SIA und seit 1997 Professor für Architektur und Konstruktion an der ETH Zürich. Seit Abschluss des Studiums ist er zudem gemeinsam mit Valentin Bearth als selbständiger Architekt im Architekturbüro Bearth & Deplazes Architekten AG tätig.

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Kommentare

  • Rina Schneller sagte:
    21.11.2011 16:30
    BauleiterInnen, welche den Cleantech Masterplan kennen und umsetzen. LandschaftsarchitektInnen, welche die einheimischen Pflanzen lieben und auch pflanzen. Vielleicht sollte es überall mehr Macher als Schwätzer geben?