Blog

Unter dem eigenen Dach

Publiziert am 22.08.2011 von Ansgar Gmür, Direktor Hauseigentümerverband Schweiz (HEV)
Einfamiliensiedlung Window

Meinung Ich wohne in einem Einfamilienhausquartier im Kanton Zürich. Nehmen wir einmal an, das Haus stünde in der Wohnzone W2, die maximale Ausnützung wäre auf 30% festgesetzt. Wenn ich den Dachstock für eine meiner Töchter zu einer Einliegerwohnung ausbauen wollte, würde dies nicht bewilligt. Die Begründung wäre: Die zulässige Ausnützung ist überschritten. Solche Regelungen sind unverständlich. 

Einerseits werden die Einfamilienhäuser und ihre Besitzer für ihren Landverbrauch kritisiert, andererseits verhindern Planungs- und Baugesetze noch immer eine höhere Ausnützung der bestehenden Bauvolumen.

Ausnützungsziffern und Baumassenziffern bestimmen vereinfacht gesagt, wie viel Haus auf einem Grundstück stehen darf. Sie haben bezüglich der zulässigen Gebäudevolumen durchaus ihre Berechtigung. Sie begrenzen jedoch die Nutzung des bestehenden Volumens vielerorts noch immer in unzulässiger Weise. Sie behindern damit die gewünschte bauliche Verdichtung. Bauliche Änderungen innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens sollten nach Ansicht des Hauseigentümerverbands gar nicht bewilligungspflichtig sein. Dies ist unnötiger bürokratischer Aufwand. Was baulich innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens geschieht und die äussere Erscheinung nicht beeinträchtigt, sollte Sache des Eigentümers sein. Der Ausbau des Dachstocks zu einem Vollgeschoss sollte zudem praktisch überall bewilligt werden können. Ein Spezialfall sind Nutzungsänderungen, z.B. von nicht mehr genutzten, aber ans Haus angebauten Ställen. Solche Nutzungsänderungen sind zu Recht bewilligungspflichtig. Sie sollten jedoch, wenn es um die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum geht, grosszügig bewilligt werden.

Die Ausnutzung kann auch im Zusammenhang mit energetischen Sanierungen zum Thema werden, nämlich dann, wenn es um die Anbringung von zusätzlichen Dämmschichten an der Aussenwand geht. Oftmals wird die Aussenhülle zur Ausnützungs- oder Baumassenziffer hinzugezählt, obwohl dabei gar kein zusätzlicher Wohnraum entstanden ist. Dies macht keinen Sinn. Die Gemeinde Haldenstein (GR) geht da einen anderen, besseren Weg. Wer in Haldenstein (gewisse Quartiere ausgenommen) eine energetische Sanierung vornimmt, soll dafür mit einer höheren Ausnützungsziffer belohnt werden. Konkret muss der Passivhaus-Standard erreicht werden. Auch wenn die Anforderungen hoch sind: Solche Anreize sind sinnvoll. Sie senken nicht nur den Energieverbrauch, sie tragen auch zur inneren Verdichtung bei.

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür

Ansgar Gmür ist Direktor des Hauseigentümerverbandes Schweiz (HEV Schweiz) und Chefredaktor der Fachzeitung «Der Schweizerische Hauseigentümer». Der HEV Schweiz hat heute rund 318‘000 Mitglieder in 122 Sektionen. Als Direktor des HEV Schweiz setzt sich Ansgar Gmür auf nationaler Ebene für die Interessen der Haus-, Grund- und Stockwerkeigentümer ein.

Veröffentlicht unter:

Kommentar verfassen

 
 

 

Kommentare

  • Geoffrey sagte:
    29.08.2011 15:05
    Ahoi, ich bin mal so frech und schreibe was auf deiner Seite. Sieht super aus! Ich benutze auch seit kurzem Wordpress verstehe aber noch nicht alles. Dein Blog ist mir da immer eine grosse Motivation. Weiter so!