16. – 19. Januar 2024

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Porenbeton und digitale Integration aus einer Hand

Wie klimafreundlich ist Porenbeton und für welche Anwendungen eignet er sich? Fabian Franke von Xella erklärt im Interview, wie digitale Planung die Effizienz erhöht und dazu beiträgt, Ressourcen zu schonen.
 

Fabian Franke, was genau ist Porenbeton und wie unterscheidet er sich von herkömmlichem Beton?
Porenbeton wird aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. Im Gegensatz zu Beton hat er keine Gesteinskörnung und wird nicht verdichtet. Er erreicht nicht so hohe Druckfestigkeiten, hat dafür aber wesentlich bessere Dämmeigenschaften. Porenbeton besteht aus Kalk, Sand und Wasser, während des Produktionsprozesses wird Aluminium-Paste als Katalysator beigefügt. Durch diese besondere Rezeptur entstehen Millionen von Luftporen, die für besonders gute Wärmedämmeigenschaften sorgen – und die dem Porenbeton auch seinen Namen gaben. Der mineralische Baustoff ist zudem schadstofffrei, langlebig und umweltfreundlich. Porenbeton ist allergikerfreundlich und reduziert durch seine Zusammensetzung und Struktur die Gefahr von Schimmel oder feuchten Wänden. Darüber hinaus ermöglicht er durch seine hohe Wärmespeicherfähigkeit auch im Sommer ein angenehmes Raumklima. 

Für welche Anwendungen eignet sich Porenbeton?
Porenbeton unserer Marke «Ytong» steht seit mehr als 70 Jahren für optimale Wärmedämmung und hohe Qualität. Das Ytong-Bausystem mit seinen aufeinander abgestimmten Einzelkomponenten ermöglicht einen schnellen Baufortschritt und eine hohe Wirtschaftlichkeit. Unser Porenbeton eignet sich besonders für monolithische Bauten, die dadurch keine zusätzliche Wärmedämmung benötigen. Daneben kommt er bei Ein- und Mehrfamilienhäusern ebenso zum Einsatz wie bei Hochhäusern oder Lagerhallen. 

Wie steht es um die Ökobilanz des Porenbetons?
Porenbeton weist aufgrund seiner Langlebigkeit eine hervorragende Ökobilanz auf. Die für die Herstellung aufgewendete Energie wird über den langen Lebenszyklus ausgeglichen. Zudem benötigen Gebäude mit Porenbeton keine zusätzliche Wärmedämmung, was sich ebenfalls positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt. Ytong-Porenbeton wurde 2011 als erster Baustoff überhaupt Cradle-to-Cradle-zertifiziert. Bei der Produktion wird zum Beispiel Verschnitt- und Bruchmaterial gesammelt, zu Porenbetonmehl zerkleinert und wieder der Produktion beigefügt. So wird ein Teil der eingesetzten Primärrohstoffe durch die zerkleinerten Porenbetonreste ersetzt. Sortenreine Restmaterialien von Baustellen werden ebenfalls wieder der Produktion zugeführt. Nur 1,4 Prozent der eingesetzten Materialmenge verlassen die Xella-Produktionsstätten als Abfall.

 

Einblick in die Porenbeton-Produktion. Gut zu erkennen ist die charakteristische Struktur des Materials. (Foto: Xella)
Einblick in die Porenbeton-Produktion. Gut zu erkennen ist die charakteristische Struktur des Materials. (Foto: Xella)



Xella bietet auch Leistungen im Bereich des digitalen Bauens an. Worum geht es da konkret?
Mithilfe statischer und bauphysikalischer Berechnungen optimieren wir die Materialauswahl sowie die Wirtschaftlichkeit von Projekten. Dies erreichen wir, indem wir an vier Punkten unterstützend in den Planungs- und Bauprozess eingreifen: 

1.    Über die modellbasierte Planung liefern wir ein eigenes IFC-Modell als Planungsgrundlage. Dies erleichtert die Koordination mit anderen Gewerken und die Masseberechnung.
2.    Das IFC-Modell wird zur Off-Site-Produktion in unseren Werken genutzt. Der grosse Vorteil dabei: Wir können so 100 Prozent des Verschnitts recyceln. Auf der Baustelle muss somit nur noch aufgestellt werden – es gibt keinen Zuschnitt, keine Lärmbelästigung und keinen Verschnitt. 
3.    Aufgrund der digital gesteuerten Produktion können wir auch die Logistik unserer Elemente nahtlos und kosteneffizient organisieren. Bei grösseren Projekten ein entscheidender Vorteil. 
4.    Effizienz auf der Baustelle: Eine Wand können wir bis zu dreimal schneller aufbauen als bei herkömmlichen Methoden und reduzieren damit die Lohnkosten deutlich. Die benötigten Aufbauanleitungen werden aus dem Modell heraus automatisiert erstellt. 

