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Werterhaltung ist Umweltschutz

Publiziert am 14.10.2011 von Gabriela Winkler, Kommunikationsberaterin und Vizepräsidentin der Energiekommission der FDP Schweiz
Bestandsanierung Window

Meinung Jeder Bauherr muss ein Interesse daran haben, ein solides, dauerhaftes Gebäude zu erstellen und den Wert seiner Liegenschaft zu erhalten. Seit den 90er Jahren rücken beim Neubau qualitativ hochwertige Materialien, die sowohl der Ästethik wie den energetischen Anforderungen genügen, in den Vordergrund. Nachhaltiges Bauen bedeutet, sich schon bei der Wahl dieser Materialien Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie dereinst entsorgt werden müssen.

So sind sich wohl die wenigstens bewusst, dass Photovoltaikzellen als Sondermüll entsorgt werden müssen. Die Schweiz ist ein Land der Altbauten. Wir haben einen der ältesten Gebäudebestände Europas. Schätzungsweise 1,5 Millionen Gebäude, die in der Zeit zwischen 1960 und 1990 entstanden sind, sind energetisch sanierungsbedürftig. Hier liegen grosse Energieeffizienzpotenziale, hier schlummern auf wenigstens 50 Jahre hinaus substanzielle Auftragsvolumina für die Baubranche. Es wird am kantonalen Gesetzgeber und der Ausgestaltung der kommunalen Baureglemente liegen, dass nicht nur bestehende Gebäude saniert werden, sondern auch die Ersatzquote von 1,5% deutlich steigt. Das nationale Gebäudesanierungsprogramm hat Chancen und Risiken. Die Chance, dass auch Häuser, deren Besitzer nicht ohne weiteres in der Lage sind, grössere Investitionen zu tätigen, ermutigt werden, dank dieses Programmes und den Umwelthypotheken praktisch aller Banken, energetisch zu sanieren. Das Risiko liegt darin, dass das Programm bereits Einzelbauteile fördert. Das senkt die Effizienz der eingesetzten Gelder. Um wirklich einen Effekt zu erzielen, der sich nicht nur in der Nebenkostenrechnung des Einzelnen bemerkbar macht, sondern auch in der nationalen Energiebuchhaltung niederschlägt, sollten wenigstens zwei Elemente gleichzeitig erneuert werden.

Noch schlägt sich die Höherwertigkeit eines energetisch sanierten Baus eher in höheren Versicherungsprämien, höherem Steuer- und Eigenmietwert nieder als beim Verkaufs- oder Mietpreis.

Beim Verkaufs- oder Mietpreis dominieren Standort, Verkehrsgunst, Bildungs- und Kulturangebot noch vor den kommunalen Steuern bei der Verkehrswertschätzung. Das wird sich mit steigenden Energiepreisen ändern. Entsprechend boomt seit einigen Jahren nahezu unberührt von der Finanzkrise die binnengerichtete Bauwirtschaft.

Gabriela Winkler

Gabriela Winkler

Gabriela Winkler, dipl. sc. nat. ETH, ist Inhaberin einer Beratungsfirma für Kommunikationsfragen in Zürich-Oberglatt. Seit 1999 ist Gabriela Winkler Kantonsrätin und seit 2007 Mitglied der Kommission für Energie, Verkehr, Umwelt (KEVU). Zudem amtet Sie als Präsidentin des Ausschusses Energie, Verkehr und Umwelt der FDP Kantonsratsfraktoin und der Kantonalpartei. Nebst ihrer Mitgliedschaft im Fraktionsvorstand ist Gabriela Winkler zudem Vizepräsidentin der Energiekommission der FDP Schweiz.

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