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Gebäudelabels und Nachhaltigkeit: Gewinner und Verlierer

Publiziert am 29.09.2011 von Andreas Ammann, Vorsitzender der Geschäftsleitung Wüest & Partner
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Meinung Mit Nachhaltigkeit und entsprechenden Gebäudelabels assoziert man hehre Ziele. Doch auch in diesem Bereich ist man nicht frei von ökonomischen Abhängigkeiten. So finden sich in der Schweiz beispielsweise am meisten Minergiebauten an ökonomisch privilegierten Standorten.

Auch begann die Erfolgsgeschichte von Minergie bei den Einfamilienhäusern, also der teuersten Kategorie der Wohnobjekte. Das ist nachvollziehbar und erklärbar. Studien zeigen, dass Minergiebauten am Markt einen Mehrwert erzielen, der prozentual überall etwa gleich hoch ausfällt. Gemäss Analyse von Wüest & Partner erzielen Minergie-Einfamilienhäuser gegenüber konventionellen Objekten einen um 4.9% höheren Verkaufspreis und Mietwohnungen im Minergiestandard eine um 6.5% höhere Miete. Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen absoluten Marktwerte ergeben sich in Franken gemessen unterschiedliche Aufpreise für Minergie. Dies führt dazu, dass die baulichen Mehrkosten für den besseren energetischen Standard an hochpreisigen Lagen durch den höheren Verkaufspreis gedeckt sind – oder gar übertroffen werden – während der Aufschlag an günstigen Lagen die Mehrkosten nicht zu kompensieren vermag. Die selben Mechanismen spielen nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei der Sanierung von Altbauten.

Die Bestrebungen nach mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit beim Bauen werden daher das Gefälle zwischen vorteilhaften Standorten und zeitgemässen Objekten gegenüber wirtschaftlich schwachen Standorten und nicht mehr der Nachfrage entsprechenden Objekten weiter akzentuieren.

Die Schere zwischen Neubauten und Altbauten öffnet sich ebenfalls. Während sich für Neubauten sowie an guten Lagen generell neue Chancen eröffnen, stehen Altbauten an einfachen Lagen vor grossen Herausforderungen und laufen Gefahr, gegenüber dem Markt immer weiter abzufallen.

Andreas Ammann

Andreas Ammann

Nach dem Studium der Architektur, der Betriebswirtschaft und des Managements erlangte Andreas Ammann, dipl. Architekt ETH/SIA, den eidgenössischen Fachausweis zum Immobilienschätzer. Heute ist er als Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Wüest & Partner tätig. Neben verschiedenen Lehraufträgen hält er Seminare und Vorträge zu den Themen Bewertung und Portfoliomanagement.

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