18. – 21. Januar 2022

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Baubranche und Politik: ein Traumpaar für den Gebäudepark

Der Nationalrat hat in der Wintersession ein erstes Mal die Energiestrategie 2050 beraten und dabei die wichtigsten Pflöcke eingeschlagen. Die Baubranche wird grosse Aufgaben erhalten – muss vorher aber viel in die Kommunikation investieren. 

Auch wenn sich die öffentliche Debatte stark um die Elektrizität dreht: Die Verminderung der fossilen Energieträger ist einer der wichtigsten Pfeiler der Energiestrategie 2050. Die Beschlüsse des Nationalrats, welche im Gebäudebereich weitgehend mit den Vorschlägen des Bundesrates übereinstimmen, tragen dem Rechnung. Im neuen Energiegesetz werden die Kantone angehalten, Vorschriften für die sparsame und effiziente Energienutzung zu erlassen, das Gebäudeprogramm der Kantone wird aufrechterhalten und sogar noch stärker alimentiert und dafür wird die CO2-Abgabe erhöht.

Und wo steht die Baubranche? Welchen Beitrag kann und soll sie leisten? Der Gebäudepark verschlingt 49% des fossilen Energiebedarfs und immer noch 37% des Elektrizitätsbedarfs. Will die Schweiz ihren Verbrauch fossiler Energien bis 2050 tatsächlich massgeblich reduziert haben, dann reicht die heutige Sanierungsrate im Energiebereich von 0.9% bei Weitem nicht aus!  

Die Voraussetzungen, diese Sanierungsrate zu steigern, sind so gut wie nie: Die Zinsen sind tief und die raumplanerischen Vorgaben für das Bauen auf der grünen Wiese werden verschärft. Mit der Energiestrategie sollen diese Rahmenbedingungen noch weiter verbessert werden: Hauseigentümer sollen neu über mehrere Steuerperioden Abzüge für Sanierungen machen können. Statt «Pinselrenovationen» erfolgen dann eher echte und effiziente Gesamtsanierungen.

Es gibt nur einen Hemmschuh, der im Moment die Sanierungsrate drückt: die tiefen Energiepreise. Auf dem Primärenergiemarkt herrscht ein eigentlicher Krieg und das Heizöl ist so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Die Amortisation einer neuen Heizung oder eben einer energetischen Gesamtsanierung dauert dadurch entsprechend länger. Die Branche ist deshalb im Moment vor allem kommunikativ gefordert.

Es muss der Branche gelingen, den Hausbesitzern zu erklären, dass sich der Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung und eine effiziente Gebäudehülle lohnt.

Finanziell rechnen sich diese Investitionen zwar oftmals erst in Jahren, dafür ist man jedoch auch weniger von den Volatilitäten des Energiemarktes abhängig, bezahlt weniger Unterhaltskosten und erfährt vor allem mehr Behaglichkeit. Die Baubranche als Kommunikator, die Politik als Rahmengeber. Das ist das Traumpaar auf dem Weg zum nachhaltigen Gebäudepark Schweiz.

Stefan Müller-Altermatt ist Nationalrat der CVP aus dem Kanton Solothurn. Er ist Vizepräsident der Umwelt-, Raumplanungs- und Energiekommission des Nationalrats. Er hat an der Universität Basel Biologie studiert und gleichenorts promoviert. Neben seinem Mandat als Nationalrat ist er Gemeindepräsident von Herbetswil.

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