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Konkurrenz für Minergielabel

Publiziert am 02.08.2011 von Andreas Ammann, Vorsitzender der Geschäftsleitung Wüest & Partner
Label Graphik 1

Meinung Labels sind bei Gebäuden noch ein neueres Phänomen. In vielen anderen Bereichen sind sie hingegen schon sehr verbreitet, so bei Lebensmitteln (z.B. Bioprodukte), Haushaltgeräten und bei Autos (aktuell: neue Energieetikette für Personenwagen). Bei Gebäuden wurden die Vorschriften und Anforderungen an die Energieeffizienz für Neubauten sukzessive verschärft, ein obligatorisches Label oder Zertifikat gibt es bisher aber nicht. 

Eine Erfolgsgeschichte hierzulande ist das private Label Minergie. Dieses hat in der Schweiz erstmals aufgezeigt, welche Wirkung Labels auch im Bereich der Immobilien entfalten können, ist es doch quasi zum Synonym für energieeffizientes Bauen geworden. Während die Aussage, ein Gebäude entspreche den Standards der MuKEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) für den Laien wenig Aussagekraft besitzt, wird mit Minergie nicht selten umfassende Nachhaltigkeit assoziiert – also gar mehr, als es technisch betrachtet effektiv bedeutet. Im Gegensatz zu verschiedenen internationalen «Green Building Labels» beschränkt sich das klassische Minergielabel nämlich auf die Energieeffizienz, während die übrigen Aspekte der Nachhaltigkeit nicht abgebildet werden.

Die Schweiz verfügt über hohe Standards im Bereich Gebäudeenergie und darf sich diesbezüglich zu den führenden Nationen zählen. Jedoch kann sie noch kein eigenes umfassendes Nachhaltigkeitslabel aufweisen, welches mit den weit reichenden Anforderungen der führenden internationalen Labels vergleichbar wäre. Hier besteht eine gewisse Lücke.

Andreas Ammann zum Gebäudeenergieausweis


Und es sind nun auch internationale Entwicklungen, welche das Thema der Gebäudelabels in der Schweiz so richtig lancieren. Vor kurzem noch weitgehend unbekannt, sind Gebäudelabels aus anderen Ländern zunehmend Gegenstand hiesiger Diskussion und es wurden auch schon erste Gebäude in der Schweiz nach internationalen Labels zertifiziert. So wurde beispielsweise das höchste Gebäude der Schweiz, der Prime Tower in Zürich, nach dem amerikanischen Label LEED zertifiziert. LEED ist allerdings nur eines von zahlreichen internationalen Labels, welche eine zunehmende Verbreitung anstreben. Aufgrund der Vielfalt an Labels und deren nicht immer einfach erkennbaren inhaltlichen Ausrichtungen und Unterschieden, fällt der Überblick bereits schwer. Die Vielfalt und Vielzahl von Labels kann dabei kontraproduktiv sein und die Aussagekraft relativieren. Aber: Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Wettbewerb unter den Labels wird insgesamt deren Weiterentwicklung fördern. In der Schweiz ist dadurch auch Minergie herausgefordert. Welche Labels sich mittelfristig in der Schweiz durchsetzen werden, lässt sich heute schwer abschätzen. Es ist aber davon auszugehen, dass internationale Labels den Konkurrenzkampf intensivieren und versuchen werden, in der Schweiz stärker Fuss zu fassen. Die Internationalisierung der Märkte – beispielsweise die Vermietung von Büroflächen an internationale Firmen – wird diese Entwicklung verstärken.
Andreas Ammann

Andreas Ammann

Nach dem Studium der Architektur, der Betriebswirtschaft und des Managements erlangte Andreas Ammann, dipl. Architekt ETH/SIA, den eidgenössischen Fachausweis zum Immobilienschätzer. Heute ist er als Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Wüest & Partner tätig. Neben verschiedenen Lehraufträgen hält er Seminare und Vorträge zu den Themen Bewertung und Portfoliomanagement.

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Kommentare

  • 09.08.2011 12:19
    Konkurrenz belebt den Markt. Der Prime Tower ist nicht nur nach LEED, sondern auch nach MINERGIE zertifiziert.

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