Welche weiteren Chancen bietet eine solche digitale Planung?
Wir können damit fachübergreifend so eng zusammenarbeiten, wie es die Komplexität unserer Projekte erfordert. Unsere Expertise wird dann eingebracht, wenn sie benötigt wird, und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist. Die Bauindustrie muss umdenken und neue Lösungen für effizientere Prozesse finden. Als Baustoffhersteller können wir mithilfe der Digitalisierung dazu beitragen, indem wir beim Planen und Erstellen von High-Perfomance-Gebäuden Unterstützung leisten. 

 

Auf dem Areal der ehemaligen Zuckerfabrik entstanden in Regensburg verschiedene Gebäude aus Porenbeton. (Foto: Xella)
Auf dem Areal der ehemaligen Zuckerfabrik entstanden in Regensburg verschiedene Gebäude aus Porenbeton. (Foto: Xella)


 

Welche Herausforderungen sind noch zu lösen, um den digitalen Planungsprozess auf breiter Ebene respektive bei allen Akteuren zu etablieren?
Entscheidend ist vor allem das Mindset. Es braucht Offenheit gegenüber Neuem und Vertrauen gegenüber den Partnern. Bauherrschaften müssen mehr Verantwortung übernehmen und die Grundlagen dafür schaffen, dass die Projektoptimierung für alle Beteiligten gleichermassen attraktiv ist. So könnten zum Beispiel Projektteams, die zu Kosteneinsparungen beitragen, an diesen direkt beteiligt werden. Derzeit passiert ja das Gegenteil: Der Architekt verliert Honorar, wenn er Einsparungen erreicht. Für ein Umdenken braucht es entsprechend aktive Bauherrschaften. Nur so können wir den Klimawandel und die Rohstoffknappheit effektiv angehen.

 

Das bei der Produktion oder beim Zuschnitt anfallende Restmaterial kann problemlos in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. (Foto: Xella)
Das bei der Produktion oder beim Zuschnitt anfallende Restmaterial kann problemlos in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. (Foto: Xella)


 

Xella engagiert sich auch an der Swissbau, etwa beim Projekt S-Tates. Was hat Xella dazu beigetragen?
Als einziger Baustoffhersteller mit voller BIM-Integration im Innovation Lab konnten wir einen interessanten neuen Blickwinkel einbringen. Unser Schwerpunkt lag auf den Themen Baustelle und Materialisierung – Aspekte, die leider immer wieder vernachlässigt werden und deren Tragweite man immer wieder unterschätzt. Vielen Planern wurde erst durch die Zusammenarbeit klar, wie wichtig es ist, uns schon in der Planungsphase an Bord zu haben. Die Einsparungen können sehr gross sein, wenn man die Möglichkeiten der Digitalisierung voll nutzt. Wir sorgen dafür, dass die digitale Kette auf dem Bau geschlossen wird. Als digitalisierter Steine-Hersteller und Exot unter den Ausstellern haben wir dafür viel positives Feedback bekommen. 

 

Fabian Franke beleuchtet im Praxistalk im Swissbau Focus die Chancen, welche durch elementierten Massivbau und digitale Planung entstehen. Sichern Sie sich Ihren Platz und melden Sie sich hier zur Veranstaltung an.

 

Fabian Franke, Xella

Fabian Franke ist diplomierter Ingenieur mit Spezialisierung auf BIM und VDC. Seit 2020 ist er Digital Building Solutions and Transformation Manager bei Xella Schweiz. (Foto: Xella)

 

Über Xella
Das international tätige Unternehmen Xella bietet mineralische Wand- und Dämmstoffe an. Gleichzeitig ist die Firma eine Vorreiterin bei der digitalen Planung und der Integration in BIM-Prozesse. Bei Xella mit ihren Baustoffmarken Ytong, Silka und Hebel sowie der Dämmstoffmarke Multipor arbeiten weltweit mehr als 7000 Menschen. Sie generieren in 95 Produktionswerken einen Jahresumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Franken.

www.xella.com

Remo Bürgi ist Kommunikator ZFH und arbeitet als Fachjournalist bei Faktor Journalisten. Er verfasst Beiträge für Publikationen des Faktor Verlags ebenso wie für verschiedene Fachzeitschriften und Blogs. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.
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