18. – 21. Januar 2022

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Life-Cycle-Orientierung erfordert Umdenken in der Bauwirtschaft

In seinem Bericht « Factor Five » für den Club of Rome identifiziert Ernst Ulrich von Weizsäcker die Nachhaltigkeit als den Megatrend. In der Schweizer Immobilienwirtschaft kursiert ein bodenständiger Begriff von Nachhaltigkeit. Lebenszyklusorientierung ist quasi «common sense». Und doch gibt es Hemmnisse – wie können wir diese überwinden? 
 
Trotz diesem gemeinsamen Verständnis und dem anerkannten Bedarf für Nachhaltigkeit und mehr Lebenszyklusorientierung gibt es heute nach wie vor wesentliche Hemmnisse, die Erfolg versprechende Konzepte in der Nachhaltigkeits- und Life-Cycle-Thematik der Immobilienwirtschaft verhindern.
 
Folgende Faktoren spielen dabei eine wesentliche Rolle:
 
  • Traditionelle Beschaffungsstrukturen mit investitionskostenorientierter Ausschreibungspraxis:
    Beispielsweise richtet sich das SIA-Planerhonorar oft nach dem Bauinvestitionsvolumen und die Realisierung eines Projekts wird anhand der minimalen Investitionskosten entschieden.
  • Klassische Rollenverteilung und Verantwortlichkeiten im Bauprozess:
    Oft versuchen Planer durch Sicherheitszuschläge etwaige Planungsfehler zu vermeiden, Bauunternehmen garantieren die optimierten Investitionskosten und die Betreiber eines Gebäudes entschuldigen den suboptimalen Betrieb mit Fehlern in den vorherigen Planungs- und Realisierungsphasen.
  • Fehlende strukturierte Datenbasis über Life-Cycle-Kosten:
    Es gibt zwischenzeitlich eine vergleichsweise hohe Sicherheit bezüglich Investitions- oder Realisierungskosten. Die Datenbasis über die Kosten der Nutzungsphase ist jedoch noch recht dünn, beziehungsweise unstrukturiert.

Ich persönlich finde «Performance Contracting» (wie zum Beispiel «Priora hochdrei») aus der Energiewirtschaft einen überzeugenden Ansatz, dessen Mechanismen es auf die Immobilie zu übertragen gilt. Konkret hiesse das, dass der Auftragnehmer der Bauwirtschaft, zum Beispiel der Totalunternehmer, als Contractor direkt Verantwortung für die Funktionalität des Gebäudes im Betrieb übernimmt – über die Abnahme hinaus. Dieser Ansatz räumt endlich mit den Hemmnissen auf, indem er die Gesamtlebenszykluskosten dem Wettbewerb unterstellt und in die Verantwortung des Contractors übernimmt. Dies zwingt alle Beteiligten zu einer echten Lebenszyklusorientierung. Das ist die Basis für nachhaltiges Bauen!

David Lunze zu den Lebenszykluskosten

Benedikt Loderer studierte nach einer Bauzeichnerlehre Architektur an der ETH Zürich, wo er auch doktorierte. Nach seinem Studium ging er bald in den Journalismus. Für die Redaktion des Tagesanzeigers schrieb er Berichte als Stadtwanderer und Architekturkritiker. 1988 gründete er Hochparterre, die Zeitschrift für Architektur und Design, deren Chefredaktor er von 1988 bis 1997 war. 2010 pensionierte sich Benedikt Loderer als Redaktor. Seither frönt er dem Stadtwandern als Hobby.

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